Der Schmied

In einem Zarenreich war einmal eine große Hungersnot, und es fehlte an Nahrung sowohl für das Vieh, als auch für die Menschen. Die Menschen aßen dasselbe, was die Tiere fraßen. Da starben die Menschen vor Hunger wie im Herbst die Fliegen. Aber die einen sterben und die anderen werden geboren, und je größer der Hunger ist, um so mehr Kinder werden geboren. Da befahl der Zar, die kleinen Kinder zu töten, damit sich die Menschen nicht vermehren. Und die Diener des Zaren kamen und erschlugen die Kinder oder ersäuften sie im Fluß wie junge Hunde. Da weinten die Mütter, rangen die Hände, rauften sich die Haare und grämten sich zu Tode. Natürlich tun den Müttern die Kinder immer leid. Aber die Diener des Zaren hatten kein Erbarmen. Sie erschlugen die Kinder und vergossen Engelsblut.
Da lebte in diesem Zarenreich eine Frau. Sie war schon schwanger, als man ihren Mann zu den Soldaten holte. Als sie merkte, daß sie bald niederkommen mußte, hatte sie Angst, daß die Diener des Zaren auch ihr Kind umbringen würden. Was sollte sie machen? Wo sollte sie ihr Kind verstecken, wenn es geboren war? Sie überlegte und überlegte, bis ihr etwas einfiel. Sie nahm eine Windel, legte sie in einen Sack aus Lindenbast, warf den Sack über die Schulte und ging in den Wald.
Der Wald ist groß – er hat keinen Anfang und kein Ende. Hier kann man eine ganze Ewigkeit leben, und es findet einen doch niemand. Durch diesen Wald ging die junge Frau, sie ging immer weiter und sammelte Beeren, um den Durst zu löschen. Da kam sie in ein Dickicht, in dem wohl noch keine Menschenseele gewesen war. Sie suchte sich einen hohen Baum aus, kratzte das morsche Holz heraus und machte sich so ein Obdach zurecht. In der Nähe war eine Quelle, deren Wasser so rein wie eine Träne war. In dem hohlen Baum lebte nun die junge Frau. Sie trank Wasser aus der Quelle und aß Beeren und Pilze. Sie holte sich einen kleinen Vorrat an Pilzen und Beeren, sammelte Nüsse und allerlei Wurzelwerk und wartete, bis ihre Zeit kam. Da saß sie nun in dem hohlen Baum und nähte sich ein Hemd. Inzwischen ging aber der ganze Vorrat an Pilzen und Beeren zu Ende, und sie hatte nichts mehr zu essen. Da stieg sie aus dem Baum, nahm ein Säckchen auf den Rücken und ging Pilze suchen. Sie ging und ging und stieß auf eine Bärenhöhle. Die Bärin war weggegangen, um etwas zu fressen zu suchen. Da war inzwischen ein Geier über die Bärenjungen hergefallen und hackte sie mit dem Schnabel. Die junge Frau sah das, ihr taten die Bärenjungen leid, und sie ergriff einen Ast und schlug so auf den Geier ein, daß dieser tot liegen-blieb. Inzwischen war die Bärenmutter zurückgekommen. Sie sah, daß die Frau die Bärenkinder gerettet hatte, und dankte ihr. Sie fiel ihr zu Füßen, leckte sie und weinte dabei so, daß ihr die Tränen nur so aus den Augen flossen. Da ging die junge Frau wieder in ihr Versteck zurück, und die Bärenmutter folgte ihr. Als sie gesehen hatte, wo-hin die Frau gegangen war, kehrte sie wieder zu ihren Bärenkindern zurück.
Die junge Frau saß in dem Baum, las Pilze aus und sang Lieder. Einmal sah sie auf und erblickte die Bärenmutter, die aus den Büschen zu dem hohlen Baum kam. Da erschrak die junge Frau so sehr, daß ihr der Leib brummte, und sie wußte nicht, was sie tun sollte. Inzwischen aber war die Bärenmutter zu dem hohlen Baum gekommen, streckte der jungen Frau auf einer Rinde frische Honigscheiben entgegen, legte sie hin und lief davon. Das sah die junge Frau und erriet, daß ihr die Bärenmutter aus Dankbarkeit ein Geschenk gemacht hatte.
So lebte nun die junge Frau in dem hohlen Baum und trauerte nicht, denn die Bärenmutter brachte ihr jeden Tag Honig. Dann begann sie, ihr Vogeleier und andere Nahrung zu bringen.
Es kam die Zeit, und die junge Frau gebar einen schönen Knaben. Sie sah ihn an und erblickte auf seiner Stirn eine Sonne und auf seinem Rücken einen Mond. Da band die junge Frau ihrem Sohn ein Tuch um den Kopf und nahm es weder bei Tage noch bei Nacht ab. Der Junge aber wuchs wie Hefeteig. Jeden Tag wurde er einen Zoll größer. – In einem Sommer war er so groß wie seine Mutter.
