Iwan Pechvogel

Es war einmal ein Kaufmann, ein reicher Mann. Der hatte drei Söhne. Als er starb, hinterließ er nur zwei Söhnen eine Erbschaft, Iwan aber hinterließ er nichts, nicht einmal einen angebrannten Groschen. Dieser Iwan war ein hübscher Junge, aber sie nannten ihn „Iwan Pechvogel“, denn er besaß gar nichts. Da nahm er eine Tasche und zog in die weite Welt. Er wanderte einige Zeit, und überall wußte man, daß er Iwan Pechvogel war.
Als die Zarentochter Iwan in seiner ungewöhnlichen Schönheit erblickte, wollte sie ihn heiraten. Sie nahm eine Tasche und Gold und Silber mit und wanderte durch die Welt, um Iwan Pechvogel zu suchen. Die Zarentochter war schon eine Zeitlang umhergewandert und hatte ihn nicht gefun-den, da hörte sie von einem Kaufmann, der Arme verpflegte. Sie ging dorthin. Als sie anlangte, traf sie Iwan Pechvogel, sie verneigte sich und sagte: „Sei gegrüßt, Iwan Pechvogel!“ Das Essen für die Armen ging zu Ende, da sagte die Zarentochter: „Nimm mich zur Frau, Iwan Pechvogel!“
„Was ist da zu tun?“
„Bitte die Kaufleute, daß sie uns trauen!“
Sie sagten es den Kaufleuten. Viele Kaufleute versammelten sich und willigten ein, sie zu trauen, einfach so zum Spaß. Sie sammelten Geld. Der eine gab fünfundzwanzig, der andere fünfzig und der dritte soviel er konnte. Sie wurden getraut, dankten den Kaufleuten und gingen dann in eine andere Stadt. Sie kauften sich ein Haus und lebten und wirtschafteten darin. Nach einiger Zeit gab die Königstochter Iwan fünfzig Rubel. „Geh, mein Lieber, und kaufe mir Goldfäden zum Stikken!“ sagte sie.
Er ging in die Stadt, lief lange umher und konnte nirgends so etwas finden. Bei einem alten Mann an der Ecke bekam er endlich Goldfäden, bezahlte sie, ging nach Hause und gab sie ihr. Sie aßen Abendbrot, Iwan legte sich schlafen, seine Frau zündete eine Kerze an und begann ein Tuch zu sticken. Nach einiger Zeit war das Tuch fertig. Iwan trank Tee und wollte in die Stadt spazieren-gehen. Seine Frau gab ihm das Tuch. „Verkaufe es!“ sagte sie.
Er lief durch die ganze Stadt. Bei welchem Kaufmann er sich auch immer zeigte, alle hatten Angst, das Tuch zu nehmen, und wunderten sich über diese seltene Ware. Er ging durch die ganze Stadt, aber niemand kaufte es. Da ging er zu dem alten Mann, bei dem er das Gold gekauft hatte. Der fragte: „Nun, Iwan Pechvogel, willst du kau-fen oder verkaufen?“
„Ich verkaufe ein Tuch.“
„Zeig her!“
Der Alte sah das Tuch an und sagte: „Nun, Iwan Pechvogel, was willst du dafür, Geld oder gute Worte?“
Iwan antwortete ihm: „Ich nehme gute Worte.“
Er kam nach Hause, und seine Frau fragte ihn: „Was hast du für das Tuch bekommen, mein Lieber?“
Er antwortete: „Ich habe gute Worte genom-men.“
Sie wurde traurig, weil er das teure Tuch für gute Worte weggegeben hatte.
Als Iwan wieder in die Stadt ging, gab sie ihm hundert Rubel, um Goldfäden zu kaufen. Er ging durch die Stadt, da es aber in keinem Laden Goldfäden gab, ging er wieder zu jenem alten Mann. Er kaufte für hundert Rubel Goldfäden, brachte sie nach Hause und gab sie seiner Gattin. Sie stickte wieder ein Tuch. Nach einiger Zeit war es fertig. Als Iwan wieder in die Stadt ging, gab sie ihm das Tuch. „Verkaufe es!“
Er ging durch die Stadt. In welchen Laden er auch hineinging und das Tuch zeigte, überall hat-ten die Kaufleute Angst, es zu kaufen. Sie dachten: Woher Iwan Pechvogel nur solche Tücher nimmt!? Da ging er wieder zu dem Alten, und der Alte fragte: „Iwan Pechvogel, willst du kaufen oder verkaufen?“
„Ich verkaufe ein Tuch!“
„Was willst du dafür, Geld oder gute Worte?“
Iwan dachte: Nun habe ich einmal gute Worte genommen, so nehme ich sie auch ein zweites Mal. Und so antwortete er: „Ich nehme gute Worte.“
Er kam nach Hause, und seine Frau fragte: „Was hast du für das Tuch genommen?“
„Zum zweiten Mal gute Worte.“
Da dachte seine Frau wieder: Was soll nur dar-aus werden? Worte, immer nur Worte. Was soll nur daraus werden?
