Die Soldatensöhne

In irgendeinem Zarenreiche, in irgendeinem Staate, gerade in dem, in dem wir leben, hinter der Nummer fünf, in diesem verfluchten Hause; hinter der Nummer sieben, wo wir jetzt sitzen… Dieses ist das Märchen nicht, sondern nur das Vorgedicht. Das Märchen kommt morgen nach dem Mittagessen, wenn wir uns an weichem Brot sattgegessen und saure Kohlsuppe gelöffelt haben, damit der Bauch dicker ist…
In einem Dorfe lebte einmal ein Bauer, der war sehr arm und besaß gar nichts. Im Frühjahr heiratete er, und im Herbst steckte ihn der Gutsbesitzer anstelle eines reichen Bauern zu den Soldaten; und da er ein armer Kerl war, schickte man ihn möglichst weit fort. Er hatte kein Geld und konnte keinen Brief nach Hause schreiben, um mitzuteilen, wo er war. So wußte seine Frau nicht, wo sie hinschreiben sollte.
Nach einiger Zeit gebar sie, ohne daß ihr Mann davon wußte, zwei Söhne. Diese Söhne wuchsen nicht in Jahren, sondern schon in Stunden heran.
Nach ungefähr fünf Jahren, die sie in ihrer Armut zugebracht hatte, ging sie zum Dorfschulzen und bat ihn: „Dorfschulze, kann man nicht meine Söhne irgendwie einschulen lassen, ich habe doch keine Mittel…“ (Früher wurden die Lehrer von den Eltern bezahlt.)
Da sagte der Dorfschulze: „Nun, irgendwie wer-den wir die Sache schon einrichten.“ So gingen die Kinder jetzt in die Schule. Der eine Sohn hieß Iwan, der andere Roman, sie glichen einander aufs Haar und hatten die gleiche Stimme, so daß man nicht erkennen konnte, wer von ihnen Iwan und wer Roman war.
Es verging ein Winter, es verging der zweite Winter, und im dritten Winter gingen sie wieder in die Schule. Dort waren Söhne von reichen Vätern, die vom Dorfschulzen und vom Kosakenoberleutnant, das heißt alles Söhne, die auch Väter hatten, sie aber waren irgendwie unehelich geboren. Die anderen Kinder neckten sie: „Ach, ihr Baistrucken1!“
Wenn sie spazierengingen, stieß sie bald der eine, bald der andere an, und es gab niemand, bei dem sie sich darüber beschweren konnten, daß man sie Baistrucken nannte (als wären sie unehelich geboren).
Einmal kamen sie nach Hause zu ihrer Mutter.
„Mutter!“ sagten sie.
„Was denn, meine Söhnchen?“
„Warum nennt man uns Baistrucken?“
Sie antwortete: „Ihr seid keine Baistrucken, sondern euer Vater ist schon sechs Jahre bei den Soldaten (früher diente man fünfundzwanzig Jahre). Der Gutsbesitzer hat ihn außer der Reihe zu den Soldaten gesteckt.“
Am nächsten Morgen gingen sie wieder in die Schule.
Als die Stunde vorbei war, ließ man sie auf die Straße. Die Kinder neckten sie wieder und nannten sie Baistrucken. Da sagte Iwan zu Roman: „Bruder Roman, wir sind doch Soldatensöhne und keine Baistrucken. Sie nennen uns aber Baistruk-ken, komm, wir machen sie fertig!“
Wen Iwan am Arm ergriff, der hatte keinen Arm mehr, wen er am Kopf packte, der hatte keinen Kopf mehr. – So fielen die, die stärker waren, die schwächeren liefen davon. Sie sammelten die Mützen auf und gingen zur Schule. Roman hob die eine Ecke des Schulhauses an und Iwan legte die Mützen darunter.
Da sagte Roman: „Gehen wir jetzt zum Lehrer, er hat uns schon oft unnötigerweise mit dem Lineal geschlagen.“
Da kamen sie zum Lehrer. Der Lehrer fiel auf die Knie und flehte: „Verzeiht mir doch, wir haben eben solchen Beruf!“
„Nun gut, wir verzeihen dir.“
Sie rührten den Lehrer nicht an und gingen nach Hause. Als sie nach Hause kamen, fragte die Mutter: „Warum kommt ihr schon so früh?“
„Ach, einfach so, wir haben ein bißchen aufgeräumt!“
„Was?“
„Na, als sie uns wieder Baistrucken nannten, haben wir sie fertiggemacht. Wen wir am Arm packten, der hatte keinen Arm mehr, und wen wir am Kopf packten, der hatte keinen Kopf mehr.“
„Was habt ihr da angerichtet?!“
„Nichts weiter“, antworteten sie.
„Jetzt wird uns der Gutsbesitzer umbringen.“
„Das kommt noch darauf an“, antworteten sie.
Da riefen die Bauern eine Versammlung zusammen. „Was sollen wir nur mit diesen Baistruk-ken machen?“
Sie riefen den Gutsbesitzer herbei und bestell-ten die Mutter der Baistrucken zur Versammlung.
Als sie sich dort berieten, sagte der Lehrer, daß sie große Kraft hätten und man sie schwer beseitigen könnte.
Der Gutsbesitzer überlegte, was man mit ihnen machen könnte. „Wir sagen, ihre Mutter soll ein Loch ins Eis hauen und sie unter das Eis stecken.“
Und so sagte es der Gutsbesitzer ihr auch: „Geh nach Hause, schlage ein Loch in das Eis und stoße deine Söhne ins Wasser. Wenn du das nicht machst, werden wir dich dort hineinstoßen.“
Die Ärmste begann zu weinen und ging nach Hause.
Sie ging und weinte. Zu Hause aber warteten die Söhne mit Ungeduld auf ihre Mutter. Was hatte man dort auf der Versammlung zu ihr gesagt?
Als sie ihre Mutter empfingen, weinte sie.
„Warum weinst du denn, Mutter?“
„Der Gutsbesitzer hat gesagt, daß ich ein Loch ins Eis schlagen und euch unter das Eis stecken soll.“
„Ach so. Nun, dann geh zurück, Mutter, wir werden mit dir gehen.“
Die Mutter tat es. So gingen sie zu dritt zurück, und die Söhne sagten: „Wir bleiben hier unter dem Fenster stehen, geh du in die Hütte, Mutter, und dann sag zu dem dickbäuchigen Gutsbesitzer: ‚Dickbäuchiger Teufel, meine Söhne haben mich hierher geschickt!’“
Das tat sie auch, aber der Gutsbesitzer kochte vor Wut. „Was hast du für ein Recht, mich so zu nennen?!“
„Und was hattest du für ein Recht, zu sagen, ich soll ein Eisloch schlagen und meine Kinder dort hineinstoßen? Sie haben gesagt, daß über Nacht bis morgen zwölf Uhr Keulen aus je fünfundzwanzig Pud weichem Eisen gemacht werden sollen.“
Der Gutsbesitzer biß sich auf die Zunge. Die Söhne drückten von der Straße aus gegen die Wand, da brach die Wand entzwei, und sie konnten durch die Wand eintreten.
Nun begann der Gutsbesitzer ängstlich zu werden und sagte: „Verzeiht mir, ich selbst will euch die Keulen machen lassen. Bis morgen sind sie fertig.“
„Paß nur auf, du dickbäuchiger Teufel, sonst treten wir dir auf das eine Bein und reißen dir das andere aus!“
Der Gutsbesitzer lief schnell zu seinem Gut und ließ Keulen mit Griffen von seinem Schmied ma-chen. Da er sie nicht bis zwölf Uhr machen lassen konnte, lief er zu den Soldatensöhnen und bat sie, wenigstens noch zwei Tage zu warten.
„Nun, schon gut. Aber daß die Keulen in zwei Tagen fertig sind! Rolle ein Faß Wein ins Dorf, du dickbäuchiger Teufel, schlachte drei Kühe und lade zu einer Gedenkfeier ein, für die Jungen, die wir erschlagen haben, aber daß alles heute noch geschieht!“
Da sagte der Gutsbesitzer: „Ich will mich gern bemühen, es wird alles getan werden.“
„Wir kommen nachsehen.“
„Bitte! Wenn ihr nicht mit ins Dorf kommt, dann kommt doch wenigstens zu mir. Ich werde euch dort bewirten.“
„Wir haben keine Lust, zu dir zu kommen, wir werden hier warten.“
Der Gutsbesitzer fuhr nach Hause und stellte schnell ein Faß Wein im Dorf auf und brachte die drei Kühe. Iwan und Roman suchten nicht nach Messern, sondern rissen ihnen einfach die Haut ganz herunter und sagten: „Nun eßt und denkt an die Jungen, die uns Baistrucken genannt haben!“
Sie selbst gingen nach Hause. „Nun geh du auch zu dem Fest, Mütterchen, und merke dir, was man dort sagt.“
Die Mutter ging hin. Nun, hier sagte natürlich niemand etwas Schlechtes. Die Mutter wurde gut bewirtet und kam wieder nach Hause.
„Nun, wie war es dort, Mütterchen?“
„Alles in Ordnung. Alle sprechen gut von euch und niemand schimpft.“
„Aha“, sagten sie.