Inzwischen brachte ihnen die Bärin immer wieder Nahrung und machte schließlich eine Höhle für sich und ihre Jungen bei diesem hohlen Baum zurecht. Der Junge spielte mit den Bärenkindern, setzte sich auf ihren Rücken und ritt wie auf einem Pferd. Im Herbst waren die Bärenkinder so groß wie ihre Mutter und suchten sich selbst Nahrung. Dann ritt der Junge auf der Bärin, das gefiel ihm sehr. Einmal setzte er seine Mutter auf die Bärin, sprang selbst hinauf, und heidi ging es durch den Wald.
So verbrachten sie den Sommer. Der Herbst kam, und es begann kalt zu werden. Da beschloß die junge Frau, in ihr Dorf zurückzukehren. Sie nahm ihre Sachen, legte sie in Bastkörbe und zog mit ihrem Sohn nach Hause. Die Bären folgten ihnen und wichen ihnen nicht einen Schritt von der Seite. Einem kleinen Bären wurden die Sachen umgehängt, die junge Frau setzte sich auf die Bärin, der Junge auf einen anderen kleinen Bären, und so ging es los. Sie kamen aus dem Wald heraus auf ein Feld und näherten sich dem Dorfe. Als die Menschen die Bären sahen, erschraken sie und liefen davon. Alle liefen aus dem Dorf, wohin die Augen schauten. Die junge Frau kam zu ihrer Hütte, aber die war leer. Da stiegen Mutter und Sohn von den Bären, nahmen den Korb mit und begannen sich in der Hütte umzusehen. Inzwischen aber hatten die Bären Landluft gerochen und waren aus Angst in den Wald zurückgelaufen. Da kamen die Leute zusammen und konnten sich nicht genug darüber wundern, daß die junge Frau zurückgekommen war und einen so hübschen Jungen mitgebracht hatte.
So lebte nun die junge Frau mit ihrem Sohn in der Hütte und besorgte die Wirtschaft. Der Junge hämmerte in der Schmiede und wurde ein guter Schmied. Das sprach sich herum und kam auch den Dienern des Zaren zu Ohren. Inzwischen aber hatte Gott eine gute Ernte werden lassen, und man hatte aufgehört, die Kinder zu töten. Die Zarendiener aber sagten, daß der Schmied umgebracht werden müsse, da er zu einer Zeit geboren wurde, als befohlen war, die Kinder zu töten, und daß sich die Mutter schuldig gemacht hat, weil sie ihren Sohn versteckt und aufgezogen habe. Sie beratschlagten und beratschlagten und beschlossen, den Schmied zu töten. Das hörte die Mutter, und sie weinte, rang die Hände, raufte sich die Haare, grämte sich und schrie, daß es das ganze Dorf hörte. Der Schmied aber tat, als sei nichts geschehen, sang Lieder, lachte und unterhielt sei-ne Mutter.
Da hörte er, daß die Diener des Zaren schon mit dem Heer kamen, um ihn umzubringen. Er schmiedete sich eine Keule von zehn Pud1, warf sie in die Höhe und hielt das Knie hin. Die Keule schlug ihm gegen das Knie und krümmte sich zu einem Bogen. Da nahm er noch mehr Eisen, schmiedete eine Keule von vierzig Pud, warf sie in die Höhe, hielt das Knie hin und wartete, was geschehen würde. Er wartete und wartete, aber die Keule kam nicht zurück. Sie flog immer weiter in die Höhe. Er wartete vom Morgen bis zum Mittag. Da hörte er, wie es in der Luft heulte und wie ein Donner rollte, und die Keule kam zurück. Die Sonne ging bereits hinter dem Walde unter, als die Keule angeflogen kam und ihm gegen das Knie schlug. Der Schmied sah, daß nur der Griff etwas verbogen war. Da nahm er die Keule, steckte sie sich an den Gürtel und ging, sich ein gutes Pferd zu suchen, um in die Welt zu reiten.
Er suchte und suchte, aber wenn er ein Pferd fand und ihm die Hand auf den Rücken legte, dann fiel es auf die Knie, weil es seine Hand nicht aushalten konnte. Was sollte er da tun? Der Schmied wollte doch nicht zu Fuß in die Welt hinausziehen, aber er konnte kein Pferd finden. Da sah er einen zerlumpten Händler auf einer räudigen Stute reiten. Er ging zu ihr und legte ihr seine Hand auf den Rücken. Die Stute stand und rührte sich nicht. Da legte der Schmied ihr seine Keule auf den Rücken. Die räudige Stute aber stand und wackelte nur etwas mit den Ohren. Da bat der Schmied den Händler, ihm die Stute zu verkaufen. Der Händler nahm hundert Rubel dafür. So viel Geld hatte er in seinem ganzen Leben noch nicht gehabt, und er machte sich hüpfend davon.
Der Schmied setzte sich auf die Stute, band seine Keule an den Sattel, verabschiedete sich von seiner Mutter und ritt den Dienern des Zaren und dem Heer entgegen. So ritt er die Straße ent-lang, und vor ihm hatte sich das Heer auf der ganzen Straße breitgemacht. „Zur Seite, zur Seite!“ schrien die Soldaten. Er aber sagte: „Ihr seid doch keine großen Herren. Macht selber Platz!“ Da stürzten sie sich auf den Schmied. Er aber ergriff einen am Schopf, und wie er ihn so um sich her-umschleuderte, da fiel das Heer um. Die anderen erschraken und rissen aus. Der Schmied aber ritt immer weiter.
