Der Pfaffe als Teufel

Es war einmal ein Gutsherr. Immer, wenn ein Bauer zu ihm kam und sagte: „Ach, welch ein Unglück, gnädiger Herr!“, dann dachte der Gutsherr: Wenn mir nur jemand so ein Unglück verschaffte, ich würde ihm alles dafür geben!
Einmal beschloß der Gutsherr, im Wald spazierenzugehen. 9Plötzlich sah er am Wege einen Förster stehen und fragte ihn: „Hast du das Unglück nicht gesehen?“
Der Förster überlegte und sagte: „Es ist eben auf die Kiefer dort gestiegen.“
Da sagte der Gutsherr: „Zeig es mir schnell, und sag mir, wie man es fangen kann!“
„Ziehen Sie alle Ihre Kleider aus, klettern Sie ohne Hemd auf den Baum und fangen Sie es!“
Da zog sich der Gutsherr nackt aus und stieg auf den Baum. Der Förster aber nahm die Kleidung des Gutsherrn und ging weg. Als der Gutsherr auf die Kiefer gestiegen war, fand er dort ein Eichhörnchen. (Der Förster hatte ihm nämlich gesagt, daß dies das Unglück sei.) Er kletterte und kletterte, das Eichhörnchen aber sprang auf einen anderen Baum und lief davon. Als der Gutsherr wieder auf die Erde heruntergeklettert war, war kein Förster und keine Kleidung da. Da dachte er bei sich: Das ist wirklich ein Unglück!
Nicht weit entfernt war der Hof eines anderen Gutsherrn. Der nackte Gutsherr blieb bis zum Abend im Walde sitzen und beschloß dann, zu diesem Hof zu gehen. Zuerst schämte er sich, denn er war ja nackt. Aber die Not zwang ihn.
Er lief schnell in die Küche, dort war jedoch niemand. Er versteckte sich hinter dem Ofen, aber dort stand schon der Pfaffe. Der Pfaffe war zum Abendbrot zur Gutsherrin gekommen, und sie hatte ihn hinter dem Ofen versteckt. Der Nackte fragte ihn: „Wer bist du?“
„Ich bin der Pfaffe. Und wer bist du?“
„Ich bin der Nackte.“
„Hier hast du mein Hemd, scher dich fort!“
Der Nackte nahm das Hemd, blieb aber stehen und sagte: „Ich halte es nicht aus, ich muß zu singen anfangen.“
Da sagte der Pfaffe: „Um Gottes Willen, singe nur nicht! Hier hast du meinen Rock, meine Stiefel und meinen Hut. Mein Pferd steht angeschirrt hin-ter dem Gehöft. Fahre damit weg!“
Er nahm das Pferd, fuhr an der Treppe vor und trat ins Zimmer. Der Gutsherr, der in diesem Hause wohnte, hielt ihn für einen Pfaffen, gab ihm Tee und Brot und sagte: „Ich weiß nicht, warum mein Getreide nicht recht geraten will.“
Da sagte der andere: „Wissen Sie was? Sie haben einen Teufel hinter dem Ofen stehen. Solange der dort ist, wird bei Ihnen nie etwas gedeihen.“
Da bat ihn der Gutsherr, den Teufel zu verjagen.
„Gut, ich kann ihn verjagen, aber dazu müssen wir heißes Wasser zurechtmachen.“
Sie machten einen Topf Wasser heiß, er stellte sich einen Weihwasserwedel her und ging auf den Ofen zu. Der Gutsherr folgte ihm.
Die Gutsherrin aber ging nicht mit.
Er besprengte den Ofen mit heißem Wasser. Da zerschlug der Pfaffe, der nackt dahinter stand, die Fensterscheibe und sprang hinaus.
Der Gutsherr sagte zu dem „Pfaffen“: „Ach, das war wahrhaftig der Teufel!“
Dann bedankte er sich bei dem „Pfaffen“, weil er den Teufel verjagt hatte, und der andere Gutsherr fuhr nach Hause.

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