Nach drei Tagen brachte der Gutsbesitzer ihnen die Keulen und sagte: „Da habt ihr sie, Jungens, eure Bitte ist erfüllt.“
Iwan griff nach seiner Keule und sagte: „Etwas leicht! Das sind doch keine zwanzig Pud.“
Und Roman sagte: „Müssen es aber sein.“
„Nun, dann nimm du sie einmal.“
Roman griff auch zu und sagte: „Ja, das sind wohl keine zwanzig Pud.“
„Was hast du denn da gemacht, du Dickbäuchiger? Man hat dir gesagt, zu fünfundzwanzig Pud, und du läßt nur zu sechzehn machen!“
„Nein, so wiegt sie doch, Soldatensöhne (jetzt nannte er sie schon Soldatensöhne), wenn ihr es nicht glaubt. Ich habe doch selbst gesehen, wie sie gewogen wurden. Die Keulen wiegen sogar noch etwas mehr als fünfundzwanzig Pud.“
Da begannen sie, mit den Keulen zu spielen. Sie warfen sie in die Höhe, fingen sie wieder auf und warfen sie wieder. Der Gutsbesitzer aber stand da, ohne sich von der Stelle zu rühren, und hatte Angst.
„Na ja, es ist gut, die Keulen sind nun einmal fertig. Wir wollen deinem Teufelswort glauben. Aber wir wollen dir noch eine Aufgabe geben. Rolle noch ein Faß mit vierzig Eimern Wein in das Dorf und laß alle Bauern wissen, daß wir jetzt losziehen, um unseren Vater zu suchen. Und paß auf, wenn das Essen ausgeteilt wird, daß man unserer Mutter Fleisch und weiches Brot gibt, paß auf, daß die Mutter kein hartes Brot ißt und daß man sie immer bedient. Was sie braucht, soll ihr unverzüglich gegeben werden, und wenn das nicht geschieht, so kommst du nicht mehr lebend davon, wenn wir zurückkehren!“
Da sagte der Gutsbesitzer: „Mit großem Vergnügen, es wird alles so hergerichtet werden, wie es sich gehört. Eure Mutter soll ihre alte Hütte verlassen und in eines meiner Zimmer ziehen. Dort wird man sie bedienen, es wird ihr ständig alles hereingebracht werden. Sie soll essen und trinken können, was sie will.“
„Na, und jetzt paß auf, du dickbäuchiger Teufel! (Mit einem guten Namen belegten sie ihn nicht.) Paß auf, wenn unsere Keulen zu pfeifen anfangen. Wohin die Keulen sausen, dorthin gehen wir.“
Iwan war wohl etwas älter, denn Roman sagte: „Nun, Bruder Iwan, wirf du dein Abschiedsgeschenk zuerst.“
Iwan griff nach seiner Keule und warf sie. Sie flog wie aus einer Kanone geschossen davon und war bald den Blicken entschwunden.
„So, jetzt schleudere ich meine.“ Roman griff nach seiner Keule und schleuderte sie, und man sah sie weit, weit davonjagen.
Dann verabschiedeten sie sich von der Mutter und von dem Gutsbesitzer, dem dickbäuchigen Teufel: „Nun, dann auf Wiedersehen“, sagten sie.
Sie gingen in die Richtung, in der die Keulen geflogen waren.
So liefen sie einen oder vielleicht auch zwei Tage. Da kamen sie in einen Wald und sahen überall dort, wo die Keulen entlanggeflogen waren, abgebrochene Äste an den Baumwipfeln. „Dort sind unsere Abschiedsgeschenke entlanggeflogen“, sagten sie.
Sie gingen weiter durch den Wald und sahen ein Feld. Auf dem Felde stand ein großes Haus, von einem hohen Zaun wie bei Gefängnissen umgeben. Überall waren spitze Bajonette in die Erde gestoßen. Sie sahen, daß auf jeder Bajonettspitze ein Menschenkopf aufgesteckt war, nur zwei Bajonette ohne Kopf gab es noch, und bei diesen Bajonetten lagen ihre beiden Keulen.
„Da wären wir also am Ziel“, sagten sie. „Unsere Abschiedsgeschenke sind schon hier. Siehst du die freien Plätze, wahrscheinlich wird man unsere Köpfe dort aufstecken. Da gibt es nichts anderes, wir müssen uns eben erkundigen.“
Sie nahmen ihre Keulen in die Hand und gingen zur Haustür. Die Tür hatte ein starkes Schloß und war fest verschlossen.
Plötzlich hörten sie, wie auf der anderen Seite eine Tür aufging. Eine Alte trat heraus und sagte: „Ach, ihr Soldatensöhne, ihr seid zu früh gekommen. Wenn ihr wenigstens fünfzehn Jahre alt wäret, aber ihr seid ja erst acht Jahre alt. Und da habt ihr euch schon in eine solche Sache eingelassen! Es tut mir leid um euch, faßt aber eure Keulen hier nicht an, legt sie wieder an die Stelle, wo sie waren. Mein Sohn wartet schon drei Tage auf euch. Folgt mir“, sagte die Alte, „ich weiß, daß ihr einen langen Weg hinter euch habt und essen wollt.“
„Ja, Großmütterchen, das wollen wir.“
„Nun, dann eßt nur schnell, wenn mein Sohn kommt, wird er euch umbringen.“
Sie gab ihnen zu essen. Als sie sah, daß ihr Sohn kam, rief sie beide, schlug sie auf den Kopf, verwandelte sie so in Stöcke und stellte diese hinter den Schrank. Da öffnete der Sohn, der ein Drache war, die Tür und sagte zu seiner Mutter: „Mütterchen, was ist das? Hier riecht es nach russischen Knochen.“
Da antwortete ihm die Mutter: „Du bist durch Rußland geflogen, hast russische Knochen gerochen, da scheint es dir so, als ob es in der Hütte auch nach russischen Knochen riecht.“
„Gib mir zu essen!“
Die Alte gab ihrem Sohn, dem Drachen, zu essen. Er aß und sagte zu seiner Mutter: „Wenn die Soldatensöhne hierher kommen, dann halte sie auf.“
„Gut, Söhnchen, das werde ich tun.“
„Ich werde wieder fortfliegen“, sagte er.
„Nun, dann fliege“, antwortete sie.
Der Drache flog davon. Sie holte die Söhne, schlug sie, und sie wurden wieder zu dem, was sie waren.
„Habt ihr gehört, was er gesagt hat?“ fragte sie.
„Ja, Großmütterchen“, sagten sie, „das haben wir gehört.“
„So also ist mein Sohn.“
„Wir haben es gehört, Großmütterchen.“
„Jetzt will ich euch ein Rätsel aufgeben. Das heißt, es ist kein Rätsel, sondern ihr sollt mir ein-fach einen Gefallen tun.“
„Wir freuen uns, dir einen Gefallen zu tun, Großmütterchen.“
„Nun, dann folgt mir.“
Sie gingen dem alten Mütterchen nach. Dem einen gab sie eine Schaufel, dem anderen ein Beil und führte sie auf einen Berg. Auf diesem Berg stand eine zwanzig Zoll starke Eiche, und unter dieser Eiche befand sich eine Gruft. In dieser Gruft standen hinter verschlossenen Türen zwei Reckenhengste (die Soldatensöhne wußten aber nichts davon).
Die Großmutter brachte sie dorthin und sagte: „Fällt diese Eiche, zieht die Wurzeln heraus und kommt dann zu mir. Beeilt euch aber, falls mein Sohn plötzlich zurückkommt.“
Roman schlug mit dem Beil zu, und eine Wurzel flog sofort davon. Er schlug ein zweites Mal gegen die andere Wurzel, auch sie flog davon, aber das Beil ebenfalls.
„Warum sollen wir sie kaputtmachen? Komm, wir versuchen es so.“ Sie legten ihre Arme um die Eiche, und die Eiche begann zu wackeln.
„Komm, jetzt singen wir das Lied von der Dubinuschka.“
„Warum sollen wir denn singen?“
„Hast du nicht gehört, daß die Bauern die ‚Dubinuschka’ singen, wenn sie eine schwere Last ziehen?“
„Ach, Dubinuschka, du grüne, jetzt geht es schon von selbst…“
„Hurra!“
Sie schrien hurra, und die Eiche flog heraus.
„Siehst du, die ‚Dubinuschka’ hat geholfen.“
„Nun lauf zu dem alten Mütterchen, Roman, ich werde die restlichen Wurzeln herausziehen.“
Roman lief zu dem alten Mütterchen, das gerade nach Hause gekommen war. „Großmütterchen, wir sind mit der Eiche fertig!“
„Ihr seid Prachtkerle, Jungens“, sagte das Mütterchen. „Ich dachte, ihr braucht bestimmt drei Stunden dazu. Nun habe ich gerade die Tür geöffnet, und da bist du schon da. Na, gehen wir los, wir haben keine Zeit, uns lange zu unterhalten.“
Als das alte Mütterchen dorthin kam, hatte Iwan die Wurzeln herausgezogen und schon fast die Tür freigelegt. Da sagte sie: „Dort stehen zwei Reckenpferde, Soldatensöhne. Sie gehören euch. Wenn wir die Tür öffnen, wird ein Hengst herausspringen. Du mußt rufen: ‚Bleib stehen vor mir, du Köterfleisch! Nicht du wirst mich beherrschen, sondern ich dich!’“
Das taten sie auch. Da blieb das Pferd stehen und lehnte den Kopf an Iwan, den Soldatensohn. Auch Roman bekam so sein Pferd. Die Alte zog ihnen Reckenkleidung an, gab ihnen Schwerter von je fünfundzwanzig Pud Gewicht und sagte zu ihnen:
„Jetzt macht euch auf den Weg! Wenn ihr zum Meer kommt, so laßt eure Pferde frei herumlaufen, sie werden euch nicht davonlaufen. Legt euch aber nicht schlafen am Meer, sonst kommt mein Sohn herbeigeflogen, sieht die Pferde und euch, und wenn ihr schlaft, dann werdet ihr besiegt. Aber wenn ihr nicht schlaft, so wird er nichts mit euch machen können, er wird euch beide nicht besiegen können. Laßt ihn aber nicht lebend da-von!“
Sie ritten auf ihren Pferden los und begannen Ball zu spielen, um nicht einzuschlafen. Sie spielten etwas Ball, da tauchte plötzlich der sechsköpfige Drache auf.
