Janko und die Teufel

Es war einmal ein Mann, der hatte drei Söhne. Zwei waren klug, doch der dritte, Janko, war ein Dummkopf. Da sagte der Vater: „Meine Söhne, zieht nun hinaus und verdient euch Geld!“
Als erster ging der älteste Bruder. Auf seinem weiten Weg traf er einen Alten, der fragte ihn: „Wohin gehst du?“
Er sagte es ihm nicht, sondern bat ihn nur um etwas zu rauchen. Dann ging er weiter. An einem Waldweg stand eine Hütte. In dieser Hütte wohnten die Teufel. Sie hielten ihn fest und jagten ihn zur Arbeit. (Er konnte sehr viel in seinem Fach.) Es kam die Nacht. Als die Teufel und der Mann sich schlafen gelegt hatten, kam der oberste Teufel und fragte: „Was für eine fade Seele ist das hier?“
Die Teufel sagten es ihm. Da packte der Teufel den Mann, zog ihn aus und jagte ihn nackt in den Wald und in die Kälte hinaus.
Es war schon viel Zeit vergangen, als der Vater wieder sagte: „Nun, geh du, mein Sohn, und verdiene dir Geld!“
Der zweite Sohn kam auf denselben Weg und traf mit demselben alten Mann zusammen. Dieser fragte ihn: „Wohin gehst du?“
Aber er erzählte ihm nicht, wohin er ging. Der Alte wurde böse und sagte auch nichts mehr.
Er kam in dieselbe Hütte, und die Teufel ließen ihn auch arbeiten. Er war ein Schneider. Es kam die Nacht, die Teufel legten sich schlafen, und auch er legte sich hin. Wieder kam der oberste Teufel geflogen, und er riß den Schneider in Stük-ke.
Dann verging viel Zeit. Der Vater dachte an seine Söhne und sagte: „Ich will meine Söhne su-chen gehen.“
Der jüngste Sohn lag auf dem Ofen und sagte: „Vater, ich werde sie suchen!“
Der Vater antwortete: „Was wirst du Dummkopf schon ausrichten? Du kommst noch selbst um!“
Er sagte: „Nein, Vater, ich komme nicht um!“
„Ach, du kennst den Weg nicht.“
„Doch Vater, ich gehe!“
Der Vater gab ihm einen Kanten Brot und Speck.
Er ging denselben Weg, den seine Brüder gegangen waren, und traf auch den Alten. Der Alte fragte ihn: „Wohin gehst du, Söhnchen?“
Er sagte: „Großväterchen, ich gehe meine Brüder suchen. Sie sind ausgegangen, um sich Arbeit zu suchen, und sind verschwunden. Wir wissen nicht, wo sie sind. Vielleicht wißt Ihr es?“
Der Alte bat um etwas zu essen. Janko gab es ihm.
Da sagte der Alte: „Söhnchen, hier hast du eine Tasche, was du willst, wird sie tun. Deine Brüder sind den Teufeln in die Hände gefallen. Nun geh und paß auf, daß sie dich nicht zerreißen! Sie werden auf alles hören, was du sagst, aber laß dir nicht die Tasche von ihnen stehlen!“
Da dankte Janko dem alten Mann und ging weiter.
Als er zu jener Hütte gekommen war, trat ein Teufel heraus und winkte ihn zur Arbeit. Janko war Schuhmacher. Der Teufel sagte: „Nähe mir in dieser Nacht viele Stiefel!“
Er antwortete: „Da kann ich nicht viel nähen.“
In der Nacht kam der älteste Teufel wieder und fragte: „Was für eine fade Seele ist das hier?“
Die Teufel sagten: „Er ist der jüngste von den Brüdern, die wir in den Wald gejagt haben.“
Da stand Janko auf und sagte zu dem obersten Teufel: „Steig in die Tasche!“
Der wollte nicht, mußte es aber doch tun. Janko sagte: „Steigt alle in die Tasche!“
Die Teufel baten, sie doch freizulassen, er aber sagte: „Nein, steigt hinein!“
Der letzte Teufel machte sich krumm, stellte sich an die Tür und bat: „Nimm von mir, was du willst, nur laß mich frei!“
Er sagte: „Ich lasse dich allein frei, bringe mir aber eine Mütze voll Geld!“
Der Teufel war einverstanden und ging das Geld holen.