Er ritt und ritt und kam zu einem hohen Berg. Da ging es nicht weiter. Er stieg von der Stute, ließ sie weiden und legte sich selbst hin, um auszuruhen. Die Keule legte er sich unter den Kopf. So schlief der Schmied und hörte nicht, daß die Stute von zwölf Wölfen angefallen wurde. Sie hat-ten sie von allen Seiten umringt und stürzten sich auf sie. Die Stute wieherte und rief den Schmied zu Hilfe. Der wachte auf, ergriff die Keule, stürzte sich auf die Wölfe und erschlug sie alle. Die Keule aber war durch den Schwung in den Felsen gefahren. Dieser erbebte und fuhr auseinander. Der Schmied setzte sich auf die Stute und ritt in den Spalt hinein, der in der Mitte des Berges entstanden war. Er ritt hinein, aber dort war es so dunkel, daß man die Hand nicht mehr vor den Augen sehen konnte und über alles stolpern mußte. Da band sich der Schmied das Tuch am Kopf auf, die Sonne erglänzte, und es wurde so hell, daß man Nadeln hätte aufsammeln können.
So ritt er weiter, bis er auf einmal ein Feuer vor sich erblickte. Er ritt näher heran und sah, daß dort ein Diamant strahlte. Da lag ein Stück Diamant, so groß wie eine Melone, und strahlte wie Feuer. Der Schmied nahm den Diamanten und ritt weiter. Aber bald kam er zu einer steinernen Mauer, da ging es nicht weiter. Er nahm die Keule, holte zum Schlag aus und schlug so derb zu, daß die Mauer zertrümmert wurde und auseinanderfiel. Da erblickte er Paläste, solche Paläste, daß einem vom Hinschauen schwindlig wurde. Der Schmied stieg vom Pferd, ließ es weiden und ging, sich die Paläste anzusehen. Er ging von einem Zimmer zum anderen, und sie hatten weder Zahl noch Ende. Wohin er auch immer sah – überall waren Paläste, überall kam ein Zimmer hinter dem anderen, wie ein Zug Gänse. Wenn man durch die Türen hindurchsah, so sah man immer nur Türen, Türen und Türen. Und sie wurden immer kleiner, bis sie die Größe einer Faust hatten oder noch kleiner erschienen. Aber weiter konnte das Auge nichts erfassen. Da gab es breite Zim-mer, andere waren lang und eng, und dann waren da runde Zimmer und so große, daß die Wände nicht zu sehen waren. Die einen hatten glatte Wände aus Kiesel, und bei den anderen waren die Wände wie Nebel und Frühlingswolken, als ob durch sie der Mond hindurchschiene. Es gab auch Zimmer, die überhaupt keine Wände hatten; dort standen nur dicke Säulen wie in einem Fichten-hain, wo die Fichten mit ihren Wipfeln zum Him-mel streben und sich mit dem lieben Gott unterhalten. Aber welch ein Wunder: Es gab keine Fenster, die Sonne war nicht zu sehen, und doch war es so hell, daß man hätte Nadeln aufsammeln können. Der Schmied ging durch die Zimmer, stampfte dabei mit der Keule auf und schaute mal hierhin, mal dorthin. So ging er ein wenig und hatte sich plötzlich verirrt. Er stand da und wußte nicht, woher er gekommen war und wohin er ge-hen sollte. Trauer überfiel ihn in den leeren Palä-sten. Er stand an einer Säule und überlegte. Aber ihr wißt doch: Je mehr ein Mensch denkt, um so mehr Dummheiten macht er, und um so mehr verwirrt er sich – wie eine Fliege im Spinnengewebe.
So stand der Schmied da und wußte nicht, was er machen sollte. Da kam auf einmal eine Maus gelaufen. Sie war aus ihrem Loch herausgekrochen – schnupperte ein bißchen, blinzelte mit ih-ren scharfen Augen und wollte Futter für ihre Kleinen suchen. Als sie den Schmied erblickte, staunte sie, setzte sich auf die Hinterpfötchen und saß so mit gespitzten Ohren da. Das sah der Schmied, lächelte über das dumme Mäuschen und trat ihm auf den Schwanz. Die Maus sprang auf, wollte hierhin und dorthin, aber der Schmied hielt den Schwanz fest. Da bat sie den Schmied, sie doch loszulassen, und versprach, ihm zu helfen, wenn er in Not wäre. Der Schmied lächelte spöttisch. Wie könnte eine Maus ihm, dem Recken, denn in der Not helfen? Aber trotzdem hob er den Fuß und ließ die Maus frei.