„Ja, alter Teufel, es war also richtig, daß es in der Hütte nach russischen Knochen roch. Sie hat mir aber gesagt, daß ich durch Rußland geflogen wäre und genug davon gerochen hätte, so daß ich schon überall russische Knochen riechen würde. Ihr werdet mir aber nicht entkommen!“
Die Brüder griffen nach ihren Keulen, und sofort erschienen ihre Pferde.
Iwan schlug dem Drachen zwei Köpfe ab und Roman zwei, aber dem Drachen wuchsen gleich wieder zwei Köpfe nach. Sie schlugen noch je einen Kopf ab, aber dem Drachen waren schon drei nachgewachsen. Da stellte sich das eine Pferd auf die Hinterbeine und stürzte sich dem Drachen auf die Schultern, und das andere trat ihm mit den Hufen in die Seite, und der Drache rollte davon, doch die Pferde bedrängten ihn mit ihren Hufen weiter. (Das waren Pferde!) Die Soldatensöhne schlugen ihm die restlichen Köpfe ab, hieben sie in Stücke, zündeten ein Feuer an und warfen die-se hinein. Sie selbst setzten sich auf die Pferde und ritten davon.
So ritten sie ein Stückchen dahin. Als sie anhielten, machten sie sich ein Zelt aus Leinwand zurecht und ließen die Pferde laufen. Am Morgen wachten sie auf, und die Pferde erschienen wie-der. Sie sattelten die Pferde und machten sich auf den Weg. Wie sie ein Stück dahingeritten waren, kamen sie zu einem Wegweiser. Von ihm gingen zwei Wege aus. Auf einer Tafel stand geschrieben: „Wer rechts entlang reitet, der wird satt und reich, wer aber links entlang reitet, der weiß nicht, was aus ihm wird.“
„Was wären wir schon für Recken, ritten wir zusammen weiter. Wir werden uns trennen müssen. Der eine muß nach rechts, und der andere nach links reiten. Und wenn wir zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht irgendwo zusammentreffen, so muß einer an diese Stelle, an der wir uns getrennt haben, zurückkehren und der Spur des anderen nachreiten. Nun, was machen wir jetzt? Wer von uns beiden reitet rechts entlang und wer links entlang?“
Da sagte Roman: „Laß das Los entscheiden, dann wird keiner auf den anderen böse sein.“
„Aber womit wollen wir denn losen?“
„Siehst du dort den Haselstrauch? Wir wollen von den Pferden steigen, eine Rute abbrechen und messen1. Der, dessen Hand oben ist, reitet nach rechts.“
Roman sprang vom Pferd, brach eine kleine Rute ab, brachte sie Iwan, und sie begannen zu messen. Iwans Hand war oben.
„Du, Bruder Iwan, mußt rechts entlang reiten, und ich reite links entlang. Wir reiten einen Monat lang, und wenn ich dann nicht an der ausgemachten Stelle bin, dann kehre zurück und suche mich. Aber wenn ich dich nicht finden sollte, dann werde ich hierher zurückkehren und dich suchen.“
Nun lassen wir Roman weiterreiten und wenden uns Iwan zu.
Als Iwan ein kleines Stück auf der rechten Seite dahingeritten war, sah er dort eine Hütte auf Hühnerbeinen stehen, deren Türen dem Wald und deren Wände dem Weg zugewandt waren. Er ging an diese Hütte heran, aber sowie er näher kam, drehte sich die Hütte und zeigte sich ihm immer mit der Wand.
Iwan Soldatensohn schrie: „Hütte, wende dich dem Wald mit den Wänden zu, mir aber mit der Tür!“
Da wandte sich die Hütte ihm mit der Tür zu. Er öffnete die Tür und sah dort einen alten Mann, der war ganz, ganz klein, hatte aber einen Kopf, so groß wie ein Bierkessel. Dieser sagte zu Iwan: „Ich danke dir dafür, Iwan Soldatensohn, daß du zu mir gekommen bist. Ich habe für dich zu essen und zu trinken. Nur schade, daß ich für dein Pferd nichts zu fressen habe. Aber wenn du das nächste Mal kommen wirst, dann werde ich auch deinem Pferd zu fressen geben.“
Der Soldatensohn Iwan dankte dem Alten für die Bewirtung.
„Nun werde ich dir ein Geschenk machen, Iwan Soldatensohn. Ich weiß, daß du aus einer armen Familie bist, daß du nichts hast. Nimm also mei-nen alten Geldbeutel. Hier hast du ihn. Wenn du Geld brauchst, dann schüttle den Beutel, und du kannst soviel herausnehmen, wie du willst. (Das war ein Geldbeutel!) Wenn du wieder hierher-kommst, dann vergiß mich nicht.“
Iwan dankte dem Alten für die Bewirtung und das Geschenk und ritt weiter.
Er kam in eine Stadt, in der der Zar wohnte (so wie nach Petrograd). Er ritt in ein Gasthaus, nahm ein Zimmer im Gasthaus (Geld hatte er ja genug!) und mietete einen Stall für sein Pferd. Er wohnte in diesem Hotel einen Tag, einen zweiten und vielleicht auch einen dritten. (Das weiß man schon nicht mehr.)
Am Morgen wachte er auf, und da sah er, daß überall Trauerfahnen herausgehängt waren. Er fragte den Gastwirt: „Herr, was ist bei euch los? Warum sind Trauerfahnen herausgehängt?“
„Schweigt, junger Mann, bei uns in der Stadt ist ein Unglück geschehen.“
„Was ist denn los?“
„Ja, der Drache hat dem Zaren einen Brief geschickt. Der Zar solle ihm seine Tochter zum Verspeisen schicken, und wenn er seine Tochter nicht schicke, so würde er das ganze Zarenreich verbrennen. Deshalb sind die Trauerfahnen herausgehängt. Der Zar hat doch nur eine Tochter.“
Iwan hörte diese Worte und rief: „Herr, gebt meinem Pferd eine Portion Hafer und mir eine Portion zu essen!“
„Sofort, junger Mann, sofort wird alles geschehen!“
Iwan aß und sprach zu dem Gastwirt: „Herr, ich reite auf die Jagd.“
„Nun, dann reitet!“
Er begab sich auf die Jagd und kam zum Meer.
Dort war die Tochter des Zaren schon in einer Laube mit Ketten festgeschmiedet. Er sagte zu ihr: „Sei gegrüßt, schöne Zarentochter!“
Sie dachte, daß der Drache so hübsch sei. „Du nennst mich hier schöne Zarentochter, bist aber gekommen, um mich zu fressen!“
„Nein“, sagte er, „ich bin nicht der Drache.“ Er nahm seine Mütze ab und bekreuzigte sich. „Ich bin gekommen, um dich zu erlösen. Ob ich dich jedoch erlösen kann, weiß ich noch nicht. Aber ich werde es trotzdem versuchen.“ Er riß die Kette ab und warf sie ins Meer.
Plötzlich trat der Drache aus dem Meer und sagte: „Ach, du lieber Herr! Ich habe einen Men-schen verlangt, aber er hat gleich zwei geschickt. Da gibt es etwas zu beißen!“
„Vielleicht bekommst du etwas zu essen, aber vielleicht kommst du auch um!“
Da fing der Drache an zu lachen: „Solchen Gegner habe ich hier nicht in der Nähe, aber es gibt da in irgendeinem Zarenreich, in einem anderen Staat, zwei Soldatensöhne, die sind noch ganz jung, sind erst neun Jahre alt.“
„Der Rabe bringt die Knochen nicht, sondern der kühne Bursche kommt selbst.“
Der Drache fragte: „Bist du Iwan, der Soldatensohn, oder Roman? Du hast also meinen Onkel umgebracht?“
„Ja“, sagte er, „ich!“
„Die Alte, die Verfluchte, hat euch die Pferde gegeben! Doch ich werde trotzdem mit dir fertig.“
„Das werden wir ja sehen“, antwortete Iwan, ohne zu verzweifeln.
„Nun, Iwan, wollen wir uns schlagen oder vertragen?“
Da antwortete Iwan: „Ich bin nicht gekommen, um mich mit dir zu vertragen, sondern bin gekommen, um mich zu schlagen! Wer soll die Tochter des Zaren bekommen, ich oder du?“
„Los!“ sagte der Drache.
Iwan schlug los, und gleich fielen drei Köpfe des Drachen. Doch als der Drache zuschlug, sank Iwan bis zu den Knien in die Erde ein. Iwan schlug ihm noch zwei Köpfe ab. Da schlug ihn der Drache bis zum Gürtel in die Erde.
Da sagte Iwan zu ihm: „Ach, du Drache! Wir schlagen uns und raufen uns. Wenn sich die Zaren und Könige schlagen, geben sie einander eine Atempause. Wir beide aber ruhen uns nicht aus, sondern schlagen uns um irgendeine Zarentochter.“
Dem Drachen wuchsen noch zwei Köpfe nach.
„Nun, dann laß uns ausruhen!“ (Der Drache hoffte, daß ihm noch mehr Köpfe wachsen würden, Iwan aber hoffte, in der Pause aus der Erde herauszukommen.)
