Wie die Füchsin die Wehmutter gemacht hat

Es lebten einmal ein Gevatter und eine Gevatte-rin, der Wolf und die Füchsin. Die hatten ein Fäß-chen mit Honig. Die Füchsin aber mag Süßes gar zu gern. Einmal liegen die beiden in ihrer Hütte, und die Gevatterin klopft heimlich mit dem Schwanz.
„Gevatterin, Gevatterin!“ sagt der Wolf, „es klopft wer.“ – „Da wird mich wohl jemand als Wehmutter brauchen“, murmelt die Füchsin. „So mach dich auf den Weg und geh!“ sagt der Wolf. Die Füchsin schnell aus der Hütte hinaus und ge-radenwegs zum Honigfäßchen! Dort tat sie sich gütlich und kehrte zurück. „Wen hast du gese-hen?“ fragt der Wolf. „Den Anschnitt“, antwortet die Füchsin.
Ein zweites Mal liegt die Gevatterin wieder in der Hütte und klopft mit dem Schwanz. „Gevatterin! Es klopft wer“, sagt der Wolf. „Man braucht mich gewiß als Wehmutter.“ – „Dann geh nur hin!“ Die Füchsin ging wieder zum Honigfäßchen und schleckte, bis sie nicht mehr konnte; nur der Boden war noch mit Honig bedeckt. Wie sie zum Wolf zurückkommt, fragt der: „Wen hast du gesehen?“ – „Das Mittelstück.“
Auch ein drittes Mal überlistete die Füchsin den Wolf, und diesmal schleckte sie den ganzen Honig aus. „Wen hast du gesehen?“ fragt der Wolf. „Den Bodensatz.“
Über eine Weile stellte sich die Füchsin krank und bittet den Gevatter, ihr etwas Honig zu brin-gen. Der Gevatter ging, aber vom Honig war auch nicht ein Tröpfchen mehr da. „Gevatterin, Gevat-terin!“ ruft der Wolf, „der Honig ist ja aufgefres-sen!“ – „Was heißt aufgefressen? Wer hat ihn denn aufgefressen? Das kannst nur du gewesen sein!“ ereifert sich die Füchsin. Der Wolf bekreuzigt sich und schwört, er sage die Wahrheit. „Nun gut“, sagt die Füchsin, „wir wollen uns in die Son-ne legen, und bei wem der Honig herausschmilzt, der ist es auch gewesen.“
Sie gingen und legten sich hin. Die Füchsin kann nicht schlafen, der Wolf aber schnarcht aus vollem Halse. Endlich zeigte sich bei der Füchsin, die es schon gar nicht erwarten konnte, etwas Honig; hurtig schmierte sie ihn dem Wolf aufs Fell. „Gevatter, Gevatter!“ stößt sie den Wolf an, „was ist denn das? Jetzt weiß ich, wer den Honig gefressen hat!“ Und der Wolf, es blieb ihm nichts anderes übrig, bekannte sich schuldig. – Das Mär-chen ist zu Ende erzählt, dafür mir ein Topf mit Butter gehört.

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