Wie die Heiligen Nikolaus und Petrus Pferde kauften

Der liebe Gott hatte die Welt nicht so eingerichtet, daß alle Güter gleichmäßig verteilt waren, das Vieh, die Menschen und die Pferde. Zuerst war das meiste in der Ukraine.
Als der Frühling kam, hatte ein belorussischer Bauer nichts, womit er pflügen konnte, denn es waren keine Pferde da.
Es geht doch aber nicht, daß unser Bruder vor Hunger umkommt!
Da gab der liebe Gott dem heiligen Nikolaus und dem Apostel Petrus Geld gegen Quittung und schickte sie in die Ukraine, um Pferde zu kaufen. Der heilige Nikolaus trank sehr gerne und ging deshalb zusammen mit Petrus in eine Kneipe. Sie tranken erst einen halben Schnaps und dann noch einen zweiten. Als Nikolaus der Schnaps zu Kopfe stieg, wurde er leichtsinnig und vertrank alles Geld, das ihm Gott gegeben hatte, bis auf die letzte Kopeke. Nikolaus und Petrus hatten jetzt nichts mehr, womit sie die Pferde kaufen konnten. Da sahen sie zwei Herden Pferde vorbeilaufen.
Nikolaus schwang sich auf das erste Pferd, und die eine Herde folgte ihm. Petrus schwang sich auf das Leitpferd der anderen Herde, und sie folgte ihm auch.
So nahmen sie die Pferde mit, ohne daß es jemand gesehen hatte. Es gab nur drei Zeugen: der erste war eine Krähe, der zweite eine Elster und der dritte ein Kuckuck.
Die Heiligen brachten Gott die Pferde und wollten ihn betrügen.
Gott fragte sie: „Habt ihr diese Pferde gekauft?“
„Ja, wir haben sie gekauft.“
„Habt ihr Zeugen dafür, daß ihr sie gekauft habt?“
„Nein, Zeugen haben wir nicht.“
Da kam die Krähe herbeigeflogen und sagte: „Ihr habt wohl die Krähe vergessen! Sie wollen die Pferde gekauft haben? Sie haben sie gestohlen, gestohlen, gestohlen!“
So saß sie auf einem Zweig und rief immer dasselbe. Dann kam die Elster herbeigeflogen.
„Was hast du zu berichten, Elster?“
Die Elster flog von einem Zweig auf den anderen und sagte: „Sie hat recht, Herrgott, recht, recht, recht!“
Schließlich kam der dritte Zeuge, der Kuckuck, geflogen, und der hatte Erbarmen. „Lieber Herrgott, sie haben sie gekauft, gekauft, gekauft!“
Petrus und Nikolaus freuten sich, daß wenigstens der Kuckuck zu ihnen hielt, und sie sagten: „Du mußt nur bis zum Tage des heiligen Petrus1 rufen, dann bist du frei. Ihr aber, Elster und Krähe, habt die Unwahrheit gesagt und müßt deshalb das ganze Jahr hindurch rufen – und sollt niemals Ruhe haben.“

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