Iwan kam aus der Erde heraus, stellte sich auf festen Boden, sagte: „Wir haben uns genug ausgeruht“, und schlug ihn noch einmal mit dem Schwert. Da blieb dem Drachen nur noch ein Kopf (die Köpfe wuchsen nicht mehr nach). Der Drache schlug auf Iwan ein, konnte ihn aber nicht tief in die Erde hineinschlagen. Da sagte der Drache zu ihm: „Mir ist nur noch ein Kopf geblieben. Trotz deiner Jugend bist du klug.“ (Der Drache sah, daß ihn Iwan an der Nase herumgeführt hatte.) „Jetzt sehe ich, daß ich verloren bin“, gab der Drache zu.
Da schlug Iwan noch einmal mit dem Schwert zu, schlug ihm den letzten Kopf ab. Die Köpfe legte er unter einen Stein, die Zungen auf den Stein. Dann nahm er der Zarentochter den Verlobungsring ab und schickte sie nach Hause. Sie hatte ihn eingeladen, ein paar Gläser Tee bei ihr zu Hause zu trinken. Er aber hatte ihr geantwortet: „Ich komme in einem Monat, jetzt habe ich keine Zeit.“ Dann sagte er noch zu ihr: „In einem Monat komme ich und werde dich heiraten.“
Sie umarmte ihn, küßte ihn und sagte: „Begleite mich wenigstens bis in die Stadt.“
„So eine große Herrscherin bist du nun auch wieder nicht. Du kannst auch allein gehen. Ich aber muß zu einem anderen Ort eilen.“
Sie weinte und ging los, er aber setzte sich auf sein Pferd und ritt davon.
Um diese Zeit holte der Wasserträger Wasser. Er hatte gesehen, wie sich Iwan mit dem Drachen schlug und wohin er die Köpfe und die Zungen gelegt hatte.
Er trat der Zarentochter in den Weg und forderte sie auf: „Sage, daß ich dich gerettet habe!“
Sie aber sagte: „Wie kann ich sagen, daß du mich gerettet hast?“
„Wie du willst. Wenn du es nicht sagst, werde ich dich mit dieser Schöpfkelle erschlagen, ins Meer werfen und sagen, daß dich der Drache aufgefressen hat.“
Da sagte sie: „Da haben wir’s! Den einen bin ich zwar losgeworden, aber nun werde ich den anderen nehmen müssen. Nun gut, ich werde sagen, daß du mich befreit und den sechsköpfigen Drachen erschlagen hast.“
„Knie nieder, schwöre und iß einen Klumpen Erde,1 dann werde ich glauben, daß du das sagen wirst.“
Sie tat es. Er nahm sie am Arm und schleppte sie nach Hause. Als er sie brachte, erzählte sie, daß er den Drachen erschlagen habe. Da nähte man ihm Tressen und erwies ihm alle Ehren, und der Zar sagte: „Du wirst mein Schwiegersohn.“
Iwan kam zurück in sein Gasthaus und sagte zum Wirt: „Herr, gebt mir zwei Portionen Fleisch zu essen und gebt meinem Pferd eine Portion Hafer. Ich schließe mein Zimmer für drei Tage zu und werde einen Brief nach Hause schreiben. Daß niemand in den drei Tagen zu mir kommt, ich will auch nicht herauskommen. Schaut nach dem Pferd und füttert es jeden Tag, wie es sich gehört.“
Er aß zu Mittag und legte sich für drei Tage schlafen. Am dritten Tag wachte er auf. Wieder läuteten die Kirchenglocken, und Trauerfahnen waren ausgehängt. Er fragte den Gastwirt: „Herr, was ist das?“
„Still, junger Mann! Damals hat der sechsköpfi-ge Drache die Zarentochter verlangt, jetzt aber verlangt sie der neunköpfige. Damals hat der Wasserträger den sechsköpfigen Drachen erschlagen. Er hofft, daß er auch dieses Mal siegt.“
„Hat denn der Herrscher nur eine Tochter?“
„Ja, er hat nur eine Tochter.“
„Gebt mir schnell zwei Portionen zu essen und schüttet meinem Pferd zwei Portionen Hafer hin!“
„Sofort, junger Mann!“
„Na, na, etwas schneller!“
Er aß.
„Nun will ich auf die Jagd gehen.“
Und er machte sich auf den Weg.
Als er das erste Mal zum Kampf geeilt war, hatten ihn die Leute nicht gesehen, das zweite Mal aber, als er zu dem Berg und zu der Laube ritt, kamen ihm die Leute von dort entgegen. Diese fielen alle auf die Erde nieder und riefen: „Da rei-tet der Drache!“ (Er ritt schnell, und da hielten sie ihn für den Drachen.)
Als er dort ankam, fand er die Zarentochter wieder angeschmiedet vor. Sie sagte zu ihm: „Ach, lieber Freund, du hast mich nicht zur Stadt begleitet, deshalb mußte ich dem Wasserträger schwören. Man hat ihm schon Tressen genäht.“
„Das ist dir doch sowieso egal. Hauptsache, es ist ein Mann. Dann wird er eben dein Bräutigam, und aus dem Armen wird ein Reicher. Es ist ja gleich, ob du mich heiratest oder ihn!“
Sie konnten nicht mehr weitersprechen, denn der Drache kam und sagte: „Ach, du gütiger Herr, du hast mir zu trinken und zu essen geschickt. Ich habe einen Menschen erwartet, du aber hast mir zwei geschickt!“
Da sagte Iwan: „Vielleicht erstickst du auch an dem Getränk!“
Da lachte der Drache höhnisch. „Du hast zwar meinen Bruder erschlagen, aber mich wirst du nicht erschlagen“, sagte er.
„Das werden wir ja sehen!“
Iwan band sein Pferd nicht an die Laube, sondern machte nur den Zügel fest.
Als Iwan auf den Drachen einhieb, schlug er ihm gleich drei Köpfe ab. Aber der Drache schlug Iwan bis über die Knie in die Erde hinein. Als Iwan ein zweites Mal zuschlug, waren wieder drei Köpfe ab. Dem Drachen blieben noch drei Köpfe, und zwei wuchsen wieder nach. Da warf sich das Pferd auf den Drachen und brachte ihn zu Fall. In der Zeit aber sprang Iwan aus der Erde, mit Mühe zwar, und schlug ihm zwei Köpfe ab. Der Drache sagte zu ihm: „Du hast Glück gehabt durch dein Pferd! Ich sterbe, aber mein Bruder wird auf sei-nem Pferd kommen, und der hat zwölf Köpfe!“
Trotzdem tötete Iwan ihn endgültig und sagte zu der Zarentochter: „Ich habe dir den Ring abgenommen. Aber gib ihn jetzt dem Wasserträger und heirate ihn, wie du es geschworen hast!“
Sie antwortete ihm: „Wo wirst du mit dem zwölfköpfigen Drachen zusammenkommen?“ (Sie hatte nämlich das Gespräch belauscht)
„Das wird auch an dieser Laube geschehen. Und du wirst auch hier sein. Aber wo sitzt denn euer Wasserträger?“
„Dort auf der Eiche.“
„Ich will hinreiten und ein wenig mit ihm plaudern.“
So ritt er zur Eiche. Die Zarentochter aber ging langsam fort.
„Na, du Krieger, steig von der Eiche herunter! Ich hab mit dir zu reden!“
„Nein, ich steige nicht herunter!“
„Nun, dann wirst du wie eine Erbse herunterrollen.“
Iwan stieg vom Pferd, schüttelte die Eiche, und der Wasserträger fiel herunter. Er ließ ihn gar nicht erst bis zur Erde kommen, sondern ergriff ihn in der Luft, stellte ihn auf die Füße und schlug ihn nur ein wenig mit der Reitpeitsche. „So, das genügt für dich. Nimm die Zarentochter, führ sie nach Hause und heirate sie. Ich bin schon verhei-ratet, ich brauche sie nicht!“
Der Wasserträger freute sich, daß er „eine so gute Ware“ bekommen sollte. Er nahm die Zaren-tochter und führte sie nach Hause. Dort machte man ihm einen Verband auf die Wunde, die er von den Schlägen mit der Reitpeitsche bekommen hatte.
Iwan, der Soldatensohn, kam in sein Gasthaus und sagte zu dem Gastwirt: „Gebt mir zwei Portionen zu essen!“
Der Wirt gab sie ihm, und Iwan sagte: „Paßt auf, ich schließe mich für drei Tage in mein Zimmer ein. Daß niemand zu mir kommt! Ich werde Briefe schreiben. Dem Pferd aber gebt solche Portionen, wie es sich gehört. Ich werde nicht herauskommen.“
Und er legte sich schlafen.
Er schlief drei Tage. Am dritten Tag wachte er auf. Wieder läuteten die Kirchenglocken, und Trauerfahnen waren ausgehängt. Er fragte den Gastwirt: „Was ist das, Herr?“
„Junger Mann, der zwölfköpfige Drache hat dem Zaren geschrieben, daß er ihm seine Tochter zum Fressen schicken solle. Und wenn der Zar sie nicht schickt, dann wird er unser ganzes Zarenreich verbrennen!“
„Wann soll das sein?“
„Genau um zwölf soll sie dort am Meer sein.“
„Dann gebt mir eine dreifache Portion Essen, gebt auch meinem Pferd eine dreifache Portion und gebt mir hundert Rubel.“
„O habt Erbarmen, junger Mann! Um Gottes willen, jetzt habe ich nicht eine Kopeke Geld.“
„Dann kommt schnell her!“
Der Wirt kam.
„Nimm die Zipfel von deinem Kittel hoch!“
Der Wirt kam heran und hob seinen Kittel. Iwan nahm den Geldbeutel und begann ihn über dem Kittel auszuschütten. „Nun, kommt etwas?“ schrie er.