Sie lief in ihr Mauseloch, und der Schmied ging weiter. Er war gerade in das nächste Zimmer gekommen, als er hörte, wie seine Stute wieherte und um Hilfe rief. Da lief er los, immer der Stimme nach. Er lief und lief, aber er konnte nicht aus den Palästen hinausfinden. Denn in großen Häusern bekommt man – wie ihr wißt – nicht heraus, woher eine Stimme ruft. Er verirrte sich noch mehr und lief immer im Kreis. Die Stute aber wieherte und wieherte und wurde plötzlich still. Viel-leicht war sie von den Wölfen zerrissen worden. Was war da zu tun? Die Stute tat ihm leid, aber aus den Palästen war nicht hinauszukommen. Da ergriff der Schmied die Keule und begann, gegen die Wände zu schlagen. Als er so die Keule schwang, da stürzten die steinernen Wände und Säulen zusammen wie der Flachs in einer Flachsbreche. So bahnte sich der Schmied einen Weg, bis er aus den Palästen heraus war. Da machte er sich auf die Suche nach der Stute, aber er konnte sie nirgends finden. Wie er so stand und sich am Kopf kratzte, kam auf einmal die Maus gelaufen. Sie wackelte mit ihrem Schwänzchen und sagte: „Folge mir, ich werde dir deine Stute zeigen. Aber sie ist von den Wölfen zerrissen worden, sie ha-ben ihr die Därme herausgezogen.“
Der Schmied folgte der Maus, und sie gingen ungefähr zwei Werst. Dort lagen von der Stute des Schmieds nur noch die Überreste; im Bauch hatte eine Spinne ihr Netz ausgebreitet und wartete darauf, daß eine Biene oder eine Fliege angeflogen käme. Dem Schmied tat es leid um die Stute, so leid, daß er fast geweint hätte.
Da saß er nun bei seiner Stute und sah, daß ihr die Ameisen schon die Augen ausgefressen hatten. Auf einmal kam eine Gottesbiene angeflogen, suchte in den Blumen nach Honig und verfing sich im Spinnennetz. Die Biene wand sich und summ-te, strampelte mit den Beinen, schlug die Flügel und verfing sich immer mehr im Spinngewebe. Das sah die Spinne, stürzte sich auf die Biene und wollte sie auffressen. Da brüllte die Biene, daß der Wald erzitterte. Das hörte der Schmied. Er vergaß seinen Kummer und lief, die Gottesbiene zu retten. Er ergriff die Spinne mit beiden Händen am Schwanz und schleuderte sie um sich herum. Er schleuderte sie und schleuderte sie, und als er sie mit dem Kopf an eine Eiche schlug, sprang ihr das Gehirn aus dem Kopf. Da streckte sich die Spinne und strampelte nur noch mit den Beinen. Sie strampelte und strampelte, bis sie sich eine Grube gegraben hatte und verendete. Inzwischen hatte der Schmied das Spinngewebe zerrissen und die Biene befreit. Die Biene dankte ihm und sagte: „Dafür, daß du mich aus der Not gerettet hast, will ich dir eine Quelle mit Lebenswasser zeigen.“ Der Schmied erhob sich und ging der Biene nach, sie aber flog voraus und summte. Unterdessen war das Mäuschen in die Tasche des Schmiedes gekrochen und blieb dort sitzen, wie in seinem Mauseloch. Die Biene aber brachte den Schmied zu einem hohen Berg. Als er hochschaute, fiel ihm die Mütze vom Kopf, er wollte auf den Berg steigen, aber es war nichts da, woran er sich festhalten konnte. Da nahm ihn die Biene auf die Schul-ter und flog mit ihm auf den Berg. Der Schmied hielt sich mit beiden Händen an der Biene fest, saß und stöhnte vor Angst und Schreck, denn so hoch war er noch nie gewesen.
So brachte die Biene den Schmied auf den hohen Berg hinauf, setzte ihn ab und zeigte ihm die Quelle. Da sah der Schmied, wie das Lebenswasser unter einem Stein aus dem Berg hervorschoß, wie aus einer Rohrpfeife. Er schöpfte Wasser in ein flaches Tongefäß, trank sich satt und ließ das Mäuschen trinken. Die Biene nahm sie wieder auf ihre Schulter und flog zurück. Kaum hatten sie sich in die Luft erhoben, da tobte ein solcher Sturm los, daß Eichen samt Wurzeln herausgerissen, Felsen umgeworfen und sogar die Berge erschüttert wurden. Dieser Sturm ergriff die Biene zusammen mit dem Schmied und dem Mäuschen, ergriff sie, wirbelte sie herum, drehte sie und jagte fort, weiß der Teufel wohin. So trug sie der Sturm und jagte sie; aber dem Schmied schien es, als säße er auf einer Stelle und alles andere würde dahinjagen und -fliegen, daß einem schwindlig werden konnte. Es drehten sich die hohen Berge, die tiefen Meere, die dunklen Wälder, die saftigen Wiesen, die schmutzigen Sümpfe, die bunten Felder und die Hütten auf Hühnerbeinen. Nur die Sonne stand hell am Himmel – wie unbeweglich. Da wurde auch sie traurig und blutigrot, und ihre klaren Augen begannen zu weinen und heiße Tränen zu vergießen. Und die Tränen flossen wie aus einem Eimer. Gottes Tag war nicht zu sehen, und der Regen drückte die Biene mit dem Schmied und dem Mäuschen zur Erde nieder. Und so fielen sie zur Erde hinunter wie ein Stein. Sie flogen schon ganz niedrig, und der Schmied dachte, gleich würden sie so auf die Erde krachen, daß das Mark aus ihren Knochen herausfließt. Da breitete die Biene die Flügel aus, hielt an, begann zu summen und jagte mit dem Schmied und dem Mäuschen dem Wind entgegen. In einem fremden Land, in einem fernen Zaren-reich ließ sie sich nieder, setzte den Schmied und das Mäuschen ab und sagte: „Wenn es nötig ist, dann ruft mich. Jetzt aber werde ich wegfliegen, Honig sammeln und in die Waben bringen.“
Nach diesen Worten flog sie schnell davon. Der Schmied ging immer der Nase nach mit dem Mäuschen. Er ging, schaute sich das unbekannte Land an und die Leute, die ihm entgegen kamen. Wie ihr wißt, sind ja die Menschen auf der ganzen Welt gleich. Überall leben sie, trauern sie, arbeiten sie, haben sie ihre Sorgen und ihre Mühen. Die einen werden geboren, andere sterben. Denn wenn die Menschen nicht sterben würden, gäbe es bald so viele, daß es die Erde nicht mehr aushalten würde. Jeder Mensch will Kinder haben, will, daß sie ihn ernähren, wenn er alt ist, ihm die Augen schließen, wenn er stirbt, für ihn beten und seiner gedenken.