Janko nahm den Boden und das Oberteil aus der Mütze heraus, legte sie auf den Speicher und machte darunter ein Loch in das Dach des Spei-chers. Wenn der Teufel Geld in die Mütze warf, fiel dieses in den Speicher. So wurde der ganze Speicher mit Geld gefüllt. Janko nahm das Geld und ließ den Teufel frei. Als der Teufel fortflog, erzitterten die Bäume, und das Laub rauschte. Janko aber warf die Tasche über die Schulter und ging weiter.
Er ging und ging und machte endlich an einer Kaserne halt. Dort fragte man ihn: „Was willst du, Mann? Suchst du vielleicht hier Arbeit, dann nähe uns Stiefel. Wir geben dir viel Geld dafür.“
„Gut“, sagte Janko. Er trat in die Kaserne und sagte: „Bringt mir Leder, für ein ganzes Re-giment! Ich nähe alles in einer Nacht.“
Man brachte ihm Leder, Sohlen, Lappen, kurz gesagt alles, was er für Stiefel für ein ganzes Re-giment brauchte.
Janko aber ging umher und lachte vor sich hin.
Als es dunkel wurde, stand er auf, band die Tasche auf und sagte zu den Teufeln, daß sie in der Nacht für ein ganzes Regiment Stiefel nähen soll-ten.
Da machten sich die Teufel an die Arbeit. Einer steppte, ein anderer schnitt zu, einer nähte zu-sammen, ein anderer schlug die Sohle an, einer die Eisen und ein anderer die Zwecken.
In dieser Nacht nähten die Teufel Stiefel für ein ganzes Regiment. Früh standen die Offiziere auf und wollten Janko auslachen. Sie dachten, daß er in einer Nacht nichts geschafft haben könnte. Aber als sie den Berg fertiger Stiefel sahen, wur-den die Offiziere nachdenklich. „Was ist das für ein Schuhmacher, der in einer Nacht für ein ganzes Regiment Stiefel nähen kann?“
Und sie meldeten es dem Zaren. Der Zar überlegte und sagte, daß man ihn holen solle, damit er ihn sich anschauen könne.
Janko sagte: „Ich komme in einer Woche zum Zaren!“
Der Zar sagte: „Gut!“
Man bezahlte Janko, und er machte sich wieder auf den Weg. Als er sich unterwegs hinsetzte, um auszuruhen, jammerten die Teufel in der Tasche. (Er hatte sie wieder in die Tasche gesteckt, als er sich auf die Reise begab.) Da sagte er: „Warum habt ihr meine Brüder zerrissen? Dafür werde ich euch schlagen!“
Sie aber jammerten wiederum. Er sagte: „Führt die Befehle aus, die ich euch gebe, dann lasse ich euch frei. Holt mir meine Brüder, und dann gebt mir eine Tarnkappe, einen Knüppel aus einem Sack und eine Geldtasche, in der das Geld nie ausgeht!“
Die Teufel waren einverstanden.
Da sagte Janko: „Erst lasse ich die Hälfte von euch heraus, und wenn ihr mir alles holt, lasse ich euch alle frei.“
Die Teufel flogen los und suchten die Körper von Jankos Brüdern.
Sie fanden die Fleischstückchen, legten sie zusammen, suchten ein Heilkraut und rieben die Körper der Brüder damit ein. Die Körper wuchsen gleich zusammen, und die Brüder des Dummkop-fes Janko wurden wieder lebendig. Die Teufel brachten sie zu ihm und sagten: „Hier hast du deine Brüder!“
Janko freute sich, als er seine Brüder sah, und sagte: „Geht zur Hütte zurück, denn der Vater hat niemanden, der ihm in der Wirtschaft hilft.“ Er gab ihnen Geld, und sie gingen. Dann schickte Janko die Teufel nach der Tarnkappe. Sie brach-ten ihm die Tarnkappe. Sie brachten ihm auch den Knüppel aus dem Sack und die Geldtasche, damit ihm nie das Geld ausginge. Janko ließ die Teufel frei, nahm seine beiden Taschen und machte sich auf den Weg.