„Gib noch etwas hinzu!“
„Na, paß auf, ich werde noch etwas hinzugeben, aber wenn du es fallen läßt, gehört alles wieder mir.“
„Nein, ich lasse es nicht fallen!“
Da schüttelte er den Beutel noch stärker. Dem Wirt begannen die Hände abzusterben, aber es war ihm noch nicht genug. Plötzlich fuhren dem Wirt die Hände auseinander, und das ganze Geld fiel auf den Boden. Da sagte Iwan zu ihm: „Hinaus aus dem Zimmer!“
„Gib mir wenigstens die Hälfte!“
„Nun, dann nimm schnell alles mit!“
Der Wirt ächzte und stöhnte und raffte das Geld zusammen. „Hier hast du hundertfünfzig Rubel.“
Iwan nahm das Geld, setzte sich auf sein Pferd und ritt zu einem Geschäft. „Gebt mir fünf Pud Hanf!“
Man gab ihm fünf Pud Hanf.
„Gebt mir ein Faß Teer!“
Man gab ihm ein Faß Teer.
„Gebt mir einen Kessel!“
Man gab ihm einen Kessel. Er nahm alles mit, setzte sich auf sein Pferd, und los ging es.
Er kam an, stellte den Kessel auf, goß Teer hinein und begann ihn zu erhitzen.
Als der Teer warm geworden war, nahm er den Sattel vom Pferd, tauchte den Hanf in den Teer und wickelte sein Pferd damit ein. Als das Pferd fast zwei Zoll dick eingewickelt war, legte er den Sattel auf, setzte sich auf das Pferd und begab sich zum Meer. Er kam hin, und kaum hatte er der Zarentochter die Ketten abgenommen, als der zwölfköpfige Drache erschien und zu ihm sagte: „Nun, Iwan Soldatensohn! Wollen wir uns jetzt schlagen oder vertragen?“
„Wir sind doch nicht hergekommen, um uns zu vertragen, sondern sind gekommen, um uns zu schlagen!“
Da antwortete ihm der Drache: „Wir lassen erst unsere Pferde miteinander kämpfen, und dann werden wir selbst uns schlagen. Wenn dein Pferd mein Pferd erschlägt, muß ich umkommen, und wenn mein Pferd deines erschlägt, mußt du umkommen.“
Da ließen sie ihre Pferde aufeinander los. Wenn das Pferd des Drachen das andere Pferd am Fell zu fassen bekam, flog ein Stück geteerter Hanf ab. Aber wenn Iwans Pferd das Pferd des Drachen faßte, so riß es ihm ein Stück Fell ab. Und so er-schlug Iwans Pferd das Pferd des Drachen. Da sagte der Drache zu Iwan: „Du machst es ge-schickt! Dein Pferd hat mein Pferd getötet, aber du wirst mich nicht erschlagen!
Und Iwan antwortete ihm: „Wenn ich klug ge-nug war, das Pferd zu besiegen, so werde ich auch klug genug sein, um dich zu erschlagen!“
Und sie begannen zu kämpfen. Als Iwan losschlug, flogen drei Köpfe ab. Der Drache aber schlug ihn bis zu den Knien in die Erde hinein. Als Iwan das zweite Mal schlug, waren wieder drei Köpfe ab, doch der Drache schlug ihn bis zum Gürtel in die Erde hinein. Iwan schlug ein drittes Mal und schlug wieder drei Köpfe ab. Dem Drachen wuchsen zwei Köpfe nach, und er schlug Iwan bis zu den Armen in die Erde. Da sagte Iwan, der Soldatensohn, zu ihm: „Ach, du Drache! Wir schlagen uns hier wegen irgendeiner Zaren-tochter. Wenn sich die Zaren und Könige raufen, gewähren sie einander eine Verschnaufpause. Wir beide aber ruhen uns nicht aus. Komm, laß uns wenigstens eine Kelle Wasser trinken!“
Da antwortete der Drache: „Gut, ruhen wir uns aus!“ (Der Drache hoffte, daß ihm die Köpfe nachwachsen würden und er stärker wäre, wenn er das Wasser ausgetrunken hätte.)
Sie ruhten sich also aus. Iwan kam aus der Er-de heraus, und dem Drachen wuchsen zwei Köpfe nach. Iwan schrie der Zarentochter zu: „Ach, du hübsche Zarentochter! Um dich schlagen wir uns, da könntest du uns wenigstens eine Kelle Wasser geben!“
Sie schöpfte eine Kelle Wasser und brachte sie Iwan, dem Soldatensohn. Als Iwan ausgetrunken hatte, sagte der Drache: „Gebt mir auch Wasser!“
Iwan aber antwortete: „Du hast ja nicht nur einen Kopf, sondern fünf. Ehe sie dir fünf Kellen bringt, wird sie müde. Du kommst auch so aus. Laß uns jetzt weiter raufen!“
Da begannen sie wieder zu kämpfen. Iwan schlug los und schlug drei Köpfe ab. Dem Drachen blieben noch zwei, und er schlug Iwan bis zum Gürtel in die Erde hinein. Da sprang das Pferd los und brachte den Drachen zu Fall. Da schlug Iwan ihm alle Köpfe ab. Die Köpfe legte er unter einen Stein, die Zungen auf den Stein, und dann verab-schiedete er sich von der Zarentochter. Er sagte zu ihr: „Du kannst den Wasserträger heiraten. Ich bin schon verheiratet!“
Die Zarentochter begann zu weinen, aber da war nichts zu machen. Sie sagte nur: „Schade, schade!“
Iwan begab sich in sein Gasthaus, der Wasserträger aber nahm sie und führte sie nach Hause. Iwan kam in das Gasthaus und sagte zu dem Wirt: „Gebt mir zwei Portionen zu essen und kommt drei Tage lang nicht zu mir! Achtet aber auf das Pferd!“
„Gut, gut!“
So vergingen einige Tage, er wachte auf und fragte: „Nun, was gibt es Neues bei euch in der Stadt?“
„Bei uns in der Stadt erzählt man, daß der Wasserträger die Tochter des Zaren heiraten und Zar werden wird.“
„Also paßt auf, Herr! An dem Tage, wenn er heiratet, sollt ihr das ganze Gasthaus schmücken! Bestellt Blasmusik, und wer auch immer kommt, bewirtet ihn auf meine Rechnung. Auch die Blas-musik geht auf meine Rechnung, und daß die Mu-sik die ganze Zeit spielt!“
Der Gastwirt wußte ja, daß Iwan den Geldbeutel besaß und alles bezahlen konnte. So bestellte er die Musik. Und die Musik spielte die ganzen Tage, ohne aufzuhören.
Als sie zur Kirche fuhren, ritt Iwan heran, ergriff die Braut, setzte sie zu sich auf das Pferd und brachte sie in das Gasthaus. Alle rangen die Hände und dachten, daß der Drache die Zarentochter mitten in der Stadt ergriffen und sie irgendwohin entführt hätte. Der Bräutigam saß mit einer lan-gen Nase da.
Da ließ der Zar in allen Kirchen eine Totenmesse für seine Tochter lesen, es wurden Trauerfahnen ausgehängt, und alle Gasthäuser und Geschäfte wurden für drei Tage geschlossen. Jede Musik war verboten.
Aber in dem Gasthaus, wo Iwan die Musik bestellt hatte, mußte sie spielen. Da sagte der Zar: „Warum ist in dem Gasthaus Musik, warum wird es nicht geschlossen? Befolgt denn keiner meinen Befehl?!“
Er ordnete an, daß dieses Gasthaus unverzüglich geschlossen werden sollte. Er schickte seine Leute dorthin, und als diese Boten ankamen und erklärten, daß das Gasthaus geschlossen werden soll, sahen sie die Tochter des Zaren hier. Da kam der Zar selbst in das Gasthaus. Sie sagte zu ihrem Vater: „Vater, hier ist mein Befreier, der mich von den Drachen erlöst hat.“
Er aber antwortete: „Ja, jetzt hast du einen anderen gefunden. Dir fällt es leicht zu sagen, daß er dich befreit hat. Warum hast du das damals nicht gesagt?“
Er ließ das Gasthaus schließen und diesen jungen Mann verhaften. Man verhaftete ihn, schlug ihn in Fesseln und brachte ihn zum Zaren zum Verhör. Bei dem Verhör sagte Iwan, der Soldatensohn: „Soll euer ‚Krieger’ doch zeigen, wo die Köpfe des Drachen liegen. Wenn er die Drachen erschlagen hat, wo hat er dann die Köpfe hingetan?“
Der Wasserträger sagte: „Unter einen Stein die einen, unter einen zweiten die anderen, unter den und den Stein die dritten.“ (Er hatte es ja gese-hen.)
„Dann laßt uns zum Meer gehen“, sagte Iwan. „Er soll die Steine hochheben und die Köpfe zeigen!“
Sie kamen dorthin, und der Wasserträger sag-te: „Hier sind die Köpfe des sechsköpfigen Dra-chen, hier die des neunköpfigen und hier die des zwölfköpfigen.“ (Er sah es an den Zungen.)
„Nun, dann hebe die Steine hoch und zeige die Köpfe! Die Zungen kannst du sehen, weil sie auf den Steinen liegen. Aber zeig auch die Köpfe!“
Er ging um den Stein herum, um ihn zu drehen. Aber wie sollte er diesen Stein drehen können! Der Stein ließ sich nicht bewegen. Iwan, der Soldatensohn, war noch in Fesseln geschlagen.
„Ich werde es dir zeigen!“ Er trat an den Stein heran, wo die Köpfe des sechsköpfigen Drachen lagen. Er faßte ihn nicht mit den Händen, sondern hob ihn nur etwas mit dem Fuß an, der Stein rollte ins Meer, und die Fesseln zerrissen und flogen hinterher. Dann hob er alle Steine an und zeigte den Zuschauern die Köpfe. Da sagten alle: „Wirklich, er hat sie befreit und nicht der Wasserträger!“
Den Wasserträger ergriff man wegen dieser Streiche, band ihn an einen Pferdeschwanz und ließ ihn über das weite Feld ziehen.