In diesem Lande wohnte ein Zar. Der hatte ei-nen kühnen und schönen Sohn und eine sehr hübsche Tochter. Der Zar wollte dem Sohn sein Reich vererben, und für die Tochter suchte er einen schönen und tapferen Bräutigam. Nur gab es in diesem Zarenreich nicht einen einzigen Burschen, der der Zarentochter gefallen hätte. Da begannen die Freier aus fremden Zarenreichen zu ihr zu kommen und um sie zu werben. Aber die Zarentochter konnte und konnte sich nicht entschließen. Einmal ging sie im Garten spazieren. Sie pflückte Blumen, sang und wand sich einen Kranz. Als sie den Kranz gewunden hatte, setzte sie ihn auf und wollte in den Palast gehen. Plötzlich kam die Hexe Baba-Jaga-Knochenbein auf ei-nem Mörser dahergeritten, ruderte mit einem Stampfer und verwischte mit einem Wedel die Spuren. Sie ritt an die Zarentochter heran, packte sie in den Mörser und eilte mit ihr fort, niemand wußte, wohin.
Das erzählten die Leute dem Schmied, und sie sagten, daß der Zar Recken und Helden zusam-mengerufen habe. Demjenigen, der die Zaren-tochter zurückbringe, wolle er sie zur Frau geben und ihn zum Herrscher über das ganze Reich machen. Da zogen die Helden und Recken durch die ganze Welt, und es wurde nichts mehr von ihnen gehört. Nun versammelte der Zarensohn zwölf Burschen, zwölf der besten Helden um sich und zog mit ihnen in die Welt hinaus, um die Schwester, die schöne Zarentochter, zu suchen. Lange Zeit hörte man nichts von ihr, aber dann kam ein Bursche mit einer bösen Nachricht. Er erzählte, daß die Hexe Baba-Jaga die Zarentochter zum Unsterblichen Kaschtschej gebracht habe. Dieser habe sie eingesperrt und hielt sie hinter zwölf Schlössern in seinem steinernen Palast gefangen. Dorthin eilte der Zarensohn mit seinen Recken.
Der Unsterbliche Kaschtschej aber hauchte sie nur an, und alle zwölf wurden zu Stein. Nur einer von ihnen, der hinter der Ecke gestanden hatte, wurde gerettet. Das hörte der Zar, und er weinte vor Kummer. Aber er wußte nicht, was er tun sollte.
Der Schmied hörte davon und wollte die Zarentochter finden und befreien. Er konnte weder essen noch trinken und fand keinen Schlaf. So lag er da, hatte die Keule unter den Kopf gelegt, lag und dachte immerzu nach. Er dachte und dachte und beschloß, zum Zaren zu gehen. Aber er wußte nicht, was er ihm sagen sollte. Ihr wißt ja, als Schmied hatte er noch nie einen Zaren oder etwas Ähnliches gesehen. So lag er da, als auf einmal das Mäuschen gelaufen kam und ihn mit dem Schwänzchen unter der Nase kitzelte.
„Geh weg! Warum störst du mich?“ sagte der Schmied und nahm es in die Hand. Da steckte das Mäuschen sein Schnäuzchen aus der Hand und begann zu sprechen.
„Fürchte dich nicht vor dem Zaren“, sagte es, „er ist genauso ein Mensch wie du. Fürchte dich nicht, nur nimm mich mit! Ich werde dir alles vorsagen, denn ich weiß, wo die Zarentochter ist. Du weißt doch, daß es für mich keine verschlossenen Türen gibt. Ich komme überall durch. Die Zarentochter ist in den Palästen, wo du mir auf den Schwanz getreten hast. Der Unsterbliche Kaschtschej hat sie eingesperrt und bewacht sie, damit sie niemand befreien kann.“
Da freute sich der Schmied, steckte das Mäuschen in die Rocktasche und ging zum Zaren.
