Mikola Duplenski

Ein Bauer liebte die Jagd, und seine Frau liebte den Diakon; er merkte’s und sagte:
„Frau, ich habe im Walde einen Mikola Duplenski15 gefunden, worum man ihn bittet, das gibt er einem.”
Zum nächsten Tag hatte die Frau Kuchen und Brötchen gebacken und ging auf einem weiten Umweg in den Wald; ihr Mann aber ging den geraden Weg; dort stand ein großer Baum – er kletterte in den hohlen Stamm.
Sie kam und begann zu beten:
„Mikola Duplenski, wenn doch mein Mann taub würde!”
Und ihr Mann im Baum:
„Lege Brötchen und Kuchen hierher! Wenn du nach Hause kommst, ist er taub.”
Die Frau legte die Sachen hin und ging nach Hause, wieder auf dem Umweg; der Bauer ging den geraden Weg und kletterte auf den Hängebo-gen. Die Frau kam – er ist auf dem Hängeboden.
Sie fing irgend etwas zu reden an.
„Was sagst du, Frau? Ich höre nichts!”
15 Ein auf wunderbare Weise „in einem hohlen Baumstamm” erschienenes Heiligenbild „Mikolas” des Wundertäters. (Anm. d. Übers.: „Duplenski” von duplo, „hohle Stelle im Baumstamm” abgeleitet.)
„Bleib nur immer liegen, wenn du nichts hörst, hast ja, was du brauchst!”
Zum nächsten Tag buk sie wieder Brötchen und Kuchen und zog wieder auf dem Umweg los, ihr Mann aber auf dem geraden Weg und kletterte in den hohlen Stamm.
Die Frau kam und begann wieder zu beten:
„Mikola Duplenski, wenn doch mein Mann blind würde!”
„Leg Brötchen und Kuchen her! Wenn du nach Hause kommst, ist er blind.”
Die Frau legte die Sachen hin. Der Mann nahm Brötchen und Kuchen, ging geradenwegs nach Hause und kletterte auf den Hängeboden. Die Frau kam, er sagt:
„Frau, wie kommt es, daß ich heute nichts höre und sehe?”
„Bleib nur immer liegen, wenn du nichts hörst und siehst, hast ja, was du brauchst!”
Nun, und jetzt lud sie den Diakon ein; kochte fleißig, buk Pfannkuchen, holte Wein – und bewirtete ihn.
„Diakon”, sagt sie, „iß die Pfannkuchen schön langsam – du erstickst sonst!”
Und ihr Mann auf dem Hängeboden:
„Frau, gib mir mal mein Gewehr! Wenn ich’s ansehe, ist mir nicht mehr so langweilig.”
Sie gab’s ihm.
Der Wein ging ihr aus – es war zu wenig; sie rannte fort. Wein zu holen. Der Bauer zielte auf den Diakon – bautz! Der Diakon fiel vom Stuhl. Er kletterte herunter, schnell zum Tisch, besah ihn sich – und setzte ihn hin; stopfte ihm den Mund voller Pfannkuchen und kletterte wieder auf den Hängeboden. Der sitzt da und hat sein großes Maul offen! Die Frau kam:
„Was ist dir, Diakon! Ich habe dir doch gleich gesagt: iß die Pfannkuchen schön langsam, du erstickst sonst – nun ist er erstickt!”
Der Bauer sprang vom Hängeboden herunter und begann seine Frau zu verprügeln: prügelte sie mit dem Riemen und was ihm in die Hände kam. Den Diakon packte er – trug ihn zum Popen. die Arme zwängte er ihm in den Ring am Tor und band einen Strick an den Ring; dann stellte er sich in einen Winkel und zog an dem Strick, um Einlaß zu klopfen; der Pope kam heraus: „Welcher Christenmensch ist da?” Er schweigt. Der Pope ging weg, machte das Tor nicht auf.
Der Jäger zieht wieder am Strick – klopft wieder um Einlaß. Der Pope kam mit einem Buch heraus: las und las, machte das Tor auf, und der Diakon fiel dem Popen zu Füßen.
Der Bauer kam hervorgesprungen: „Du hast den Diakon umgebracht!” „Hier hast du hundert Rubel und schaff ihn fort, sag niemandem etwas!”
Der Bauer packte den Diakon und trug ihn ans Ufer; Bauern fischen gerade mit Netzen, und er trug ihn etwas höher flußaufwärts. Fand ein Boot, setzte den Diakon in das Boot und schob ihm das Ruder unters Hemd. Der Diakon zieht das Ruder, die Bauern schreien:
„Diakon fahre nicht in die Netze.”
Der Diakon mitten in die Netze hinein. Die Bauern fluchen gottsjämmerlich, aber der Diakon fährt mitten in die Netze hinein. Ein Bauer setzte sich in ein Boot und fuhr los. Wie er den Diakon mit dem Ruder auf die Backe schlägt, fällt der gleich ins Wasser. Unser Bauer kam hervorgesprungen:
„Was hast du gemacht”, sagt er, „hast den Diakon ertränkt!”
„Hier hast du zweihundert Rubel, aber sag’s niemandem!”
So hatte der Bauer dreihundert Rubel verdient und ging heim zu seiner Frau. Und von nun an lebte er herrlich und in Freuden. Sie sind noch heute am Leben und werden uns überleben.

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