Iwan, der Soldatensohn, sagte zu den Leuten: „Warum soll man das Pferd unnötig jagen?“ Er packte ihn am Gürtel und warf ihn mitten ins Meer. „Sollen ihn die Fische fressen!“
Mit den Kuchen, die zu der Hochzeit des Wasserträgers gebacken worden waren, wurde nun die Hochzeit von Iwan, dem Soldatensohn, gefeiert.
Er lebte drei, vier Tage mit seiner Frau zusammen, da sagte er zu ihr: „Komm, laß uns spazierengehen, meine Liebe!“
Sie gingen hinaus auf den Balkon. Dort standen sie und unterhielten sich. Iwan sah dort unten einen Hain, der wie ein Friedhof aussah, und fragte seine Frau: „Was ist das für ein Wald?“
Sie antwortete ihm: „Das ist ein Hain. Er heißt bei uns der Marienhain. Wer im Marienhain spazierengeht, kommt nicht wieder heraus. Zwei Regimenter Soldaten hat man hineingeschickt, und sie sind nicht wiedergekommen.“
Er trat vom Balkon und befahl: „Sattelt mir mein Pferd!“
Sie fragte ihn: „Wohin willst du?“
„Ich werde ein bißchen spazierenreiten.“
„Reite aber bitte nicht in den Marienhain!“
Als er aufgesessen war, pfiff er und jagte direkt in den Marienhain. Er wollte gern wissen, was das für ein Hain war. Seine Frau beobachtete ihn und sah, wie er in den Marienhain ritt.
Drinnen im Marienhain erschien ihm eine Füchsin. Er jagte der Füchsin nach. Ihm kam es so vor, als wäre er nur ein Stückchen dahingeritten, aber er war in ein anderes Reich gekommen und konnte die Füchsin nicht einholen.
Er ritt durch Dörfer und über Felsen. Noch immer jagte er der Füchsin nach. Plötzlich stand dort ein Haus. (Auf dem ganzen Weg war er auf kein Haus gestoßen.) Die Füchsin kroch unter dem Tor durch, und das Pferd jagte durch das Tor hindurch. Iwan ließ das Pferd stehen und ging in das Haus hinein. Er öffnete die Türen. Da erblickte er eine Soldatenküche. Hier wurde Essen gekocht. Er fragte: „Wer wohnt hier?“
Niemand antwortete ihm. Alle waren zu Stein geworden. Er öffnete die anderen Türen (er war weitergegangen) und sah eine Soldatennähstube, wo Soldatenkleidung genäht worden war.
Er fragte, aber auch sie waren zu Stein gewor-den. Er sah eine dritte Tür. Er öffnete diese, ohne seine Mütze abzusetzen. Da lief ihm eine alte Frau entgegen (dieselbe, die ihn hierher geführt hatte, die Zauberin). Er fragte: „Wer wohnt hier?“ und setzte die Mütze ab. Sie aber berührte Iwan nun auch mit dem Taschentuch und ließ ihn zu Stein werden. Da stand er nun.
Die Zeit, die Roman mit seinem Bruder verein-bart hatte, war vergangen.
Ich muß jetzt zu dem Weg zurück, wo ich mich von ihm verabschiedet habe, beschloß Roman.
Und so kam er zu dem Weg und verfolgte die Spur Iwans. Sein Pferd trug ihn immer schneller davon. (Das Pferd wußte, daß der Bruder nicht mehr da war.)
Er ritt der Spur nach. Da stand eine Hütte auf Hühnerbeinen (dieselbe!), mit der Tür dem Wald und mit den Wänden dem Weg zugewandt. Er ging zur Tür. Die Hütte drehte sich wieder (sie dreht sich auf dem Hühnerbein, damit niemand hineingehen kann).
Er rief: „Bleib stehen, Hütte, dreh die Wände zum Wald und mir die Tür zu!“
Er öffnete die Tür und ging hinein. Dort saß ein kleiner Mann, der einen Kopf wie ein Bierkessel hatte. Er sagte zu ihm: „Guten Tag, Großväter-chen!“
„Ich danke dir dafür“, sagte der Großvater, „daß du nicht vorbeigeritten bist, sondern zu mir hereingeschaut hast. Jetzt habe ich für dein Pferd zu fressen, und ich habe auch etwas für dich zu trinken und zu essen.“
Sie begannen zu essen. Nachdem das Großväterchen ihn bewirtet hatte, machte sich Roman wieder auf den Weg. Das Großväterchen wußte nicht, daß das der Bruder Iwans gewesen war. (Sie ähnelten einander aufs Haar und hatten die gleiche Stimme.) So gab er ihm keine Geschenke. (Dem anderen hatte er einen Beutel gegeben; so einen Beutel könnten wir gut gebrauchen!) Roman ritt schnell davon.
Er kam in die Stadt, und sein Pferd brachte ihn direkt zu dem Gasthaus, wo Iwan gewohnt hatte. Der Wirt kam herausgelaufen und schrie: „Seid gegrüßt, Eure Hoheit! Ich danke Euch, daß Ihr vorbeigekommen seid. Aber wir haben alle gedacht, daß Ihr nicht mehr lebt!“
Er antwortete: „Wieso sollte ich nicht mehr leben? Ich bin doch hier!“
Er wurde dort bewirtet. Das Gerücht, daß der Zar zurückgekommen und nicht erst nach Hause, sondern ins Gasthaus geritten war, verbreitete sich schnell. Nachdem er bewirtet worden war, setzte er sich aufs Pferd und ritt weiter der Spur nach.
Plötzlich traf er unterwegs ein junges Fräulein (Iwans Frau), das fiel ihm um den Hals: „Ach, mein lieber Freund! Wie lange warst du nicht da, und nun bist du nicht zuerst nach Hause, sondern ins Gasthaus gegangen!“
Roman antwortete: „Das tue ich so aus Gewohnheit.“
Sie kamen zum Palast und gingen hinein. Er befahl, dem Pferd einen Stall zu geben (dort wo des Bruders Pferd gestanden hatte). Das Pferd wurde dorthin gestellt. Die Zarentochter führte ihn ins Zimmer und sagte: „Weil du nicht da warst, war ich auch wenig im Zimmer.“
Dann aßen und tranken sie. Sie gingen ins Zimmer, und sie fiel ihm wieder um den Hals.
„Du“, sagte er, „spiel heute weniger mit mir!“
„Warum denn, mein Lieber?“
„Nun, einfach so“, sagte er.
Da kam schon die Nacht, und sie mußten sich schlafen legen (wie auch wir sündigen Menschen, wie du ja weißt). Er sagte zu ihr: „Weißt du, meine Liebe, mach mir woanders ein Bett zurecht. Ich will allein schlafen.“
„Warum denn das?“ fragte sie.
„Nun, einfach so“, sagte er.
„Aber habe ich etwa deshalb geheiratet, um getrennt zu schlafen?! Ich mache dir kein anderes Bett zurecht! Wir werden uns in eines legen!“
Da sagte er zu ihr: „Dir kann man doch nicht widerstehen, du bist so hübsch und jung“, nahm das Schwert und legte es in die Mitte des Bettes. Dann sagte er: „Ich war in einer solchen Lage, daß ich mir geschworen habe, meine Frau nicht zu berühren, wenn ich nach Hause komme. Dort in der Mitte liegt das Schwert. Wenn du die Hand auf mich legst, bist du die Hand los, und wenn du mit dem Fuß kommst, bist du den Fuß los.“
Sie legten sich hin. Als er eingeschlafen war, warf sie ihr Tuch zu ihm hinüber. Da war die eine
Hälfte bei ihm und die andere Hälfte bei ihr in der Hand. Sie glaubte es nicht, zog das Jäckchen aus und warf es hinüber, und auch der Rock wurde noch durchgehauen. Sie schlief die ganze Nacht nicht und wagte sich nicht umzudrehen, aus Angst, an das Schwert zu kommen. So lagen sie bis zum Morgen.
Am Morgen standen sie auf und tranken Tee. Da sagte sie zu ihm: „Ich hatte gedacht, mein Liebster, daß du in den Marienhain geritten bist und von dort nicht wiederkommen wirst.“
„Nein, aber wo ist denn euer Marienhain?“
„Ich hab’ ihn dir doch vom Balkon aus gezeigt, und du bist direkt hineingeritten. Ich habe dir vom Balkon aus nachgeschaut und gesehen, daß du direkt in den Marienhain geritten bist.“
„Nun, dann zeig mir den Marienhain!“
Sie trat auf den Balkon und zeigte: „Da ist er!“
„Ich werde gleich hineinreiten“, antwortete er.
„Aber warum, mein Liebster? Man hat ein Regiment Soldaten dort hineingeschickt, und die sind nicht zurückgekehrt. Und nun willst du hineinreiten!“
„Was wäre ich denn für ein Recke, wenn ich vor eurem Marienhain Angst hätte? Ich reite augen-blicklich dort hinein.“
Roman setzte sich auf das Pferd und ritt direkt in den Marienhain. Kaum war er dort, da erschien wieder dieselbe Füchsin. Er jagte dieser nach. Die Füchsin lief denselben Weg, auf den sie auch den Bruder gelockt hatte. Er raste direkt in ihr Reich. Da stand ein Haus auf dem Feld, und rundherum
war alles aus Stein. Die Füchsin kroch unter dem Tor durch, und das Pferd sprang mit ihm durch das Tor. Da ging das Pferd an Iwans Pferd heran und begann es zu lecken. Iwans Pferd stand wie ein Stein. Aber man sah, daß es ein Pferd war. Als Romans Pferd an diesen Stein herangetreten war und begonnen hatte, ihn zu beschnuppern und zu belecken, sah Roman, daß das seines Bruders Pferd war. Er ließ das Pferd daneben stehen, trat näher und nahm die Mütze ab.