Sie schwieg aber und duldete es. Nach einiger Zeit gab sie ihm hundertfünfzig Rubel: „Geh in die Stadt und kaufe Goldfäden!“
Er ging und kaufte bei dem alten Mann für hundertfünfzig Rubel Goldfäden, brachte sie nach Hause und gab sie seiner Frau.
Nun stickte sie ein drittes Tuch; das war schöner als die anderen. Als Iwan in die Stadt ging, gab sie ihm das Tuch. „Verkaufe es!“
Er dachte nach, was er für das Tuch nehmen sollte. Er ging in die Stadt und trug es durch alle Läden, um es zu verkaufen. Aber niemand kaufte es. Alle hatten Angst, solche Sachen zu kaufen. Da ging er zu dem alten Mann. Der Alte sprach: „Nun, Iwan, willst du kaufen oder verkaufen?“
„Ich verkaufe ein Tuch!“
„Zeig her!“
Der Alte sah es an und sagte zu Iwan: „Was willst du dafür? Geld oder gute Worte?“
Iwan sagte: „Gute Worte.“
Da sagte der Alte: „Sei zufrieden und vergiß nicht meinen Rat: Wenn du zum Schlage ausholst, dann schlage nicht gleich zu, sondern überlege erst!“
Iwan dankte dem Alten und ging davon. Er kam nach Hause, und seine Frau fragte: „Was hast du für das Tuch genommen?“
„Ich habe gute Worte genommen.“
Seine Frau war in großer Verzweiflung, und nach einiget Zeit sagte sie: „Lieber Wanja, ich habe viel Geld ausgegeben, jetzt mußt du dir Arbeit suchen.“
Iwan ging zum Hafen und verdingte sich bei Kaufleuten, die ins Ausland fahren wollten, als Arbeiter. Er ließ sich Geld im voraus geben für den Lebensunterhalt seiner Frau. Dann verabschiedete er sich von ihr und fuhr mit den Schiffern ins Aus-land. Da wurde seine Frau schwanger. Die Kauf-leute verbrachten sechzehn Jahre im Ausland, kauften Waren für sieben Schiffe und fuhren dann nach Hause zurück.
Auf dem Meer hatten sie Unglück, die Schiffe drohten zu sinken. Es war an einer Stelle, wo man einen Menschen ins Meer werfen mußte. Die Kauf-leute holten Iwan Pechvogel, er sollte einwilligen, ins Meer zu gehen. Er war einverstanden, und das siebente Schiff wurde ihm als Eigentum überge-ben. Sie warfen ihn ins Meer, und das Schiff ver-ankerten sie. Es blieb dort stehen.
Iwan Pechvogel geriet in einen Strudel und kam in die Unterwelt. Da ist es genauso wie hier auch. Dann kam er zum Zaren des Meeres, dort kannte man ihn schon.
„Sei gegrüßt, Iwan Pechvogel! Schlichte du den Streit zwischen mir und der Zarin. Wir leben schon fünfzehn Jahre lang zusammen, aber immer streiten wir uns über eine Frage: Ich sage zu der Zarin, daß es auf der Welt nichts Teureres gibt als Gold, Silber und Edelsteine. Die Zarin aber sagt,
daß Eisen und Stahl am teuersten in der Welt sind. Iwan Pechvogel, entscheide du!“
Da sagte Iwan zu ihnen: „Gold, Silber und Edelsteine sind für die Zarin, für die Fürsten und für die vornehmen Leute das Wertvollste, Stahl und Eisen sind es für die Bauern.“
Alle waren mit Iwans Entscheidung zufrieden, und sofort vertrugen sich der Zar und die Zarin wieder und küßten sich.
