Vom Bauern, der so dumm wie eine Krähe und so gerissen wie ein Teufel war

Vor langer Zeit, als die Welt noch nicht so gerissen war wie heute, lebte einmal ein Bauer, der so dumm war wie eine Krähe. Solange sein alter Vater noch die Wirtschaft führte, ging alles noch einigermaßen. Aber eines Tages stürzte sein Vater, lag ungefähr eine Woche darnieder und gab dann Gott seine Seele. So blieb der Dummkopf allein zurück. Da er kein Brennholz hatte, kletterte er auf die Hütte, warf Bretter vorn Dach herunter und schleppte den ganzen Haufen in die Hütte. Er steckte die Bretter in den Ofen und zündete sie an. Die Bretter ragten so weit aus dem Ofen, daß man nicht einmal mehr vorbeigehen konnte.
„Warum hast du sie denn nicht zerhackt?“ fragten die Nachbarn. „Du steckst doch womöglich das ganze Dorf in Brand!“
„Die brennen auch so, wozu soll ich sie da zerhacken?“ antwortete der Dummkopf und wärmte seinen Bauch vor dem Feuer.
Nun ließ es Gott Frühling werden, die Sonne wärmte und begann den Schnee zu schmelzen. Es regnete in die Hütte, und der Dummkopf hatte nirgends mehr ein trockenes Plätzchen. Da schleppte er einen kleinen Kübel in die Hütte, legte ihn seitlich hin und kroch hinein.
Der Schnee schmolz auf den Feldern, und die Leute brachten Pflüge und Eggen in Ordnung, um den Boden bearbeiten zu können. Da wollte auch jener Dummkopf seinen Pflug zurechtmachen. Als er sah, daß der Pflug nur noch eine Sterze hatte, stieg er auf eine Eiche, setzte sich auf einen Ast und begann ihn abzusägen.
„Was machst du denn da?“ fragten ihn die Leu-te, „du fällst doch herunter!“
„Woher wißt ihr denn das?“ antwortete der Dummkopf und hörte nicht auf zu sägen. Er sägte und sägte so lange, bis er zusammen mit dem Ast auf die Erde herabfiel. Die Erde war noch weich, und so tat ihm nur der Hintern etwas weh.
Die Leute pflügten und säten nun. Auch der Dummkopf wollte das tun. Er säte, eggte dann und pflügte schließlich.
„Dummkopf, was machst du denn da? Du mußt doch erst pflügen und dann säen!“
„Das ist gehupft wie gesprungen“, antwortete der Dummkopf und machte, was er wollte. „Taufe den Teufel!“ sagten die Leute und gaben es auf, den Dummen zu belehren. Aber bekanntlich hilft der Teufel den Dummen. Es kam ein sehr trocke-ner Sommer, und bei dem Dummkopf wuchs mehr auf dem Feld als bei den anderen Leuten. Der Dummkopf hatte die ganze Scheune voll Getreide, er drosch es und füllte seine Vorratskammern.
„Jetzt hast du viel Getreide“, sagten die Frauen, „warum willst du nicht heiraten, Dummkopf?“
„Ich warte, bis mich eine Frau heiratet“, ant-wortete der Dummkopf. Da lachten die Frauen und erzählten den anderen, daß der Dummkopf darauf warte, von einer Frau geheiratet zu wer-den. Das hörte eine junge Witwe, die keine Kinder hatte und ein so garstiges Weib war, daß ihr Mann es nicht ausgehalten und Selbstmord verübt hatte. Diese Frau kam zu dem Dummen und sagte:
„Ach, Dummkopf, warum lebst du wie ein Baumstumpf? Laß uns heiraten!“
„He – he!“ lachte er, „warum nicht? Heirate mich doch!“
Die Frau ging zum Popen, lud die Leute ein und sorgte dafür, daß alles ordnungsgemäß verlief. Sie waren kaum verheiratet, da begann das Weib dem Dummen zuzusetzen und ihn mit dem Feuer-haken zu schlagen. Der Dummkopf duldete es und dachte, daß es so sein müsse, denn bekanntlich ist der Mann auch dazu da, daß das Weib jeman-den hat, den es schlagen kann. Das Weib ärgerte, beleidigte und kränkte ihn, schlug ihn, daß es nur so seine Art hatte, er aber schwieg wie ein Baum-stumpf. Da wurde das garstige Weib noch wüten-der und verdrosch ihn mit beiden Händen, ab-wechselnd schlug sie mit dem Rührlöffel in der einen und dem Feuerhaken in der anderen Hand zu. Schließlich ärgerte sich der Dumme so sehr über das Weib, das sich schon die Hände wundge-schlagen hatte, daß er von ihr fortlief. Darauf hat-te die Frau nur gewartet. Als sie ihren Mann davonlaufen sah, rannte sie ihm nach. „Ich werde dir schon zeigen, was das für ein Herr ist, der aus seiner Hütte fortläuft, ich werde es dir schon zei-gen!“
Die Frau lief ihm nach und schlug ihn, wohin sie nur traf. Er lief durch den Obstgarten und sprang über den alten Brunnen, sie aber war im vollsten Lauf und fiel in den Brunnen hinab, dem Teufel genau in den Nacken. Der konnte sich kaum um-sehen, als sie ihn schon mit dem Rührlöffel zu schlagen begann, wohin sie nur traf. Der Teufel drehte und wendete sich, wußte aber nicht, was er mit dem garstigen Weib machen sollte, hockte sich hin und legte den Kopf zwischen die Knie, damit ihm das Weib nicht auf die Hörner schlug. So saß er da und begann schließlich zu heulen.