Nach einer Weile brachte man ihn zum Zaren in den Palast. Der Schmied erschrak, als er den Zaren erblickte, und geriet so in Verwirrung, daß er nicht mehr wußte, warum er überhaupt gekom-men war. Da flüsterte ihm das Mäuschen in der Rocktasche etwas zu und zwickte ihn, damit er wieder zu sich käme. Der Schmied horchte aufmerksam auf das, was ihm das Mäuschen sagte, und begann furchtlos mit dem Zaren wie mit seinem Bruder zu sprechen.
Der Zar hörte ihn an und befahl, daß er sich das beste Pferd auswählen könne. Der Schmied bedankte sich und ging in den Reitstall, um sich ein Pferd auszusuchen. Aber er konnte keins finden, denn sowie er ihm die Hand auf den Rücken legte, ging jedes Pferd in die Knie. Das sagte man dem Zaren. Da befahl dieser, dem Schmied sein eigenes Pferd zu geben. Das Mäuschen aber flüsterte ihm zu, daß er um das Pferd bitten solle, auf dem die Zarentochter geritten war. Da bat der Schmied um dieses Pferd. Der Zar hörte das und überlegte ein wenig, denn es tat ihm sehr leid um das Pferd der Zarentochter. Aber schließlich befahl er doch, dem Schmied das Pferd zu geben.
Der Schmied setzte sich auf das Pferd, band die Keule an den Sattel, steckte das Mäuschen in die Rocktasche und ritt in die Welt. So ritt er nun munter dahin. Da kam die Nacht, ringsum war dunkler Wald, und ein Ende war nicht abzusehen. Es wurde so dunkel, daß man nicht die Hand vor Augen sah. Er konnte unmöglich weiterreiten. Da stieg der Schmied vom Pferd, band es an einer Eiche fest, brach Äste ab, zündete ein Lagerfeuer an und legte sich zur Ruhe. Er legte sich nieder und schlief ein wie ein Stein.
Der Schmied schlief und hörte nicht, was das Mäuschen mit dem Pferd sprach. Das Mäuschen aber sagte dem Pferd, wo die Zarentochter ist, und schickte es mit einer Nachricht zu ihr. Das Pferd freute sich, denn es wollte die Zarentochter gern wiedersehen. Aber es konnte sich nicht losreißen, denn der Schmied hatte es fest angebunden.
Da kletterte das Mäuschen auf die Eiche und nagte den Zügel durch. Das Pferd jagte los und lief so schnell, daß es auch kein Vogel hätte einholen können. Es kam zu dem Berg, wo die Paläste des Unsterblichen Kaschtschej waren, und begann mit den Hufen zu stampfen. Es trat gegen den Felsen, daß dieser erzitterte, als ob ihn ein Fieber schüttelte. Aber der Berg stand fest. Als das Pferd sah, daß nichts zu machen war und daß es den Felsen nicht zertrümmern konnte, da lief es los, um einen Spalt zu suchen. – Wie ihr wißt, findet sich in allem ein Riß oder irgendein Fehler. Man muß nur gut suchen. Das Pferd lief von einer anderen Seite an den Berg und fand den Spalt, den der Schmied gemacht hatte, als er mit seiner Keule dagegengeschlagen hatte. In diese Spalte lief es hinein und eilte zu den Palästen, wobei es lärmte wie der Donner.
Das hörte der Unsterbliche Kaschtschej, setzte sich mit der Hexe Baba-Jaga auf den Mörser und kam ihm entgegen. Da sprang das Pferd auf sie los und trat sie mit den Hufen, wo es nur konnte. Als der Unsterbliche Kaschtschej sah, daß das kein Scherz war, ergriff er den Stampfer und schlug dem Pferd so auf den Schädel, daß es seinen Geist aufgab. Das Pferd wälzte sich, stram-pelte mit den Beinen und streckte alle viere von sich. Der Unsterbliche Kaschtschej fletschte mit den Zähnen und ritt mit der Hexe Baba-Jaga los, um nach seinen Palästen zu sehen. Sie ritten und ritten und sahen auf einmal, daß jemand die Paläste geöffnet und einen Spalt in den Berg geschlagen hatte. Den machte der Unsterbliche Kascht-schej gleich zu. Er brach erst Steine und schleppte sie dann dorthin.
Während er diese Arbeit verrichtete, ließ der liebe Gott Tag werden. Da wachte der Schmied auf und sah, daß sein Pferd nicht mehr da war. Das Mäuschen aber schwieg mit zusammengebis-senen Zähnen und sagte nichts, da es fürchtete, daß der Schmied es vor Wut töten könnte. Der Schmied aber war sehr traurig, steckte das Mäu-schen in die Rocktasche und ging zu Fuß. – Aber wie ihr wißt, geht man in einem dunklen Wald nur immer im Morast, geht und geht und dreht sich doch auf einer Stelle. Der Schmied verirrte sich, setzte sich auf einen umgestürzten Baum und dachte an das, was geschehen war. Da fiel ihm die Biene ein, und er rief sie sofort zu Hilfe. Die Biene hörte das, kam herbeigeflogen und brachte den Schmied und das Mäuschen zu der Stelle, wo die Überreste der Stute des Schmiedes lagen. Sie erhob sich weit über den Wald, trug die beiden über große Sümpfe und hohe Berge bis hinter das blaue Meer und ließ sich bei dem Berge im Walde nieder. Da sah der Schmied die Überreste seiner Stute und begann vor Kummer zu weinen. Er holte die Schale mit dem Lebenswasser aus der Tasche und bespritzte die Knochen. Kaum hatte er sie bespritzt, da begannen das Fleisch und die Haut zu wachsen, und die Stute wuchs wieder empor, wie sie war. Da spritzte er noch einmal und noch ein zweites Mal, und die Stute wieherte und sprang auf die Beine. Der Schmied dankte der Biene, setzte sich auf die Stute und ritt, wohin das Mäuschen zeigte.
