Wie Pfaffen geheilt wurden

Drei fette Pfaffen wollten einmal ins Heilbad fah-ren. Sie waren so dick wie gemästete Eber. Was sie auch alles taten, was für Medikamente sie auch einnahmen, nichts half.
Die Ärzte sagten, daß sie ins Heilbad fahren müßten, um dort ihr Fett loszuwerden.
Da fuhren die Pfaffen zu den Gutsherren, um Geld für die Reise zu sammeln. Sie kamen zu einem Gutsherrn und beklagten sich bei ihm über ihr Unglück.
Der Gutsherr bat die Pfaffen, bei ihm zu Abend zu essen und zu übernachten.
So blieben die Pfaffen bei ihm. Der Gutsherr führte sie zu Tisch und setzte ihnen so viel vor, daß die Pfaffen schon an der Tafel einschliefen. Sie schnarchten aus Leibeskräften und schliefen so fest, daß man mit Kanonen hätte schießen können, sie hätten es doch nicht gehört.
Da ließ sie der Gutsherr ausziehen, in die Brauerei bringen und zu den Brauereiarbeitern legen.
Am anderen Morgen waren die Pfaffen wieder etwas nüchterner, wußten aber nicht, wo sie waren. Da wurden die Burschen geweckt, das Kartoffelfeld zu jäten.
Die Pfaffen erhoben sich und wollten nicht mit zur Arbeit gehen. Da zog ihnen der Meister eins mit der Peitsche über, und so mußten sie schon gehen.
Nun arbeiteten die Pfaffen zusammen mit den anderen, machten alles, was zu tun war, aßen zusammen mit den anderen, schliefen mit ihnen zu-sammen und kamen überhaupt nicht aus der Brauerei heraus.
So verging eine Woche, eine zweite Woche, und die Pfaffen begannen ihren Speck loszuwerden. Nach ungefähr fünf Wochen waren sie schon so dünn wie Windhunde. Sie schauten einander an und konnten nicht verstehen, wie sie diese fünf Wochen ausgehalten hatten.
Die Pfaffen dachten schon, daß der Teufel sie geholt und zum Schabernack in die Brauerei versetzt hätte. Sie glaubten, daß sie dort nie mehr herauskommen würden.
Da ließ der Gutsherr den Brauereiarbeitern einen Eimer Schnaps bringen. Die Pfaffen bekamen auch einen Eimer voll vom besten und stärksten.
Sie tranken sich voll und wälzten sich besin-nungslos in der Brauerei am Kessel. Als die Pfaffen fest eingeschlafen waren, ließ sie der Gutsherr in das Gästezimmer bringen, wo sie die erste Nacht gelegen hatten.
Als die Pfaffen am anderen Tag aufwachten, schüttelten sie sich, waren erschrocken, daß sie es verschlafen hatten, und fürchteten, daß ihnen der Verwalter wieder eins mit der Peitsche überziehen würde. Sie wollten sich schnell anziehen, sahen aber, daß ihre Pfaffenkleidung dalag. Da wunderten sie sich und trauten ihren Augen nicht. Als sie sich angezogen hatten, kam auch schon der Gutsherr und rief sie zum Tee.
Er bewirtete die Pfaffen und fragte sie, wohin sie ins Heilbad fahren wollten.
„Nein“, sagten die Pfaffen wie aus einem Munde, „jetzt brauchen wir nicht mehr ins Heilbad zu fahren, wir sind schon geheilt.“
So hatte der Gutsherr die Pfaffen geheilt.

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