Er ging lange und bekam schließlich Hunger. Er wunderte sich über eine große Hütte, die dort stand. Das war ein Wirtshaus. Janko ging in das Wirtshaus, setzte sich an den Tisch und sagte: „Gebt mir zu essen!“
Man gab ihm zu essen. Janko aß sich satt und wollte auch noch trinken. Man gab ihm auch zu trinken und sagte: „Nun zahle dreihundert Rubel!“
Er antwortete: „Das ist zu teuer!“
Da begannen ihn die Kaufleute anzuschreien (es waren ihrer zwölf), und Janko rief den Knüp-pel aus dem Sack. Der Knüppel schlug auf sie los, und sie duckten sich und schrien. So jagte Janko alle Kaufleute auseinander, legte soviel Geld auf den Tisch, wie das Essen wirklich gekostet hatte, und machte sich wieder auf den Weg.
Er ging und ging und wunderte sich über eine Hütte, die dort stand. Als er nähertrat, sah er einen Mann, der fragte: „Wo gehst du hin?“
Er sagte: „Ich habe meine Brüder gesucht und gehe jetzt nach Hause.“
Der Mann sagte: „Was soll ich tun? In meiner Hütte quälen mich die Teufel und lassen mir keine Ruhe.“
Janko hatte Mitleid mit dem Mann und sagte: „Laß uns hingehen, ich werde sie hinausjagen.“
Der Mann überlegte: Wieviel Menschen haben die Teufel schon zerrissen, und da will er sie allein hinausjagen? Und er sagte: „Nein, du kannst sie nicht hinausjagen!“
Janko wurde böse und ging nahe an die Hütte heran. Die Teufel fletschten die Zähne, als wollten sie ihn zerreißen. Aber Janko öffnete die Hüttentür, stellte seine Tasche hinein und rief den Knüppel: „Nun jag sie in die Tasche!“
Der Knüppel verprügelte sie. Da kletterten die Teufel einer nach dem anderen in die. Tasche. Janko band die Tasche fest zu und schlug mit dem Knüppel darauf, dann nahm er die Tasche auf die Schulter und ging davon.
Jetzt mußte er lange und weit gehen. Er kam zum Meer und schüttete die Teufel aus der Tasche in das Meer. Jener Mann war in seiner Hütte geblieben und führte wieder seine Wirtschaft.
Janko machte sich wieder auf den langen Weg vom Meer zurück und wunderte sich, als er plötz-lich eine Hütte vor sich stehen sah. Er ging hinein, um dort zu übernachten. Für jedes Essen zahlte Janko gutes Geld. Sein Bruder kam einmal herein, aber er erkannte Janko nicht und dachte: Das ist aber ein reicher Mann. Jankos Bruder fuhr nach Hause und erzählte, daß er einen Mann gesehen habe, der für ein kärgliches Mittagessen viel Geld bezahlte.
Janko stand früh auf und machte sich auf den Weg. Er ging lange und kam zum Zaren, um ihm zu dienen. Die Wache wollte ihn nicht durchlassen. Da rief er den Knüppel, und sowie der Knüp-pel sie zu prügeln begann, warf sich die Wache Janko zu Füßen. Alle hatten sie Beulen am Kopf. Janko ging zum Zaren.
Der Zar fragte ihn: „Wie konnte dich die Wache durchlassen? Ich habe eine Wache von hundertfünfzig Mann. Wie bist du da durchgekommen?“
Er antwortete: „Ich habe sie nicht gesehen!“
Da fragte der Zar: „Wer bist du?“
„Ich bin der, den Eure Hoheit zu sich befohlen hatten. Schaut Euch den Meister an, der in einer Nacht für ein ganzes Regiment Stiefel nähen kann“, antwortete Janko.
Da sagte der Zar: „Wenn du solch ein guter Meister bist, dann will ich dich mit meiner Tochter verheiraten.“
Sie heirateten und leben bis zum heutigen Tag. Ich war auch auf der Hochzeit und habe Wein getrunken, der ist mir den Bart entlanggelaufen, aber nicht in den Mund hinein.

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