Der unsterbliche Schmied

Es war einmal ein Schmied, der lebte zu der Zeit, als Christus mit den Aposteln über die Erde ging und die Menschen zur Religion bekehrte.
Christus kam auch zu dem Schmied und bat um ein Nachtlager. Er wollte sich vor dem Sturm schützen. Dann bat er auch um Abendbrot. Der Schmied freute sich sehr über diese Gäste. Trotz des Gewitters ging er Branntwein und Heringe holen und sagte zu seiner Frau, sie solle Kartoffeln kochen. All das sah der heilige Petrus und sagte: „Wohin gehst du denn? Dich wird noch der Blitz erschlagen!“
Da antwortete der Schmied: „Was bist du für ein Dummkopf! In meiner Hütte ist doch der Herr Jesus, wie kann mich der Blitz erschlagen?“
Der Schmied ging und brachte den Branntwein. Sie aßen Abendbrot und legten sich schlafen.
Am anderen Morgen, als sie aufgestanden waren, bedankte sich der heilige Petrus bei dem Schmied und sagte zu ihm: „Herr Jesus wird dir für das Nachtlager alles geben, was du haben möchtest.“ Er schlug ihm vor, bei Christus um die Erlösung von den Sünden und den Einzug ins Paradies zu bitten.
Da antwortete der Schmied: „Was bist du doch für ein Dummkopf, und das als Heiliger! Wozu brauche ich denn die Erlösung? Ich will doch noch leben. Ich wünsche mir ein Spiel Karten, mit dem ich immer gewinne, und einen Stuhl, den keiner, der darauf sitzt, ohne meine Erlaubnis verlassen kann. Dann wünsche ich mir noch einen Apfelbaum mit goldenen Äpfeln, den man ohne meine Erlaubnis nicht mehr loslassen kann, wenn man ihn berührt hat.“
Der Herr Jesus erfüllte ihm alle drei Wünsche. Der Schmied lebte noch lange und wurde alt. Da kam der Tod, um ihn zu holen. Der Schmied bat den Tod, sich auf den Stuhl zu setzen. „Es ist noch Zeit genug, um mich zu holen. Laß uns erst ein wenig Karten spielen!“
Sie vereinbarten: Wer verliert, bekommt eine Ohrfeige. Dann setzten sie sich hin und spielten. Der Tod verlor immer und bekam Ohrfeigen. Weg-laufen konnte er aber nicht, denn er konnte nicht von dem Stuhl aufstehen.
Da kamen die Teufel geflogen, um die Seele des Schmiedes zu holen. Der Schmied lud sie ein und sagte: „Geht in den Garten und pflückt euch jeder einen goldenen Apfel, es ist noch Zeit ge-nug!“
Die Teufel flogen zu dem Apfelbaum, und als sie die Äpfel berührten, konnten sie nicht mehr fortgehen.
So hielt der Schmied den Tod und die Teufel zwei Jahre bei sich fest. Die Kranken und Alten starben nicht mehr, und auch die im Krieg Verwundeten konnten nicht sterben. Da bat der Tod den Schmied, ihn und die Teufel freizulassen, und sie vereinbarten, daß die Seele des Schmiedes nicht in das Fegefeuer käme.
Dann ließ der Schmied sie frei.
Er lebte noch zwanzig Jahre und war schon steinalt. Da hatte er das Leben satt, nahm einen Sack und einen Schmiedehammer und ging den Tod suchen. Er ging und ging und kam zu einem Tor. Auf dem eisernen Tor erblickte er in feurigen Lettern die Aufschrift: „Fegefeuer“. Da stürzten sich allerlei Ungeheuer und Tiere auf den Schmied und wollten ihn nicht an das Tor heranlassen. Er ging aber doch hin. Da verschloß man vor ihm das Tor, und er begann mit dem Hammer daran zu schlagen. Er schlug und schlug, aber es war vergeblich. Die Teufel ließen ihn nicht herein, denn sie fürchteten, daß er das ganze Fegefeuer aus-einanderjagen würde.
So kehrte der Schmied zurück und ging einen anderen Weg entlang. Er ging und ging und kam ins Paradies. Dort war ein schönes Tor, ganz aus Glas, und es trug in goldenen Lettern die Auf-schrift: „Paradies“. Aber als sie im Himmel sahen, daß der Schmied kam, verschlossen sie das Tor. Da begann er mit seinem Schmiedehammer an die Pforte zu schlagen, aber das Tor klirrte nur. Dem heiligen Petrus, dem Paradiespförtner, wurde der Lärm zu bunt, und er öffnete ihm die Pforte. Als der Schmied ihn erblickte, sagte er: „Als du mit dem Herrn Jesus bei mir warst, tat es mir nicht leid um Kartoffeln und Branntwein, ich habe euch bewirtet, aber du läßt mich noch nicht einmal auf die Schwelle.“
Da schämte sich der heilige Petrus, er öffnete ihm das Tor und ließ den Schmied in den Himmel hinein.
Und seitdem sind der Herr Jesus, die Mutter Gottes, der heilige Petrus und der Schmied die einzigen Bewohner des Paradieses.

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