Da kam er wieder zu dem Berg, fand den Spalt und begann an dem Felsen hinaufzuklettern. Die Stute stolperte, denn der Unsterbliche Kascht-schej hatte Steine hingeworfen und den Weg versperrt. Da ergriff der Schmied die Keule und bahnte sich einen Weg. Wenn er zuschlug, erzitterten die Berge. Das hörte der Unsterbliche Kaschtschej, spürte, daß ihm Unheil drohte, und kam ihm entgegengeritten.
Sie stießen aufeinander und begannen sich zu schlagen. Sie schlugen sich und schlugen sich so, daß die Berge zusammenfielen und die Paläste einstürzten, aber keiner konnte den anderen be-siegen. Als der Unsterbliche Kaschtschej sah, daß der Schmied den Mörser zerschlagen und den Stampfer zerbrochen hatte und die Hexe Baba-Jaga fast mit der Keule getötet hätte, wußte er, daß er ihn nicht besiegen konnte, und lief davon, wobei er die Hexe Baba-Jaga mit beiden Händen umfaßte.
Wie der Schmied den Unsterblichen Kaschtschej flüchten sah, lief er ihm nicht nach, sondern ritt in die Paläste, um die Zarentochter zu suchen. Er ritt und ritt, und das Mäuschen zeigte ihm den Weg. Da sah er sein Pferd liegen, das alle viere von sich gestreckt hatte. Er stieg von der Stute, holte die Schale mit dem Lebenswasser aus der Tasche und bespritzte das Pferd damit. Da wurde das Pferd wieder lebendig, sprang auf die Beine und wieherte vor Freude. Das hörte der Unsterbliche Kaschtschej, und als er sah, daß der Schmied dorthin ritt, wo die Zarentochter hinter sieben Schlössern eingesperrt war, machte er eine solche Finsternis in den Palästen, daß man nicht die Hand vor Augen sehen konnte. Der Schmied band das Tuch am Kopfe auf, und die Sonne begann zu scheinen, es wurde so hell, daß man Nadeln hätte aufneh-men können; dann ritt er weiter.
Aber als er zu den Palästen kam, in denen die Zarentochter versteckt war, waren dort schon alle Türen verschlossen und mit Steinen verschüttet. Da stieg der Schmied von der Stute und begann die Steine abzuräumen. Als er ein paar Steine fortgeräumt hatte, sah er, daß die Türen aus Eisen und ganz, ganz dick waren und jede sieben Schlösser hatte. Was war da zu machen? Er über-legte und überlegte und schickte das Mäuschen aus, um auszukundschaften, wo sich die Zarentochter aufhält. Das Mäuschen lief los. Wie ihr wißt, findet es überall einen Ritz und schlüpft dort hindurch. Nach kurzer Zeit kehrte das Mäuschen ganz traurig wieder zurück und sagte, daß die Hexe Baba-Jaga die Zarentochter habe einfrieren lassen. Als der Schmied das hörte, wurde er ganz zornig, nahm seine Keule und schlug mit ihr gegen die Wand. Als er ein-, zweimal geschlagen hatte, fiel die Wand wie morsches Holz zusam-men. Der Schmied stürzte hinein und sah den Za-rensohn dort liegen. Die Hexe Baba-Jaga hatte ihn in einen Stein verwandelt. Der Zarensohn lag da, als ob er lebte, und neben ihm lagen elf seiner Recken, als wären sie aus Stein gemacht. Der Schmied sah sie an, befühlte diese versteinerten Menschen und ging zur Zarentochter.
Er ging in die Eispaläste. Dort war alles aus Eis, vielleicht war es auch nur in Eis verwandelt worden. Da standen Eisbäume, die mit Reif bedeckt waren wie bei großem Frost. Unter den Bäumen stand ein Eisbett mit einem Vorhang, der aus Reif geflochten war. Auf diesem Bett lag die Zaren-tochter, ganz durchsichtig wie aus Eis, und war mit Reif bedeckt. Der Schmied trat heran, und wie er die Zarentochter so ansah, da konnte er die Augen nicht von ihr abwenden, so schön war sie, und so sehr gefiel sie ihm. Er stand unbeweglich auf einem Fleck, und die Sonne auf seiner Stirn wärmte die Zarentochter, so daß sie allmählich zu tauen begann. Erst wurde das Eis weiß und dann rot. Nach einiger Zeit lag die Zarentochter wie lebendig da. Nur atmete sie nicht. Da holte der Schmied das Gefäß mit dem Lebenswasser aus der Tasche und besprengte sie damit. Sie fuhr zu-sammen, öffnete die Augen und erhob sich.
