Kater und Füchsin

Es war einmal ein Bauer, der hatte einen Kater. Der Kater war aber so wild und machte so schlimme Streiche, daß es geradezu ein Unglück war. Schließlich wurde es dem Bauern zuviel. Er überlegte, was zu tun sei, nahm den Kater und steckte ihn in einen Sack. Den Sack band er zu und trug ihn in den Wald. Im Walde angekom-men, ließ er den Kater laufen und dachte: Mag er hier umkommen! Der Kater lief lange umher und kam schließlich zur Hütte, in der der Waldhüter wohnte. Er kletterte auf den Dachboden und liegt nun dort die ganze Zeit faul herum; bekam er aber Hunger, dann lief er in den Wald, Vögel und Mäuse zu fangen, fraß sich satt und kletterte wieder auf seinen Dachboden. So lebte er froh und ohne Sorgen.
Einmal streifte der Kater im Wald umher, da begegnete ihm die Füchsin, erblickte den Kater und wundert sich: „Wieviel Jahre lebe ich schon im Wald, aber ein solches Tier habe ich noch nicht gesehen.“ Sie machte dem Kater ihre Reverenz und fragt: „Sag doch, wackerer Held, wer bist du? Aus welchem Anlaß bis du hierhergekommen, und wie darf ich dich nennen?“ Der Kater sträubte sein Fell und sagt: „Ich bin aus den sibirischen Wäl-dern als Amtmann zu euch geschickt worden. Man nennt mich Katrofei Iwanowitsch.“ – „Ach, Katro-fei Iwanowitsch“, sagt die Füchsin, „davon habe ich ja überhaupt nichts gewußt! Aber komm doch mit mir und sei mein Gast!“ Der Kater ging mit. Die Füchsin führte ihn in ihren Bau, bewirtete ihn mit allerlei Wildbret und fragt dann: „Wie ist das, Katrofei Iwanowitsch, bist du verheiratet oder le-dig?“ – „Ledig“, sagt der Kater. Darauf die Füch-sin: „Ich bin auch noch Jungfrau, nimm mich zum Weib!“ Der Kater war es einverstanden, und so verbrachten sie den Tag in Saus und Braus.
Anderntags machte sich die Füchsin auf, Vorrä-te aufzutreiben, damit sie und ihr junger Gemahl etwas zu leben hätten, der Kater aber blieb zu Hause. Unterwegs begegnet ihr der Wolf und fängt an schönzutun: „Wo bist du denn die ganze Zeit gewesen, Gevatterin? Wir haben alle Höhlen abgesucht und dich nicht gefunden.“ – „Laß mich, du Dummkopf! Laß das Schöntun! Jungfer Füchsin war ich früher, jetzt bin ich eine verheiratete Frau!“ – „Wer ist denn dein Mann, Fuchsina Iwanowna?“ – „Hast du denn nicht gehört, daß aus den sibirischen Wäldern der Amtmann Katrofei Iwanowitsch zu uns geschickt worden ist? Ich bin jetzt Frau Amtmann!“ – „Nein, Fuchsina Iwanow-na, davon habe ich noch nichts gehört. Kann man ihn denn einmal zu sehen bekommen?“ – „Oh, mein Katrofei Iwanowitsch ist so reizbar; wenn ihm jemand mißfällt, den frißt er gleich auf. Hör also gut zu: Beschaffe einen Hammel und mach ihm damit deine Aufwartung; den Hammel lege hin, dich selber aber verstecke, damit er dich nicht sieht, denn sonst ergeht dir’s schlecht!“ Der Wolf machte sich auf den Weg, einen Hammel zu beschaffen.
Die Füchsin geht weiter, da begegnet ihr der Bär und fängt an schönzutun. „Was faßt du mich an, du dummer krummbeiniger Mischka? Jungfer Füchsin war ich früher, jetzt bin ich eine verheiratete Frau!“ – „Wer ist denn dein Mann, Fuchsina Iwanowna?“ – „Der, den sie aus den sibirischen Wäldern als Amtmann zu uns geschickt haben; er heißt Katrofei Iwanowitsch und ist mein Mann.“ – „Könnte man ihn nicht einmal zu sehen bekommen?“ – „Oh, mein Katrofei Iwanowitsch ist so reizbar; wenn ihm jemand mißfällt, den frißt er gleich auf! Geh, beschaffe einen Ochsen und mach ihm damit deine Aufwartung. Der Wolf will einen Hammel bringen. Hör aber gut zu: Den Ochsen lege hin, dich selber verstecke, damit Katrofei Iwanowitsch dich nicht sieht, denn sonst, Bruder, ergeht dir’s schlecht!“ Der Bär trollte sich davon, einen Ochsen zu beschaffen.
