Vom Hammerschmied und dem Teufel

In Bilimbai in der Fabrik hat der Mann gearbeitet, von dem ich erzählen will. Sah man ihn an – ein ganz gewöhnlicher Mensch, aber er war der beste Meister. Wo war er nicht überall gewesen: am Hochofen hatte er gearbeitet, am Frischeisen-hammer hatte er gestanden. Besser als er konnte keiner das Frischeisen packen; und was ganz selt-sam war – er hatte dauernd mit Feuer zu tun, aber im Gesicht hatte er auch nicht einen einzigen Fleck.
Kein Zweifel, er verkehrte mit dem Teufel. So sagten die Leute.
Dann ging er weg von der Fabrik – wurde ent-lassen. Wieder eine unklare Sache. Er war ein Mann in vollem Saft, unverbraucht, aber er wurde entlassen. Wieder eine unsaubere Sache. Und was denkt ihr? Er befaßte sich mit der Goldsucherei, fand eine reiche Stelle, wo – das sagte er nicht. Kehrte zurück und ging wieder auf Arbeit. Baute sich ein Häuschen – ein schönes, von zwei Stockwerken. Mit seiner Frau lebte er einträchtig, gut lebte er. Einen Sohn hatte er, der arbeitete als Schmied in der Fabrik. So ein Kräftiger, Lustiger. Bei Prügeleien der erste. Den Vater liebten die Arbeiter nicht, hinter dem Sohn aber standen sie; wenn nötig, deckten sie ihn sogar gegenüber den Vorgesetzten. Der Sohn war nicht abgeneigt, eine halbe Flasche oder ein Achtel auszutrinken, der Vater aber – um nichts in der Welt ging er auch nur in ein Wirtshaus. Und daß er einmal den Teu-fel erwähnt hätte – Gott behüte! Ein komischer Kerl. Sagte ihm einer: „Mach’s mit des Teufels Mutter“, antwortete er: „Das würde ich gern, aber sie läßt mich nicht zu sich. Sie ist eine hochgebo-rene Frau.“
Er war schon hoch in den Jahren, da stellten sie den Alten an den Wasserhammer. Die Leute wur-den aufmerksam. Am Feiertag deckte er das Rad zu, aber der Hammer geht von selber. Verständ-lich, „Er“ arbeitete für ihn. So kam es auch her-aus.
Der Alte hatte in seinem neuen Hause, das er von seiner Goldsucherei gebaut hatte, einen Teu-fel an die Wand gemalt, einen ganz richtigen: kleine Hörner, Hufe an den Füßen und ein Schwänzchen – alles wie es sich gehört. Und je-den Tag, wenn der Meister auf Arbeit ging, holte er sein ganzes Werkzeug zusammen und vergaß nicht – trat vor den Teufel, vor den, der an der Wand war, verneigte sich und schwang den Hammer. So ging das die ganze Zeit.
Als der Alte völlig von Kräften gekommen war, ruft er seinen Sohn und sagte zu ihm:
„Es ist wohl jetzt die Zeit zu sterben für mich gekommen – so höre, mein lieber Sohn; viel zu sagen habe ich dir nicht, eines nur bitte ich dich: Wenn ich gestorben bin, vergiß nicht das Väterchen Teufel; ehe du auf Arbeit gehst, verneige dich vor ihm und schwinge den Hammer. Ohne das wirst du im Leben kein Glück haben.“
Der Sohn sieht – der Alte ist schon im Hinschei-den. Er wollte dem Alten Achtung erweisen und versprach ihm, den Teufel nicht zu vergessen.
Damit starb der Alte.
Seit jener Zeit, wenn der Sohn dieses Meisters auf Arbeit ging, nahm er sein Werkzeug zusam-men, ging an dem Teufel vorbei, gab ihm eins mit dem Hammer in die Fratze und ging. So wurde jene Stelle an der Wand mit jedem Mal mehr ab-geschlagen. Eines Tages hatte er dem Teufel an der Wand eins mit dem Hammer versetzt, da war an der Stelle ein Loch in der Mauer – an der Stelle des Portraits. Aus dem Loch kam der Teufel her-aus.
„So und so“, sagt er, „weswegen peinigst du mich so? Erweist mir keine Achtung? Ich werde dir dafür kein Glück geben. Dein ganzes Leben wirst du Not leiden!“ Der Meister aber lacht den Teufel aus. „Nichts kannst du“, sagt er. „Das ist alles leeres Gerede!“ Der Teufel sagt ihm seines; er dem Teufel seines. So stritten sie. „Ehe du he-rumstreitest“, sagt der Meister, „mach das, was ich nicht machen kann, dann will ich dir glauben. Siehst du dort die Alte mit dem Stock humpeln? Mach, daß sie wie eine Junge rennt!“
Der Teufel ist gleich bereit. Er sammelt schnell Kräuter, kocht eine Suppe, gibt sie der Alten zu trinken und so weiter.
Die Alte trank’s aus, klatschte in die Hände, warf den Stock beiseite und rannte los. Der Teufel frohlockte:
„Nun, wie ist’s – glaubst du jetzt, daß ich alles kann?“
Der Meister schüttelte den Kopf:
„Die hat von deiner Suppe das Laufen gekriegt. So etwas bringe ich auch zustande. Ich will dir etwas zu trinken geben, und du wirst rennen. Und wenn du auch nicht willst. Aber mache jetzt, daß unser Gastwirt mir Bücklinge machen kommt und um ein Stück Brot bittet.“
Der Teufel hörte nicht zu Ende und rannte da-von. Am Morgen, kaum daß der Meister auf die Straße getreten war, sagen sie ihm, daß der Gastwirt völlig zum Bettler geworden ist. „Alle Habe, die er besaß, ist hin. Sie haben den Wirt ratzekahl ausgeplündert. In seinem Wirtshaus ist eine Prügelei angefangen worden, und sie haben eine Suppe eingerührt, daß Gott behüte! Während er hierhin und dorthin rannte und die Obrigkeit zusammenrief, haben sie ihn so ausgeplündert, daß nur die nackten Wände übrig geblieben sind. Alles haben sie fortgetragen. Und wer – weiß man nicht, haben sie nicht herausbekommen.“
Der Meister brach in Lachen aus und sagt zum Teufel: „Mach mir keinen blauen Dunst vor, im Prügeln bin ich auch Meister, und nicht der letzte, und einen solchen Hundsfott auszuplündern finden sich immer viele bereit. Ein solches Wunder kann ich auch vollbringen und ohne den Teufel. Aber bring es fertig, aus unserem Herrn“, dem Fabrikherrn nämlich, aus Bilimbai, „einen Menschen zu machen – dann will ich dir glauben.“
Dem Teufel wurde etwas flau, er begann zu winseln und rannte los. Lange machte er sich am Herrenhaus zu schaffen, versuchte alle Teufels-kunststückchen – ohne Erfolg. Er kam zu dem Meister zurück und ließ den Schwanz hängen. „Nein“, sagt er, „ich will tun, was du willst; aber aus eurem Herrn einen Menschen machen kann ich nicht.“
Und damit verschwand er.

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