Der Teufel und der Mond

Es geschah zu der Zeit, als die Welt erschaffen
wurde. Gott hatte Himmel und Erde geschaffen
und die helle Sonne aufgestellt, damit sie am Tag
leuchtet und die Erde, die Tiere und die Pflanzen
wärmt. Sie beleuchtete, wärmte und erfreute alle
Lebewesen. Der Teufel hatte sich vor der Sonne
unter der Erde im Fegefeuer verkrochen und lugte
vorsichtig hervor.
Schließlich wurde die Sonne müde und ging unter,
um sich ein wenig ausruhen. Da wurde es auf
der Erde dunkel, so dunkel, daß man sich ein Auge
hätte ausstechen können.
Als der Teufel sah, daß es auf der Erde dunkel
geworden war, kroch er aus dem Fegefeuer und
riß alles nieder, was Gott geschaffen hatte.
Er ging durch den Wald, stürzte die Bäume um,
scharrte vor Wut mit den Füßen in der Erde, grub
Löcher und schüttete Berge auf. Wasser lief in die
Gruben, es entstanden Vertiefungen, Schluchten
und ein Morast, den niemand überqueren konnte.
Da fand er in einem Baum etwas Klebriges. Die
Bienen hatten Honig für die Menschen und Wachs
zum Ruhme Gottes gesammelt. Da spuckte er in
den Baum, und es kamen Hornissen und Wespen
heraus. Sie stachen ihn und schwirrten vor seinen
Augen herum. Er ergriff eine Handvoll Zweige,
streifte die Blätter ab und schlug um sich, um die
Hornissen und Wespen loszuwerden. Er schlug sie
mit der Rute in kleine Stücke, da entstanden aus
ihnen Schnaken, Mücken und allerlei Ungeziefer.
Die stachen den Teufel, daß ihm das Fell schwoll.
Er wehrte sich, so gut es ging, sprang auf ein Feld
und warf mit Sand um sich. Als der Sand auf die
Erde fiel, wuchs allerlei Unkraut darauf. So übersäte
er die ganze Erde mit diesem widerlichen
Zeug, konnte aber das Ungeziefer nicht loswerden.
Da versteckte er sich schließlich im Wasser
und schuf sich dort einen Unterschlupf. Das Ungeziefer
flog ihm nach, flog über dem Wasser hin
und her, konnte ihn aber nicht erreichen.
So besudelte der Teufel das Wasser, bis die
Menschen ihn verjagten.
Als Gott sah, was der garstige Kerl angerichtet
hatte, tat es ihm leid, daß er nur eine Sonne geschaffen
hatte, die nicht immer am Himmel stehen
konnte. Er schuf den Mond zu ihrer Unterstützung,
er sollte in der Nacht scheinen.
Als der Teufel dies sah, dachte er: Wart nur, ich
werde ihn abnagen und vom Himmel herunterholen!
Der Teufel flog zum Mond, kämpfte mit ihm
und nagte ihn mit den Zähnen an. Er nagte und
nagte, bis nur noch ein kleines Stück übrigblieb.
Der Mond sah, daß er mit dem Teufel nicht allein
fertig würde, und ging immer näher zur Sonne
hin, damit sie ihn vor dem Teufel schütze. Als der
Teufel das letzte Stück auffressen wollte, war der
Mond bei der Sonne angelangt. Der Teufel, der
das Sonnenlicht nicht vertrug, lief davon. Dann
blies die Sonne den Mond an, erwärmte ihn mit
ihrem Licht, er erholte sich allmählich, wuchs wieder
und ging auf seinen Platz zurück, um in der
Nacht zu scheinen.
Daher kommt es, daß der Mond immer zwei
Wochen lang wächst und Kraft schöpft und zwei
Wochen lang mit dem Teufel kämpft.

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