„Wir danken dir dafür, daß du unsere Herzen besänftigt hast, Iwan Pechvogel, wir danken dir dafür!“ Sie gaben Iwan eine Kiste mit Brillanten, hängten ihm Schwimmblasen an und befestigten die Kiste mit den Brillanten daran. Dann sagten sie: „Wir danken dir, Iwan, lebe wohl!“
Iwan wurde von diesen Blasen an die Oberfläche des Meeres getragen und sah das Schiff noch stehen, das ihm die Kaufleute überlassen hatten. Er machte einige Schwimmstöße, stieg in das Schiff und fuhr den Kaufleuten nach. Nach einer Weile sah er, daß er seine Kaufleute eingeholt hatte, und sie bemerkten, daß Iwan Pechvogel sie einholte.
Dann fuhren die sieben Schiffe wieder gemeinsam weiter. Ein König wohnte am Meer. Er ließ den Schiffern kundtun, daß sie nicht vorbeifahren, sondern zu ihm zu Besuch kommen sollten. Sie machten am Königspalast halt und suchten schö-ne Waren für den König aus. Die Kaufleute fragten Iwan im Scherz: „Iwan Pechvogel, was nimmst du denn mit?“
Iwan antwortete ihnen: „Ihr wißt doch, Brüder, daß ihr mir ein leeres Schiff hinterlassen habt, nur mit Bastmatten, Säcken und den schlechtesten Waren. Vielleicht werde ich für eure Geschenke mitempfangen.“
Die Kaufleute wußten nicht, daß Iwan eine Kiste mit Brillanten besaß. Er nahm aus der Kiste einen hühnereigroßen Brillanten, versteckte ihn im Ärmel und ging mit den Kaufleuten mit. Die Kaufleute lachten über ihn: „Iwan ist und bleibt ein Pechvogel, jetzt geht er mit leeren Händen zum König.“
Als sie angekommen waren, gaben sie dem König ihre Geschenke. Iwan blieb immer in der Nähe des Königs, schließlich ging er mit ihm in ein anderes Zimmer. Dort gab er ihm den Edelstein. Als der König den Edelstein betrachtete, erstrahlte das ganze Zimmer. Der König wies Iwan auf einen Ehrenplatz am Tisch. Den Kaufleuten brachten die königlichen Diener Wein, Iwan aber wurde vom König selbst bedient. Da ärgerten sich die Kaufleute. Er war doch nur ihr Arbeiter, sie glaubten, daß sein Schiff leer war und er dem König nichts gebracht hatte. Sie dankten dem König und gin-gen zu den Schiffen. Iwan holte sie ein und lachte die Kaufleute aus: „Ihr waret meine Herren, aber der König hat mich eigenhändig bewirtet!“
Die Kaufleute ärgerten sich darüber. Schließlich lud auch die Königin sie zu Besuch ein. „Ich bitte euch, meine Herren Kaufleute, mir die Ehre eures Besuches zu erweisen!“
Da suchten die Kaufleute ihre besten Waren heraus und fragten Iwan: „Iwan Pechvogel, was nimmst du mit?“
Da antwortete Iwan den Kaufleuten: „Brüder, ihr wißt, daß mein Schiff leer ist. Ich werde für eure Geschenke mit satt.“
Dann nahm er einen zweiten Edelstein aus der Kiste, und sie gingen zum Schloß. Die Kaufleute brachten der Königin ihre Ware. Die Ware wurde entgegengenommen, aber die Königin blieb im-mer in Iwans Nähe. Iwan gab ihr den Edelstein aus dem Ärmel. Die Königin ging in ein anderes Zimmer, und es erglänzte. Man wies die Kaufleute an den Tisch und bewirtete sie. Iwan aber nahm den Ehrenplatz ein. Den Kaufleuten brachten die königlichen Diener den Wein, aber Iwan wurde von der Königin selbst bewirtet. Da sahen sich die Kaufleute an: „Was bedeutet das, warum wird Iwan mehr Ehre erwiesen als uns?“
Als sie sich bedankt hatten und gingen, sagten die Kaufleute zueinander: „Wenn wir das nächste Mal zu Besuch eingeladen werden, unternehmen wir etwas, womit Iwan nicht rechnet.“
