Wie der Teufel ein Mädchen fing

Es war einmal ein hübsches Mädchen. Als einst ein Freier zu ihr kam, sagte sie: „Lieber heirate ich den Teufel als dich!“
Da ging der Freier wieder fort. Am nächsten Abend kam der Teufel zu ihr und sagte: „Heirate mich!“
Sie antwortete: „Nein, ich habe eine kranke Mutter.“
Da sagte der Teufel: „Deine Mutter stirbt morgen.“
Und die Mutter starb.
Am nächsten Abend kam er wieder. „Mädchen, komm mit spazieren! Ich bin gekommen, um dich zu holen.“
Sie aber sagte: „Ich kann nicht mitkommen, denn meine Schwester ist krank.“
„Morgen stirbt auch deine Schwester.“
Und die Schwester starb.
Als der Teufel wieder rief: „Mädchen, komm mit spazieren!“, sagte sie: „Mein Bruder ist krank.“
Der Teufel sagte: „Dein Bruder stirbt auch.“
Da starb auch der Bruder.
Der Teufel kam wieder und rief: „Mädchen, Mädchen, komm mit!“
Sie sagte: „Ich kann nicht mitkommen, denn ich bin selber krank.“
„Morgen stirbst du.“
Und als er am anderen Morgen kam, da war sie nicht mehr da, denn sie war gestorben. Er fragte die Schwelle: „Schwelle, Schwelle, hat man eine Tote über dich getragen?“
Die Schwelle aber antwortete: „Nein!“
Da fragte er die Bank: „Bank, Bank, hat eine Tote auf dir gelegen?“
Die Bank antwortete: „Ja!“
„Und wo ist sie jetzt?“ Er fragte den Tisch: „Tisch, haben auf dir Hostien gelegen?“
„Ja!“
Der Teufel konnte nicht herauskriegen, wo das Mädchen hingekommen war. Sie war unter dem Fenster begraben worden. Durch die Tür hatte man sie nicht hinausgetragen, damit der Teufel sie nicht findet.
Der Teufel kam am Abend wieder und rief abermals: „Mädchen, Mädchen, komm mit spazie-ren!“
Es gab keine Antwort. Da sah der Teufel eine Blume auf dem Tisch stehen. Als der Teufel weggegangen war, stieg in der Nacht das Mädchen aus der Blume. In das Haus waren aber schon an-dere Leute eingezogen. Sie hatten am Abend Es-sen auf den Tisch gestellt und sahen am Morgen, daß nichts mehr da war und daß der Löffel umgedreht war. Am nächsten Abend sagten sie: „Wir werden aufpassen!“
Sie paßten auf, und wieder stieg das Mädchen aus der Blume. Ein wunderhübsches Mädchen!
Als es aus der Blume herausgestiegen war, faßten sie es am Zopf. Da erzählte das Mädchen den Leuten ihr Unglück. Als das Mädchen in der näch-sten Nacht aus der Blume herauskam, kam der Teufel gesprungen und sagte: „Mädchen, komm mit!“
Sie aber sagte: „Ich komme nicht mit!“ und lief schnell davon.
Sie versteckte sich in der Kirche beim Allerheiligsten. Am nächsten Tag wurde die Messe gele-sen. Die Leute kamen aus der Kirche und gingen auf den Hof. Auch das Mädchen kam heraus.
Der Teufel fing sie bei der Kirche und zerrte sie fort.
Weil sie den Bräutigam abgelehnt hatte und gesagt hatte, daß sie lieber den Teufel heiraten wollte, war sie nun dem Teufel verfallen. Obwohl sie gestorben war und sich so gut versteckt hatte, hatte sie der Teufel doch gefangen.

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