Er öffnete die erste Tür, wo die Soldaten Mittagbrot kochten, und fragte: „Wer wohnt hier?“
Sie waren alle zu Stein geworden und antworteten ihm nicht.
Er öffnete eine andere Tür. Das war die Soldatennähstube (hier nähte man Kleidung für die Soldaten). Er fragte auch: „Wer wohnt hier?“
Aber sie waren alle zu Stein geworden.
Nun, jetzt will ich auch noch die dritte Tür öffnen. Fragen werde ich nicht mehr. Wen ich sehe, dem reiße ich gleich den Kopf ab!
Er öffnete die dritte Tür und schob seine Mütze vor.
Plötzlich erschien auch ihm die Alte. Er machte schnapp und schlug ihr den Kopf ab, ohne viel zu fragen. Sie hielt ein Taschentuch in den Händen. Roman nahm das Tuch und begann in ihren Taschen zu suchen. Er zog ein anderes Tuch heraus. Als er mit dem Tuch, das die Alte in der Hand hielt, hin und her wedelte, wurde diese zu Stein. Er wedelte mit dem anderen Tuch, das er in der Tasche gefunden hatte, hin und her, und da wurde der Bruder wieder so, wie er vorher gewesen war, und fragte: „Ach, wie lange habe ich denn geschlafen?“
Da hörte man es hinter der Tür rufen: „Hurra! Da ist unser Retter. Er hat das ganze Reich erlöst!“
Er schaute aus dem Fenster, und dort, wo vor-her Felsen gewesen waren, sah man jetzt eine Stadt. Die Leute in der Stadt liefen hin und her, stürzten zu dem Haus und schrien: „Du wirst unser Zar!“ (Das riefen sie Roman zu.)
Und da stieg er auf den Thron. Sein Bruder war auch bei ihm und sagte: „Nun komm, Bruder, jetzt reiten wir zu mir! Ich bin doch auch Zar.“
„Ich weiß“, antwortete Roman. „Laß uns in dein Zarenreich fahren.“
Da gab Roman dem Bruder ein Tuch und sagte: „Sieh einmal, was ich für Tücher habe!“
Sie ritten ein Stück dahin und unterhielten sich über ihr Leben. Da lachte Roman laut und sagte: „Weißt du was, Bruder Iwan?“
„Was denn?“ fragte der andere.
„Ich habe heute nacht mit deiner Frau geschlafen.“
Iwan fürchtete, daß der andere vielleicht etwas angerichtet haben könnte, und dachte: Von diesem Streich wird niemand erfahren, und niemand wird glauben, daß mein Bruder bei mir war und mich befreit hat.
Er nahm das Tuch aus der Tasche und wedelte damit hin und her. Roman wurde mitten auf dem Wege zu Stein. Iwan wollte so schnell wie möglich nach Hause reiten. Wie er aber auch sein Pferd antrieb, der Weg nahm kein Ende. Er bemerkte, daß sein Pferd traurig dahinging. Soviel er es auch antrieb, es rührte sich kaum. Da dachte er: Ach, was war ich für ein Dummkopf! Eine Frau kann ich mir noch suchen, aber einen Bruder finde ich nie mehr. Er hat mich befreit, und ich habe eine solche Gemeinheit begangen. Ich werde zurückreiten und ihn um Verzeihung bitten!
Sowie er sein Pferd umwendete, um zu dem Bruder zurückzukehren, jagte es dahin wie eine Kugel aus dem Gewehr. So geschah es, daß er, obwohl er eine ganze Stunde von dem Bruder weggeritten war, in fünf Minuten wieder bei ihm war. Er schwenkte das andere Tuch und bat den Bruder: „Verzeih mir, Bruder, daß ich das mit dir gemacht habe!“
„Laß nur, es ist schon gut“, sagte der Bruder. „Wenn du nach Hause kommst, wirst du erfahren, wie ich mit ihr geschlafen habe.“
Abends kamen sie zu Hause an (zur selben Zeit, wie wir beide hier sitzen, ungefähr zwischen neun und zehn) und ritten in den herrschaftlichen Hof. Die Posten standen an den Toren auf Wache. Da trat Roman an sie heran und fragte: „Ist euer junger Herr zu Hause?“
„Ja, er war zu Hause“, sagte der Posten. „Vor-vorgestern war er zu Hause. Er war zwölf Tage nicht da, aber vorvorgestern ist er gekommen und wieder fortgeritten.“
„Kann man zu seiner Frau hinein?“
„Das wissen wir nicht, wir können dich nicht durchlassen.“
Da sagte er: „Seht euch um, vielleicht ist euer Herr schon hier? Kennt ihr ihn gut?“
„Wir haben ihn noch nicht gesehen, wir wissen nicht, was das für ein Herr ist.“ (Wo doch jeder Soldat seinen Herrn kennt!)
Roman hörte die Stimme, sie ähnelte seiner und der des Bruders sehr, und er fragte: „Wieviel Jahre dienst du schon, Soldat?“
„Neun Jahre, das zehnte hat angefangen.“
„Woher bist du denn?“
„Von da und da her.“
„Wie heißt denn euer Dorf?“
„Nun, so, dort gibt es ein Pirewitschi und ein Sloboda, sagen wir, aus Pirewitschi.“
„Wen hast du denn zu Hause?“
„Ich weiß nicht, wen ich jetzt zu Hause habe.“
„Was denn“, sagte Roman, „schreibst du keine Briefe?“
„Ach, verzeiht, ich weiß nicht, worauf ich schreiben soll, ich hab’ kein Kapital.“
„Schreibt man euch nicht von zu Hause? – Schreibt man dir von zu Hause?“
„Es ist kaum jemand da, der mir von zu Hause schreiben könnte. Wer sollte denn schreiben?“
„Warum kann niemand schreiben?“
„Es kann niemand schreiben, weil ich gerade vor meiner Soldatenzeit geheiratet habe und nur einen Monat mit meiner Frau gelebt habe. So weiß ich jetzt nicht, ob sie noch lebt oder schon gestor-ben ist. Neun Jahre haben wir uns nicht geschrieben, und sie weiß auch nicht, wo ich bin. Und ich weiß auch gar nicht, was ich ihr schreiben soll. So hab’ ich sie schon vergessen.“ (Das hat er ehrlich gesagt.)
Roman antwortete ihm: „Vergessen soll man nicht.“
Iwan aber stand da und schwieg.
Da ritt Roman zu ihm, nahm ihn am Schlafittchen, setzte ihn zu sich aufs Pferd und sagte: „Du bist unser Vater. Jetzt reiten wir durchs Tor.“
Das Tor war geschlossen. Da sagte Iwan: „Das Tor muß geöffnet werden. Ich werde es gleich öffnen.“ Er stieß dagegen, das Tor flog mitsamt den Pfosten davon, und der Weg war frei.
Sie ritten an die Treppe heran. Dort wußte man schon Bescheid. Die Zarentochter sprang heraus und fiel bald dem einen, bald dem anderen um den Hals. Und der Soldat stand daneben. Dann gingen sie alle in das Zimmer. Sie aber sagte: „Warum bringt ihr den Soldaten hierher?“
Roman antwortete: „Verneig dich vor ihm, küß diesem Soldaten die Hände!“
Iwan schwieg noch immer und machte eine ganz finstere Miene.
Roman sagte weiter: „Dafür, daß du gefragt hast, warum wir den Soldaten hierherbringen, verneig dich bis zu den Füßen vor dem Soldaten und küß ihm die Hand und bitte ihn um Entschuldigung für diese Worte.“
Sie tat das auch, verneigte sich und küßte ihm die Hand.
Roman aber sagte: „Sage: ‚Vater, verzeih mir!’“
„Nun, ich verzeihe dir“, sagte der Soldat.
„So ist es gut“, sagte Roman, „und jetzt laßt uns essen! Wir haben einen weiten Weg hinter uns.“
Iwan aber schwieg noch immer, nur Roman kommandierte.
Da kamen der alte Zar (der Schwiegervater) und die Zarin. Roman sagte: „Nun, erkenne dei-nen Mann, mein Täubchen, sag, welcher von uns ist dein Mann! Ich oder der da?“
„Ich weiß nicht, wer mein Mann ist.“
„Nun, wenn du nicht weißt, wer dein Mann ist, dann erzähle doch, wie du vorvorige Nacht mit deinem Mann geschlafen hast!“
„Ja, wirklich, ich habe in einem Bett mit ihm geschlafen. Aber er hatte mich gebeten, ihm extra ein Bett zurechtzumachen, ich war aber nicht einverstanden, allein zu schlafen, und antwortete ihm: ‚Habe ich etwa deshalb geheiratet, um allein zu schlafen?’ Er aber sagte zu mir: ‚Nun, meine Liebe! Ich war in einer solchen Lage, daß ich mir geschworen habe, nicht mit meiner Frau zu schlafen, wenn ich nach Hause komme.’ Nun, er konnte trotzdem nicht von mir loskommen und, legte sich mit mir in ein Bett. Er nahm aber seinen Sä-bel (oder war es ein Schwert? Ist ja auch egal), tat ihn auf die Mitte und sagte zu mir: ‚Wenn du die Hand auf mich legst, bist du deine Hand los, und wenn du mit dem Fuß kommst, dann bist du auch den Fuß los.’ Als er eingeschlafen war, habe ich einen Versuch gemacht; ich habe das Tuch hinübergeworfen, die eine Hälfte lag bei ihm, die andere Hälfte blieb in meiner Hand. Ich wollte es zuerst nicht glauben, habe mein Jäckchen genommen und hinübergeworfen, und eine Hälfte war bei ihm, die andere bei mir. Da habe ich meinen Rock, in dem ich schlief, ausgezogen und ihn hinübergeworfen, die eine Hälfte hielt ich in der Hand, und die andere Hälfte blieb bei ihm. So konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen und hatte Angst, mich umzudrehen.“
Da warf sich Iwan vor Roman auf die Knie und bat: „Bruder, vergib mir meine Schuld!“
„Bitte den Vater, daß er dir die Schuld vergibt!“
Iwan bat den Vater, ihm zu verzeihen.
