Von den drei Brüdern, dem Wolf und der Wunderquelle

Ein Vater hatte drei Söhne, zwei kluge, und den dritten nannten sie Dummkopf, obwohl er gar keiner war. Da geschah es, daß die Königstochter keinen Mann finden konnte, denn alle waren ihr zuwider. Der König befahl, daß alle, die die Königstochter heiraten wollten, vorher zu der und der Quelle gehen und sich mit dem Wasser dort waschen sollten. Dann würden sie so hübsch werden, daß es der Königstochter zu Herzen ginge. Aber die Teufel ließen niemanden an die Quelle heran. Der Vater jener drei Söhne erfuhr das al-les, buk Brezeln und schickte den ältesten zu der Wunderquelle.
Er ging und ging und traf einen Wolf. Der Wolf fragte: „Wohin gehst du?“
„Dorthin und dorthin.“
„Was hast du bei dir?“
„Brezeln.“
„Gib mir etwas davon ab!“
„Einen Dreck kannst du kriegen!“
Da lief der Wolf davon.
Er ging und ging und kam schließlich zu jener Stelle. Dort herrschte solch eine Hitze, daß es einfach nicht auszuhalten war. Da er sich keinen Rat wußte, mußte er umkehren.
Da buk der Vater wieder Brezeln und schickte den mittleren Sohn zur Quelle. Dieser traf auch den Wolf, gab ihm keine Brezeln ab und kehrte auch wie ein Geprügelter nach Hause zurück.
Da sagte der Vater: „Jetzt muß unser Dummkopf sein Glück versuchen.“
„Ach“, sagten sie, „wo wird er schon hingehen, Vater? Mit einer solchen Nase hier ist keiner hin-gekommen, und da sollte er hinkommen?“
„Was geht euch das an? Soll er gehen, vielleicht kommt er bald irgendwo um!“
„Vielleicht!“
Nun, der Vater buk ihm Brezeln und schickte ihn auf den Weg. Der „Dummkopf“ ging.
Er ging und ging und traf auch den Wolf.
„Wohin gehst du?“
„Zu der Quelle.“
„Was hast du dort?“
„Brezeln.“
„Gib mir etwas zu essen!“
„Gut“, und er setzte sich hin, brach ein Stück ab, legte es hin, gab dem Wolf zu essen, und als er sich selbst satt gegessen hatte, stand er auf und sagte: „Nun Bruder, laß es dir gutgehen, vielleicht sehen wir uns noch einmal.“
Der Wolf aber sagte: „Setz dich auf mich!“
Er setzte sich auf seinen Rücken, und – hast-du-nicht-gesehen – erblickte er auch schon die Quelle. Da sagte der Wolf: „Steig ab und klettere in mein linkes Ohr und durch das rechte wieder hinaus!“
Der Dummkopf tat es. Er stieg hinein und wieder hinaus. Als er sich danach ansah, erkannte er sich nicht wieder, er war ein Gespenst geworden.
Der Wolf fragte: „Hast du eine Flasche?“
„Ja“.
„Dann geh hin! Du wirst so aussehen wie sie (die Teufel, die die Quelle bewachten), und sie werden dich nicht erkennen. Paß auf, daß du dich mit dem Rücken an die Quelle stellst, und sie werden sich auch so hinstellen, dann laß die Fla-sche unbemerkt ins Wasser, schöpfe es zwischen den Beinen hindurch und klemme die Flasche mit der linken Hand unter den Arm. Mache es aber nicht mit der rechten Hand, denn sonst drehen sich die Teufel um, und wenn sie sehen, wer du bist, werfen sie dich ins Wasser!“
Der Dummkopf tat, wie ihm geheißen. Er ging hin. Aber die Teufel sahen, daß ein Fremder kam, und wollten ihn in die Quelle stoßen. Als er nähertrat, sah er das Wasser kochen und darauf eine unzählige Menge Leichen von Zerrissenen schwimmen, die die Teufel dort hineingeworfen hatten. Da wandte er sich ab, und die Teufel drehten sich um und wollten ihn überfallen. Er aber nahm schnell etwas Wasser und lief davon, so schnell er konnte. Er kam angelaufen, und der Wolf erwartete ihn schon. „Nun, was ist?“
„Alles in Ordnung!“
„Steig in mein rechtes Ohr und durch das linke wieder hinaus.“
Er tat das, und siehe da, er wurde wieder der-selbe, der er gewesen war.
Da sagte der Wolf: „Nun setze dich auf mich!“
Er setzte sich auf seinen Rücken, und – hast-du-nicht-gesehen – waren sie zu Hause. Da sagte der Wolf: „Steig ab und geh nach Hause! Wenn du etwas brauchst, so wünsche es dir, und du wirst es haben.“
Er ging nach Hause, und die Brüder fragten: „Nun, wie ist es dir ergangen?“
„Hat jemand schon einmal solche Hitze erlebt?“
„Ach, du Dummkopf, du hättest dich nicht danach drängen sollen. Geh dreschen!“
Da ging er. Er drosch und überlegte: Vielleicht ist das irgendein böses Wasser. Da nahm er es heraus, bespritzte sich damit und wurde so hübsch, wie noch niemand auf der Welt gewesen war und auch nicht sein wird, und auch seine Kleidung strahlte.
