Die sechs Fische

Am Ufer eines Meeres stand auf einem hohen Hügel eine moosbewachsene Hütte mit kleinen Fenstern und zerbrochenen Türen. In dieser Hütte lebte ein alter Mann mit seiner Frau. Die Frau war schon uralt, über hundert Jahre alt. Ihre Haare waren grau, und ihr Gesicht war ganz faltig. Sie war blaß und buckelig. Ihr Mann war etwas flinker, aber Kraft hatte er auch nur noch sehr wenig. Das ganze Leben hatte der Alte beim Fischfang zugebracht. Jeden Morgen, wenn es hell wurde, nahm er seine Angel und ging zum blauen Meer. Seine Frau wartete auf ihn am Fenster.
Einmal ging der Alte wieder fischen, und kaum hatte er die Angel ins Wasser geworfen, da fühlte er, daß etwas Schweres daran hing. Er zog die Angel heraus und sah, daß sechs große Fische an-gebissen hatten. Da freute sich der Alte sehr. Auf einmal aber standen schöne Zarentöchter mit seidenem Haar und Kronen auf den Köpfen vor ihm. Sie verneigten sich tief vor dem Alten, und eine von ihnen sagte: „Liebes Väterchen! Du hast uns erlöst. Der Wasserkönig hat uns hierhergebracht. Wir wollen deine Töchter sein.“
„Aber ich kann euch doch nicht in meine Hütte bringen!“
„Das macht nichts“, sagten sie, „genier dich nicht! Wenn du in die Nähe deiner Hütte kommst, wirst du auf der Erde einen Zauberstab finden. Wenn du ihn nach rechts bewegst, wird ein Za-renpalast vor dir stehen, und wenn du ihn nach links bewegst, wird sich sein goldenes Tor öffnen.“
Der Alte hörte diese Worte und schaute sich um. Aber da waren die Zarentöchter verschwunden.
Er nahm seine Angel und ging nach Hause. Da sah er auf dem Waldweg einen Zauberstab liegen. Er hob ihn auf und bewegte ihn nach rechts. Da entstand vor ihm ein Zarenpalast, der so schön war, daß man es sich nicht ausdenken und nicht beschreiben, sondern nur im Märchen erzählen kann. Er schwenkte den Zauberstab nach links, und vor ihm öffnete sich das goldene Tor. Da wunderte sich der Alte über das Reich, das sich vor ihm auftat. Er konnte es einfach nicht fassen, daß er so leben sollte. Er trat in den Zarenpalast ein und sah dort seine Alte ganz in Gold gekleidet sitzen. Da staunte der Alte aber. „Nun, Alte, jetzt sind wir Zaren.“
So wurde der Alte Zar, und die Alte wurde Za-rin. Jene Zarentöchter aber, die der Alte erlöst hatte, heirateten Zarensöhne und kamen oft zu dem Alten und seiner Frau zu Besuch. Lange lebte der Alte noch mit seiner Frau, sie tranken Wein und waren glücklich.

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