Da lud sie die Königstochter zu Besuch ein, aber nicht wegen ihrer Waren, die nicht so teuer waren, sondern weil Iwan ihr auch einen Edelstein schenken sollte. Die Kaufleute suchten die besten Waren aus und sagten zu Iwan: „Iwan, was nimmst du mit?“
„Ihr wißt doch, Brüder, für eure Waren werde auch ich satt.“
Sie ärgerten sich darüber furchtbar, Iwan aber verbarg einen Edelstein im Ärmel. Bevor die Kaufleute in den Palast gingen, vereinbarten sie: „Es gibt nur eines: Entweder kommen wir um oder Iwan.“
Sie gaben dem König ihre Waren, aber die Königstochter hielt sich immer in Iwans Nähe auf. Er überreichte ihr heimlich den Edelstein aus dem Ärmel. Die Königstochter ging in ein Nebenzimmer und sah das Leuchten des Steines. Man wies die Kaufleute an den Tisch, Iwan aber wieder auf den Ehrenplatz und bewirtete sie. Die Kaufleute wur-den von den Dienern bedient, Iwan Pechvogel hingegen von dem König, der Königin und der Kö-nigstochter selbst. Die Kaufleute standen vom Tisch auf, dankten dem König und sagten wie aus einem Munde, daß sie unzufrieden seien. Der König fragte sie: „Womit seid ihr denn unzufrieden?“
„Wir sind damit unzufrieden, daß einem, der früher für uns gearbeitet hat, mehr Ehre erwiesen wird als uns.“
Da sagte der König: „Vielleicht ist seine Ware wertvoller als alle eure Schiffe.“
Da sagten sie: „Na gut, wenn Iwan, unser Arbeiter, teurere und bessere Ware als wir hat, sind wir damit einverstanden, daß uns die Köpfe abgeschlagen werden. Aber wenn unsere Ware wert-voller ist, soll er enthauptet werden.“
Der König fragte Iwan: „Bist du damit einverstanden, daß dir der Kopf abgeschlagen wird, wenn deine Ware schlechter ist?“
„Ich bin einverstanden.“
Damit war die Sache erledigt. Der König verlangte, daß die Angelegenheit in seiner Gegenwart schriftlich festgelegt wurde: Entweder Iwan oder den Kaufleuten sollte der Kopf abgeschlagen werden. Als sie unterschrieben hatten, gingen die sechs Männer und Iwan Pechvogel zu den Schiffen, um ihre Ware auszuladen. Da erwies es sich, daß die sechs Kaufleute sehr gute und wertvolle Ware hatten, während Iwan überhaupt nichts besaß.
Die Kaufleute sagten: „Siehst du, lieber König, das ärgert uns ja gerade. Er war nur unser Arbeiter, aber es wird ihm mehr Ehre erwiesen.“
Man beschloß, Iwan zu enthaupten, und die Kaufleute freuten sich. Da sagte er zum König: „Gestattet mir noch einmal, auf mein leeres Schiff zu gehen!“
Er ging auf das Schiff und holte die Kiste mit Edelsteinen. Als er sie öffnete, erstrahlten die Steine heller als die Sonne. Da mußten nun die sechs Kaufleute um ihr Leben bangen, sie fielen vor Iwan auf die Knie und flehten: „Verzeih uns unsere Missetat! Richte nicht unsere Frauen und Kinder zugrunde, verzeih uns, ach verzeih uns! Wir geben dir dafür unsere sechs Schiffe mit allen Waren und versprechen dir, dich in den Hafen un-serer Heimatstadt zu bringen und dir zu gehorchen!“
Er verzieh ihnen und erhielt einen Kaufvertrag für alle Schiffe. Sie brachen auf nach ihrer Heimatstadt. Als sie nachts ankamen, ließ Iwan Pechvogel die Schiffe mit den Kaufleuten im Hafen und ging zu seiner Frau. Er schlich ganz leise ins Haus, weckte niemanden, machte Licht und schaute nach seiner Frau. Sie schlief, und neben ihr lagen zwei Jünglinge. Da dachte Iwan: Wäh-rend ich im Ausland gewesen bin, hat sie sich hier zwei Liebhaber angeschafft.