Inzwischen war das Eis in allen Palästen getaut. Da zog sich die Zarentochter an, setzte sich auf ihr Pferd und ritt dorthin, wo der Zarensohn lag.
Als die Zarentochter ihren Bruder erblickte, begann sie zu weinen und sich zu grämen. Da überlegte der Schmied und überlegte, was hier zu tun sei. Aber ihm wollte nichts einfallen. So stand er da und mußte zusehen, wie sich die Zarentochter grämte. Inzwischen aber wurde alles von der Sonne auf seiner Stirn erwärmt. Da begann der Stein weich zu werden, und der Zarensohn und alle seine Recken wurden wieder zu Menschen. Als der Schmied das sah, holte er das Gefäß mit dem Lebenswasser aus der Tasche, und wie er sie da-mit bespritzt hatte, kamen sie wieder zu sich und wurden lebendig. Da gab es viel Freude und viele Tränen.
Nun machten sie sich alle auf den Weg. Das Mäuschen schlüpfte wieder beim Schmied in die Rocktasche und blieb dort sitzen. Sie verließen die Paläste und ritten in den Wald. Sie ritten und ritten dahin, aber der Wald war so groß, daß er kein Ende zu haben schien. Da hörten sie, daß der Unsterbliche Kaschtschej hinter ihnen herjagte. Durch die Erschütterung kam ein Sturm auf, der ganze Wald erzitterte und bog sich zur Erde. Da trat ihm der Schmied entgegen. Der Unsterbliche Kaschtschej stürzte sich auf ihn, doch ehe er ihn fassen konnte, schlug der Schmied mit der Keule zu. Vom ersten Schlag platzte dem Unsterblichen Kaschtschej der Kopf und brach in zwei Teile auseinander.
So schlugen sich Kaschtschej und der Schmied, und überall, wohin sie traten, entstanden Abgründe und Seen, die noch bis zum heutigen Tag im Walde zu sehen sind. Aber da kam ihm der Schmied ganz nahe, knickte ihn zusammen, trat ihm auf die Kehle und hob die Keule, um ihm den Kopf zu zerschmettern. Als Kaschtschej sah, daß sein Ende gekommen war, da bettelte er um sein Leben und versprach, daß er niemand mehr an-rühren und nur noch im Sumpf leben werde.
Der Schmied ließ ihn laufen und ritt schnell zum Zaren, um ihn mit der Nachricht zu erfreuen, daß Sohn und Tochter gefunden wurden. Als sie ange-kommen waren, befahl der Zar, im ganzen Reich ein Fest zu feiern, gab dem Schmied seine Toch-ter zur Frau und machte ihn zum Oberbefehlshaber. Und so lebte der Schmied glücklich und in Wohlstand mit der Zarentochter zusammen. Das Mäuschen aber blieb auch weiterhin bei ihm in der Rocktasche. Wenn der Schmied Gutes tat, dann saß es still da, aber wenn er Böses tat, dann kratzte es ihn in der Rocktasche so sehr, daß es sogar das Herz mit seinen spitzen Krallen traf. Der Schmied lebte lange und tat viel Gutes in diesem Zarenreich. Noch jetzt erinnern sich die Leute an ihn. Sie sagen, der Schmied habe bis zu seinem Tode selbst geschmiedet und andere gelehrt, das Eisen zu schmieden. Er sagte immer, daß beim Schmied die Hände bis zum Ellenbogen im Gold steckten. Von der Zeit an begannen die Leute Eisen zu schmieden und sich alles zu machen, was sie brauchten. Aber so gut es dem Schmied auch mit seiner jungen Frau in jenem Zarenreiche ging, wie man ihn auch achtete, seine Heimat konnte er trotzdem nicht vergessen.
Einmal wurde es ihm so wehmütig ums Herz, daß er nicht mehr weiterleben konnte. Er lief traurig umher, als wäre er unter der Erde. Da fragte ihn seine Frau, warum er denn so traurig sei. Er sagte, daß er seine liebe Mutter besuchen möchte, daß er sein Heimatdorf wenigstens noch einmal sehen möchte. Da machte sich der Schmied auf die große Reise, nahm seine liebe Frau mit sich und fuhr los. Sie fuhren lange durch die Welt und kamen schließlich in das Dorf, wo die Mutter wohnte. Alt war sie geworden, bucklig und spindeldürr; sie weinte immer um den Sohn und wollte ihn gern noch einmal vor dem Tode sehen. Da kam der Schmied, fand die Mutter in der alten Hütte, fiel ihr um den Hals, umarmte und küßte sie. Die Mutter freute sich, begann zu weinen und konnte vor Freude kein Wort herausbringen. Nun blieb der Schmied lange Zeit zu Besuch, zeigte den Nachbarn, wie man Eisen schmiedet, und lehrte sie Gutes tun. Dann nahm er die Mutter und fuhr in das fremde Land zurück, in das Zarenreich, wo alle Leute arbeiten und von der Arbeit leben, wo einer dem anderen hilft und es deshalb auch keinen Kummer gibt. Vielleicht stimmt es, daß es ein solches Land und solche vernünftigen und guten Leute gibt. Vielleicht aber wird es sie erst später einmal geben. Wir werden es sehen oder hören, wenn wir noch am Leben sind!

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