„Nun, der da ist dein Mann, der sich vor mir verneigt hat“, sagte Roman dann zur Zarentochter.
Da wurden sie alle lustig. Sie feierten einen Tag lang und ruhten sich dann aus. Inzwischen vergnügten sich die anderen.
Da sagte Roman zu seinem Bruder: „Laß den Vater bei dir wohnen, ich will nach Hause fahren.“
Er sattelte das Pferd und jagte in das Dorf seiner Mutter.
Er kam in das Dorf und trat in die Hütte der Eltern. Darin aber wohnte schon ein anderer armer Mann.
Er fragte: „Wo ist denn die Besitzerin?“
„Die Besitzerin, wo soll sie sein? Sie lebt, und sie lebt besser als die Gutsherrin. Sie wohnt in einem eigenen Zimmer. Man gibt ihr zu essen und zu trinken, was sie will. Geld hat sie auch genug. Sie ist sogar schon einige Male hierhergekommen, und wenn sie kommt, dann gibt sie immer fünf oder sechs Rubel (diesem armen Mann). Wir alle beten darum für sie zu Gott.“
„Hast du etwa keine Hütte?“
„Nein, junger Mann. Ich hatte eine, aber die ist abgebrannt. Da hat mir der Gutsherr, unser Herr, diese Hütte gegeben.“
„Was denn, gehört sie denn dem Gutsherrn?“
„Ja, was er befiehlt, muß getan werden“, antwortete der arme Mann.
„Na gut, ich werde dem Dickbäuchigen befehlen, daß er dir ein neues Haus hier baut mit drei Zimmern.“
„Wird er denn auf Euch hören?“ fragte der Arme den jungen Mann.
„Weißt du denn nicht, wer ich bin?“
„Nein, das weiß ich nicht.“
„Wie war es denn damals? Wer hat in dieser Hütte gewohnt?“
„Ja, hier wohnte eine Soldatenfrau. Sie hieß so und so, und ihre Söhne waren Recken und befah-len dem Gutsherrn, ihre Mutter zu versorgen.“
„Erkennst du mich denn nicht, weißt du noch nicht, wer ich bin?“
„Ich kann dich nicht mehr erkennen. Ihr wart doch damals noch klein, obwohl euch der Guts-herr Keulen zu fünfundzwanzig Pud hatte machen lassen und ihr ihnen nachgeritten seid. Aber ich erkenne Euch wirklich nicht, weiß nicht, wer Ihr wirklich seid, Ihr seid ein Mann. Die Recken sind doch erst zehn Jahre alt geworden.“
„Nun, einer von ihnen bin ich. Morgen werde ich dem Dickbäuchigen befehlen, eine Versammlung einzuberufen, und du kommst auch dorthin. Jetzt reite ich zum Gut.“
Er setzte sich aufs Pferd und ritt davon.
Er kam zum Gut und fragte, wo der und der sei (er nannte den Namen). Da sagten ihm die Hof-diener, wo der Herr war. Er eilte zu dem Zimmer. Das Pferd ließ er an der Treppe zurück, er selbst ging ins Zimmer. Der Herr sah, daß jemand ge-kommen war, so ein Junger, Hübscher, und so ging er zu ihm und fragte: „Was wollen Sie von mir, junger Mann?“
„Ich bin zu der und der Frau gekommen, und ich möchte sie sehen!“
„Sie wohnt dort hinter der Tür. (Der Gutsherr hatte schon alles erraten, weißt du!) Sie können hineingehen.“
Er kam zur Mutter. Die Mutter erkannte ihn am Gesicht. Sie wußte nur nicht, welcher von beiden er war. Da fragte sie: „Bist du Roman oder Iwan, mein Söhnchen?“
„Roman, Mütterchen.“
„Aber wo ist Iwan?“
„Iwan ist Zar geworden. Er ist schon den zweiten Monat verheiratet. In dem und dem Lande ist er Zar, und ich bin auch in dem und dem Lande auf den Thron gekommen. Ich bin hergekommen, um dich zu holen. Unser Vater, dein Mann, wohnt jetzt bei Iwan.“
Die alte Frau (wie alt sie war!) freute sich. Der Gutsherr stand an der Tür und horchte.
„So, Mütterchen, jetzt ist alles in Ordnung. Wie hat dich denn der dickbäuchige Teufel verpflegt? Gut?“
„Gut, gut, Söhnchen. Ich danke dem Herrn.“
„Warum, zum Teufel, bedankst du dich bei ihm? Man müßte ihm die Augen ausstechen! Sieh mal, einen Reichen hat er nicht zu den Soldaten gege-ben, aber ein armer Mann mußte dafür gehen. Na gut, verzeihen wir ihm das, diesem Teufel; das nächste Mal wird er daran denken. Jetzt habe ich keine Lust, mir die Hände schmutzig zu machen und ihn zu verprügeln. Er wird auch so bald verrecken. (Er war nämlich schon alt.) Ich will jetzt gehen und sagen, daß man mein Pferd in den Pferdestall bringen soll.“
Der Gutsherr lief von der Tür fort.
Da kam Roman herein. „Du dickbäuchiger Teufel, befiehl, daß mein Pferd in den Pferdestall ge-bracht wird.“
„Wollen Sie vielleicht essen, junger Mann?“
„Ja, das wäre nicht schlecht.“
Der Gutsherr rief, und man brachte zu essen. Dazu gab es Bier, Kognak, Wein, kurz gesagt, al-les. Roman sagte: „Nun, dickbäuchiger Teufel (anders hat er ihn nicht genannt), sage Bescheid, daß der Dorfschulze morgen eine Versammlung machen soll. Alle müssen dorthin kommen, keiner darf fehlen. Sag, daß du kämst und auch Roman, der Soldatensohn.“
Der. arme Mann hatte aber schon längst den anderen Bauern erzählt, daß der und der gekom-men war.
Der Gutsbesitzer befahl, schnell das Pferd zu satteln, und ritt selbst ins Dorf. Er befahl dem Dorfschulzen: „Mach morgen gegen neun eine Versammlung, und daß niemand fehlt! Ich komme und Roman kommt.“
Dann begab er sich wieder zum Gut. Als er ankam, meldete er Roman, daß alles in Ordnung ge-hen würde.
„Dann hör zu, dickbäuchiger Teufel: Schicke ein Faß mit vierzig Eimern Wein zum Dorf, schlachte drei Kühe und bringe sie zusammen mit zwei großen Kesseln hin, daß sie darin gebraten werden können. Dann gib auch drei Pud Grütze und laß in der Nacht sieben Pud Brot backen.“ (Fleisch war ja genug da.)
Der dickbäuchige Teufel versicherte, daß alles getan würde; und so hatten er und seine Diener keine Zeit zum Schlafen.
Am Morgen gegen neun Uhr spannte der Gutsbesitzer drei Pferde an, und sie fuhren ins Dorf. Die Frauen waren schon alle versammelt.
Roman sagte: „Laßt uns erst ein Glas trinken, und dann macht Feuer an, setzt die Kessel auf und wählt ein paar Leute, die das Essen zubereiten sollen!“
Die Bauern freuten sich über diese Gelegenheit zum Feiern. Sie tranken und lobten Roman und dankten ihm: „So, Roman, du Pfundskerl, jetzt trinken wir zum dritten Mal auf deine Gesundheit!“
„Na, dann Prost!“
Dann rief Roman den Gutsbesitzer: „So, nun bekommst du deine letzte Aufgabe, du dickbäuchiger Teufel. Dort, wo der arme Mann wohnt, wird ein neues Haus gebaut, mit drei Zimmern, einer Küche und einem Hof. Gib dem Mann eine Kuh und ein Pferd, laß ihn nicht bei dir dienen (nicht beim Gutsherrn arbeiten) und laß ihn so leben wie du, Adliger!“ (Gutsbesitzer waren früher Adlige.)
Die Bauern tranken aus und bedankten sich bei Roman. Er dankte den Bauern. „Laßt’s euch gut gehen! Ich fahre jetzt weg.“
Dann machte er sich mit der Mutter auf den Weg. Zu dem Gutsbesitzer hatte er noch gesagt: „Tu, was ich dir gesagt habe, du dickbäuchiger Teufel! Und daß ja alles für diesen Mann gemacht wird! Wenn es in einem Jahr nicht ausgeführt ist, werde ich dir die Augen auskratzen!“
„Ich mache es schon, ich mache es schon, Soldatensohn!“
Roman kam wieder in das Reich, wo sein Vater und sein Bruder waren, und sie blieben hier zu Besuch. Dann nahm Roman den Vater und die Mutter, fuhr mit ihnen in sein Reich und herrschte dort. Die armen Leute kränkte er nicht. Ich bin auch da vorbeigekommen. Dort lebt es sich sehr gut. So, wie bei uns jetzt.
Nun, und damit ist das Märchen zu Ende.

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