Als der Dummkopf merkte, daß seine Frau weiß der Teufel wohin verschwunden war, suchte er sie und schaute auch in den alten Brunnen. Inzwischen hatte es das Weib satt, den Teufel zu ver-prügeln, und überlegte, wie es aus dem Brunnen herauskommen könne. Als der Teufel sah, daß sich der Dummkopf über den Brunnen beugte, bat er darum, ihn vor dem Weibe zu retten. Er sagte: „Ich gebe dir, was du willst, errette mich nur von diesem garstigen Weib!“
Da warf der Dummkopf dem Teufel ein Seil hinunter. Dieser griff danach und wollte hinaufklet-tern, das Weib aber setzte sich ihm wieder in den Nacken. Der Teufel kletterte aus dem Brunnen und brachte das Weib mit; nur der Schwanz blieb unten hängen. Da er Angst hatte, in den Brunnen zurückzukehren, zog er zu dem Gutsherrn in die Wohnung. Hier rumorte er jede Nacht und ließ die Herrschaften nicht schlafen. Da verbreitete sich das Gerücht, daß sich beim Gutsherrn der Teufel niedergelassen habe und die Herrschaften nicht schlafen lasse. Was tat der Gutsbesitzer nicht al-les, um ihn loszuwerden: Er bat den Priester zu sich, ließ in den Zimmern Weihwasser verspren-gen, ließ sie mit verschiedenen geweihten Kräu-tern ausräuchern, bat Wunderdoktoren zu sich, aber nichts half, der Teufel blieb da und trieb jede Nacht sein Spiel. Der Gutsherr verlor seine Ruhe vollkommen. Da kam der Dummkopf zu dem Gutsherrn und sagte, daß er wisse, wie man Teufel vertreiben könne. Der Gutsherr freute sich und versprach dem Dummkopf viel Geld, wenn er nur die Teufel aus der Wohnung treiben würde. Der Dummkopf blieb in der Nacht allein dort und hatte nur einen kleinen Igel bei sich. Als Mitternacht he-rankam, begannen sich die Teufel zu versammeln. Da sagte der Dummkopf: „He, lauft fort, sonst kommt mein Weib hierher und gibt euch Pfeffer!“ – „Ich danke dir“, sagte der Teufel aus dem Brun-nen, „daß du uns gewarnt hast. Hier hast du ein Geschenk dafür.“ Und so gab der Teufel dem Dummkopf ein Säckchen voll Geld. Der Dumm-kopf versteckte das Geld in der Rocktasche und sagte: „Paßt auf, da kommt mein Weib!“ In Wirklichkeit aber tapste nur der Igel herum und kratzte sich. Der Teufel erschrak, zog seinen Schwanz ein und wußte nicht, wohin er vor dem garstigen Weib fliehen sollte. „Bezahle mir, was du versprochen hast“, sagte der Dummkopf, „und ich werde dich verstecken!“
„Gut“, sagte der Teufel, „dort und dort ist Geld vergraben, nimm es dir, aber versteck mich nur vor diesem Weib!“
Da holte der Dummkopf eine Dose mit Schnupftabak aus der Tasche, öffnete sie und sagte: „Steig hier hinein!“
Der Teufel stieg ein, paßte aber kaum hinein. Der Dummkopf verschloß die Dose und steckte sie in die Tasche. Als die anderen Teufel merkten, daß ihr Herr nicht mehr da war, verschwanden sie. Der eine durch den Kamin, ein anderer durch die Türritze und die übrigen weiß der Teufel wie. Der Gutsbesitzer zahlte dem Dummkopf einen ganzen Haufen Geld und gab ihm noch ein Ge-schenk dazu. Dann ging der Dummkopf weg und grub einen ganzen Topf voll Silber aus. Er nahm das Geld und Silber mit nach Hause und versteckte es unter dem Ofen.
Als ihn sein Weib wieder ärgerte, öffnete er die Schnupftabakdose und ließ den Teufel herausspringen. Der sah das Weib und wurde vor Schreck zu Stein. Die Frau aber fürchtete sich vor dem Teufel und hörte auf, ihren Mann zu ärgern.
Von der Zeit an lebten sie gut miteinander und verbrauchten das Geld.

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