Der Wolf brachte seinen Hammel, zog ihm das Fell ab und steht dann in Gedanken versunken. Da kommt der Bär mit einem Ochsen. „Guten Tag, Bruder Michailo Iwanowitsch!“ – „Guten Tag, Bruder Lewon! Hast du die Füchsin und ihren Mann nicht gesehen?“ – „Nein, Bruder, ich warte schon lange auf sie.“ – „Dann geh und ruf sie!“ – „Nein, ich werde nicht gehen, Michailo Iwanowitsch. Geh du, du bist tapferer als ich.“ – „Nein, Bruder Lewon, ich mag auch nicht gehen.“ Da kommt, keiner hatte gesehen woher, der Hase
gerannt. Der Bär brüllt so laut er kann: „Hierher, schiefäugiger Satan!“ Der Hase erschrak und kam herbeigelaufen. „Nun, du schielender Tagedieb, weißt du, wo die Füchsin wohnt?“ – “Jawohl, Mi-chailo Iwanowitsch!“ – „Dann lauf schnellstens zu ihr und sage: Michailo Iwanowitsch, der Bär, und sein Bruder Lewon Iwanowitsch, der Wolf, sind schon lange bereit und erwarten dich und deinen Gemahl; sie wollen mit einem Hammel und einem Ochsen ihre Aufwartung machen!“
Der Hase rannte los, daß die Beine nur so flogen. Bär und Wolf aber überlegten, wo sie sich verstecken könnten. Sagt der Bär: „Ich werde auf die Fichte klettern.“ – „Und was soll ich tun, wo kann ich mich verbergen?“ fragt der Wolf. „Auf einen Baum bringt man mich um nichts in der Welt! Sei so gut, Michailo Iwanowitsch, hilf mir in meiner Not und verbirg mich irgendwo!“ Der Bär legte ihn ins Gebüsch und häufte trockenes Laub über ihn, selber aber kletterte er auf eine Fichte, bis in den höchsten Wipfel hinauf. Von dort hält er Ausschau, ob Katrofei mit seiner Frau kommt. Der Hase war inzwischen zum Fuchsbau gelangt, klopfte und sagt zur Füchsin: „Michailo Iwano-witsch, der Bär, und sein Bruder Lewon Iwano-witsch, der Wolf, lassen sagen, sie sind schon lange bereit und erwarten dich und deinen Ge-mahl; sie wollen mit einem Ochsen und einem Hammel ihre Aufwartung machen.“ – „Geh nur, Schielauge, wir kommen gleich!“ Nun kommen Kater und Füchsin heraus. Der Bär sah sie und sagt zum Wolf: „Paß auf, Bruder Lewon Iwanowitsch, die Füchsin kommt mit ihrem Mann! Was für ein kleiner Kerl das doch ist!“ Der Kater kam heran und stürzte sich gleich auf den Ochsen, sträubte sein Fell und begann, mit Zähnen und Krallen Fleischstücke herauszureißen. Dabei knurrt er wie verärgert: „Zuwenig, zuwenig!“ Der Bär sagt: „Klein, aber ein Vielfraß! Wir könnten es zu viert nicht auffressen, für ihn allein aber ist es zuwenig; er macht sich wohl gar noch an uns her-an!“ Der Wolf nun wollte gern wissen, wie Katrofei Iwanowitsch aussieht, aber wegen der Blätter konnte er nichts erkennen. So begann er, über den Augen ein Loch durch das Laub zu wühlen. Der Kater hörte das Rascheln der Blätter, glaubte, es sei eine Maus, machte einen Satz und sprang dem Wolf mit seinen Krallen gerade in die Augen.
Der Wolf fuhr in die Höhe und rannte davon, was die Beine hergaben. Der Kater aber war selbst erschrocken und gerade auf den Baum ge-sprungen, wo der Bär saß. „O weh“, denkt der Bär, „er hat mich gesehen!“ Herabzuklettern war es zu spät, so vertraute er auf Gottes Hilfe, ließ sich herunterplumpsen und schlug so derb auf dem Boden auf, daß er glaubte, alle Glieder gebrochen zu haben. Dann sprang er auf und machte sich gleichfalls davon. Die Füchsin aber ruft ih-nen nach: „Wartet nur, er wird’s euch schon geben!“ Seit dieser Zeit haben alle Tiere vor dem Kater Angst. Kater und Füchsin aber hatten nun Fleisch für den ganzen Winter und lebten herrlich und in Freuden. Und leben noch jetzt ohne Not, haben ihr Brot.

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