Er wurde zornig, griff nach seinem Säbel, hob ihn und wollte zuschlagen. Da dachte er an das, was ihm der Alte gesagt hatte: „Wenn du aus-holst, schlage nicht gleich los, sondern überlege erst.“
Er schlug nicht zu, sondern weckte seine Frau und sagte: „Sei gegrüßt, liebe Frau!“
Seine Frau wachte auf, erschrak und sagte: „Sei gegrüßt, mein lieber Iwan Pechvogel. Lange habe ich dich nicht gesehen, schon sechzehn Jahre nicht.“
„Meine Liebe, was liegen dort für Jünglinge bei dir?“
„Das sind deine Söhne, Lieber. Als du ins Aus-land gingst, war ich schwanger. Ich habe zwei Söhne geboren. Aber wie steht es bei dir?“
„Ich habe sieben Schiffe mit Waren mitge-bracht.“
Die Frau glaubte ihm nicht und sagte: „Wo hast du sie ohne Geld herbekommen?“
„Gott hat sie mir geschickt, weil mir mein Vater nichts hinterlassen hat.“
Am Morgen verkaufte Iwan Pechvogel die Waren und die Schiffe und brachte das viele Geld seiner Frau. „Liebe Frau, jetzt können wir gut leben!“
„Ja, mein Lieber, nun mußt du zu meinem Vater gehen und ihn um Verzeihung bitten. Weißt du, wer ich bin? Ich bin eine Zarentochter!“
Da dachte Iwan: Wie ist das möglich? Sie hat mich, einen Armen, geheiratet, obwohl sie Zaren-tochter ist?
„Mich hat deine Schönheit dazu verlockt, dich zu heiraten“, sagte die Frau, „und ich habe jetzt noch Gold und Silber, das ich von meinem Vater bekommen habe. Höre mich an, mein Lieber. Paß auf, damit du keinen Fehler machst! Nenne ihn noch nicht Vater, sondern nimm einen Brillanten, bringe ihn dem Zaren und bitte um Erlaubnis, in der Nähe des Palastes ein Haus bauen zu dürfen.“
Iwan Pechvogel ging zum Zaren und schenkte ihm einen Brillanten. Der Zar freute sich so, daß er gar nicht wußte, womit er Iwan Pechvogel be-lohnen sollte. Er fragte: „Womit soll ich dich belohnen?“
Iwan antwortete ihm: „Eure Hoheit, gestattet mir, in der Nähe des Palastes ein Haus zu bauen.“
Da sagte der Zar: „Ich erlaube es dir. Wenn es dir an Kapital fehlt, dann helfe ich dir.“
Iwan Pechvogel dankte dem Zaren. Dann begann er mit dem Bau des Hauses und bestellte dazu verschiedene Meister: Maurer, Tischler, Dachdecker und alle Arbeiter, die er brauchte. Das Haus wurde in zwei Jahren fertig. In einigen Zimmern besetzte Iwan die Wände mit Brillanten. Nachdem das Haus fertig war, nahm er einen Bril-lanten und brachte ihn dem Zaren als Dank. Der Zar dankte Iwan: „Ich danke dir, Iwan Pechvogel, du bist jetzt nicht mehr Iwan Pechvogel, sondern Iwan Glückspilz! Ich weiß nicht, wie ich dir danken soll!“
„Wenn Eure Hoheit mir danken wollen, dann bitte ich Euch, mich zusammen mit Euresgleichen in meinem Haus zu besuchen. Das wünsche ich mir von Euch.“
Der Zar, der Iwans Klugheit schätzte, lud einige Könige und Fürsten ein, um mit ihnen zu Iwan zu Besuch zu fahren. Zur vereinbarten Zeit versam-melten sich die geladenen Gäste bei Iwan Pech-vogel. Nach einer Zeremonie tranken sie, waren lustig und gratulierten Iwan: „Nun bist du nicht mehr Iwan Pechvogel, sondern Iwan Glückspilz!“
Iwan Pechvogel kam zu seiner Frau und sagte: „Wie soll ich deinen Vater um Verzeihung bitten?“
„Geh hin und sage: ‚Verzeiht, Zar!’“
Iwan ging zum Zaren und sagte: „Verzeiht, Zar!“
„Du hast dir doch gar nichts zuschulden kommen lassen, was soll ich dir da verzeihen?“
Iwan aber wiederholte: „Verzeiht, Zar!“
Der Zar erklärte wieder, daß er ihm nichts zu verzeihen habe.
Aber die anderen Zaren und Könige sagten: „Na, verzeihe ihm schon, wenn er sich auch nichts hat zuschulden kommen lassen!“
Da sagte der Zar: „Nun, gut, ich verzeihe dir, Iwan!“
Sowie der Zar „Ich verzeihe“ gesagt hatte, trat Iwans Frau herein und verneigte sich vor dem Zaren. Iwan sagte: „Das ist Eure Tochter und meine Frau.“
So erfuhr der Zar, weswegen ihn Iwan um Verzeihung gebeten hatte. Der Zar war sehr froh darüber, daß sein Schwiegersohn ein so kluger Mensch war.
Nun lebten Iwan und die Zarentochter zusammen und mehrten ihren Reichtum.

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