Der Schmied und der Teufel

Wenn ein Schmied an den Frischfeuern arbeitete, sich vierzehn Stunden lang abgeschunden und am Feuer gestanden hatte und ganz mit schwarzem Ruß beschmiert war, sah er wirklich dem Teufel ähnlich.
Nun, und was wollte ein Schmied danach an-fangen, wohin konnte man gehen außer ins Wirts-haus? Und wer trank schon nicht? Damals trank jeder.
Kam der Schmied ins Wirtshaus, betrank er sich auf Kredit und fing an zu krakeelen.
Dann packte ihn der Wirt am Kragen und setzte ihn auf die Straße:
„Geh, dreckiger Teufel!“ Und er kreidete ihm einen halben Rubel zuviel an.
Der Schmied ging nach Hause. Elend war ihm zumute, und er zog, wie es ihm gerade einfiel, über die Aufseher, den Fabrikherrn, das Wirts-haus, alle Teufel, nun, mit einem Wort: über alle her, die ihm das Blut aus den Adern sogen.
Es hat viele „Geschichtchen“ über dieses Leben gegeben. Erzählen durfte man sie ja nicht: woll-te’s das Unglück, dann hörte es irgendein Schwei-nehund und hinterbrachte es dem Aufseher. Dann konnte man sehen, wie man die Sache wieder in Ordnung brachte. An eine erinnre ich mich vielleicht noch so eini-germaßen, habe nur dieses oder jenes Wort ver-gessen.
Einmal hatten sie einen Schmied aus dem Wirtshaus geworfen. „Geh, Teufel, Leuteschreck!“
Der Schmied ging die Straße entlang, geht und denkt bei sich: „Der Teufel bin ich zwar nicht, wä-re aber mit größtem Vergnügen bereit, der Teufel zu sein und in der Hölle zu leben. Soll doch der Teufel mal an meiner Stelle leben und erfahren, wie es uns geht.“
Der Teufel aber ist bekanntlich der Teufel. Du sprichst von ihm, und er ist gleich zur Stelle. Er hörte, wie der Schmied den Teufel im Munde führ-te, und denkt: „Warte, mein Freund, du kennst anscheinend mein Leben nicht; ich werde dich mal in die Hölle führen, du wirst daran denken!“
Der Teufel kommt zum Schmied und sagt:
„Sei gegrüßt, Schmied, ich habe dich schon lange mal besuchen wollen!“
„Wer bist du denn?“ fragt der Schmied.
Der Teufel ringelte seinen Schwanz, zwinkerte mit dem Auge und sagt:
„Erkennst mich nicht, was? Du wolltest doch mit mir tauschen. Ich bin der Teufel in eigener Person.“
Auf den Schmied machte das keinen Eindruck – der Teufel, dann eben der Teufel. Der Schmied liebte es nicht, lange Reden zu halten, und sagt:
„Los, tauschen wir: ich gehe zu dir, das heißt in die Hölle, und du zu mir – an die Frischfeuer. Bei dir ist’s besser!“
Der Teufel sagt:.
„Du warst noch nicht in der Hölle, hast den Tod noch nicht kennengelernt, deswegen sprichst du so.“
Mit einem Wort, der Teufel beharrte auf seinem Standpunkt, der Schmied auf seinem.
Da wurde der Teufel böse auf den Schmied we-gen seiner Querköpfigkeit und zerrte ihn in die Hölle: ihm die Gefolterten und die Sünder zu zei-gen, die in den Pechkesseln sieden.
Sie kamen in die Hölle, und der Teufel führte den Schmied durch die Feuerhölle, zeigt ihm alles und denkt, daß der Schmied sich entsetzt und umkehrt; der Schmied aber bleibt völlig gelassen und fühlt sich wie zu Hause. „Für manchen die Hölle, für mich ein Paradies“, sagt er. Sie gingen und gingen, und der Teufel fragt den Schmied:
„Nun, wie ist’s… schrecklich? Siehst du die Sün-der, wie sie leben – in Pechkesseln sieden?“
Da wurde der Schmied böse und sagt zum Teu-fel:
„Mach’s mit deiner Mutter“, das heißt mit der Teufelsmutter, „und erzähle mir keine Märchen. Komm mit, ich will dir eine Hölle zeigen. Etwas Reelles, während wir hier nur die Zeit vergeuden, und es kommt nichts heraus dabei.“
Der Schmied schleppte den Teufel zu den Frischfeuern. Sie kommen also hin. Gehen durch die Herdhalle, in der ist aber schwarze Nacht vor Staub und Ruß: hundert Frischfeuer brennen; vierhundert Hämmer dröhnen. Die Arbeiter gehen umher, haben Gesichter, wie nicht anders zu er-warten – keine Haut auf dem Gesicht.
Der Schmied geht voran, der Teufel hinterher. Da begannen sie gerade, die Frischstücke einzu-bringen und dem Meister auf der Schaufel zu rei-chen. Die Funken sprühten aus den Augen, der Teufel kriegt schon keine Luft mehr.
Da geschieht vollends ein Unglück: der Fabrik-herr hatte den Schmied gesehen und schrie:
„Was spazierst du untätig herum, du Teufel, ich werde dir die Fresse einschlagen!“
Der Teufel erschrak und fragt den Schmied:
„Was macht der hier, he?“
„Die Fressen will er allen einschlagen, und dir wird er sie auch einschlagen“, sagte der Schmied und wollte dabei einen Blick auf den Teufel wer-fen. Kaum hatte er über die Schulter geschielt, da machte der Teufel schon kehrt, um zu verschwin-den.
Da sagt der Schmied zum Teufel:
„Wohin willst du, Teufel, das ist noch nicht alles – du solltest dir wenigstens einmal ansehen, wie’s der Fabrikherr uns heimzahlen wird. Lerne“, sagt er, „wie man mit den Sündern in der Hölle umge-hen muß!“
„Nein“, sagt der Teufel, schlug mit seinem Schwanz einen Kreis und war nicht mehr zu se-hen.
Der Schmied aber dachte noch lange daran, wie er den Teufel zu den Frischherden geführt hatte, und schwor sich, mit Teufeln kein Wort mehr zu wechseln.

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