Als er in die Hütte trat, rissen der Vater und die Brüder die Mützen von den Köpfen und dachten: Wie ist denn dieser hübsche Herr hergekommen?
Der Vater sagte zu dem ältesten Sohn: „Ruf mal unseren Dummkopf, er soll ihn sich auch ansehen!“
Aber der Dummkopf wollte nicht, daß sie ihn erkannten, er lief hinaus und legte sich auf den Dreschboden. Der älteste Bruder kam und sah ihn liegen. „Steh auf, Dummkopf, und sieh dir den Herrn an, der zu uns gekommen ist!“
Als sie zurückkamen, war niemand mehr da, und niemand wußte, wo der Herr geblieben war. Das wunderte sie.
Einmal befahl der König, daß sich alle dort und dort versammeln sollten. Die Brüder fuhren dort-hin, aber den Dummkopf nahmen sie nicht mit. Da wünschte er sich ein Pferd, und – hast-du-nicht-gesehen – stand das Pferd da. Er setzte sich darauf und war eher als die Brüder an der Stelle. Dort drängten sich die Menschen und liefen durcheinander, hierhin und dorthin. Die Leute jag-ten ihn und stießen ihn. „Ach du“, sagten sie, „was drängst du dich hier durch, du Flegel?“
Er achtete nicht darauf und ging hurtig weiter. Schließlich kam die Königstochter heraus. Alle stellten sich sofort in Reihen auf, und die Königs-tochter ging vorbei und schaute sie an. Als sie in seiner Nähe war, bespritzte er sich mit etwas Wasser und wurde so hübsch, daß die Leute sich verwunderten.
Die Königstochter trat an ihn heran, schaute ihn an und sagte: „Dieser wird mein!“ Sie gab ihm einen Ring, einen anderen, ebensolchen hatte sie am Finger.
Als er den Ring genommen hatte, verschwand er plötzlich wer weiß wohin. Die Leute suchten ihn überall, doch er war nicht zu finden. Er hatte sich auf den Wolf gesetzt und war davongeritten.
Die Brüder kamen nach Hause, der Dummkopf lag auf dem Ofen.
„Nun, was hast du gesehen, Dummkopf? Einen Ofen, aber wir haben die Königstochter gesehen und einen hübschen Herrn, der einmal unser Kö-nig wird, denn sie haben sich schon verlobt.“
Der Dummkopf hatte den Ring in ein kleines Tuch gebunden und wollte ihn gern ansehen. Als er das Tuch abnahm, erstrahlte die ganze Hütte. Da schrie der Vater: „Was spielst du am Feuer herum, Dummkopf? Willst wohl die Hütte in Brand stecken?“
Die Brüder stürzten sich gleich auf ihn, und damit endete es.
Der Dummkopf blieb noch einige Zeit in der Hütte, dann wollte er die Königstochter sehen. So fuhr er zum Königshof und stellte sich am Brunnen auf. Plötzlich kam die Königstochter mit einem Eimerchen heraus, um Wasser zu holen, und da sagte er: „Wenn die Königstochter erlaubt, werde ich ihn herausziehen.“
Da stellte sie, ohne etwas zu sagen, das Eimerchen bin. Er ließ ihn vollaufen und gab ihn ihr, sie aber wollte ihn nicht nehmen. Da ließ er unbe-merkt den Ring dort hineinfallen und ging beiseite. Sie hatte gerade das Eimerchen in die Hand genommen, als er fragte: „Warum verachtet Ihr mich so, Königstochter, ich bin doch Euer Freier.“
Sie erschrak und lief davon, wobei sie das Wasser vergoß und der Ring herausfiel. Den erkannte sie und erriet alles. Sie fragte ihn: „Was ist das? Ich habe den Ring doch einem Hübschen gegeben, aber du bist so häßlich! Woher hast du diesen Ring? Hast du ihn vielleicht gestohlen oder irgendwo gefunden?“
Da erzählte er alles, goß das Wasser aus der Flasche, sie wuschen sich damit und wurden die hübschesten Menschen auf der Welt. Bald war auch die Hochzeit.
Nach der Hochzeit kam der Feind in das Land. Der Dummkopf zog mit dem Heer in den Krieg und schlug alle Feinde, so daß nicht einer übrigblieb. Da sagte der König: „Ich und mein Heer haben gesiegt, aber nicht du!“
Und er antwortete: „Solch ein Unglück! Nun, meinetwegen.“
Danach war bald wieder ein Krieg, aber der Dummkopf ritt nicht mit in den Krieg. Doch als auf dem Schlachtfeld neben dem König nur ungefähr ein Dutzend Soldaten übriggeblieben waren, da kam er herbeigeflogen und zerschlug die Feinde endgültig. Da dachte sich der König: Ich bin schon alt und kann doch nichts mehr machen. Er aber ist jung und kann sich wehren. Warte, man muß etwas unternehmen. Er befahl, einen breiten und tiefen Graben zu graben, und sagte zu seinem Schwiegersohn: „Spring mit einem Pferd über die-sen Graben!“
Der wünschte sich ein Pferd, und – hast-du-nicht-gesehen – war das Pferd da. Er setzte sich darauf und sprang hinüber. Der König glaubte, er könne auch so hinüberspringen, und – plumps – fiel er hinein. Zusammen mit dem Pferd kam er dort um. Der Dummkopf aber lebt noch heute mit der Königstochter.

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