Der Musikant Klimjata und die Teufel

Oft sind die Menschen hinter fremdem Gut und großem Reichtum her, aber wenn sie sterben, dann bleibt doch alles hier. Sie können nichts mit sich in jene Welt nehmen, sondern beladen ihre Seelen nur mit Sünden.
So war einmal ein Mann sehr gierig auf fremdes Gut und hatte unzählige Reichtümer angesammelt. Da starb er. Man legte ihn in einen Sarg und stellte ihn in die Kirche. Als die Leute am anderen Tag kamen, um ihn zu begraben, da sahen sie, daß er aus dem Sarg in die Erde gesunken war. Die Erde hatte die Last seiner Sünden nicht aus-gehalten. Nur ein Loch war in der Erde geblieben. Da weinte seine Frau um ihn und wollte gern wissen, wie es ihm dort in jener Welt erging und welche Qualen er zu erleiden hatte. Sie nahm einen Teller mit Geld, ging auf den Markt und hielt Aus-schau nach einem Freiwilligen, der in jene Welt hinuntersteigen und ihr Nachricht von ihrem Mann bringen sollte. Er sollte dann als Belohnung den Teller mit dem Geld erhalten.
Da meldete sich der arme Musikant Klimjata.
„Egal, ob ich aus jener Welt zurückkomme oder nicht“, dachte er bei sich, „meine Kinderchen werden nicht hungern.“ Er beschloß es zu tun und nahm den Teller mit dem Geld. Da bestellte die Witwe Sattler, und diese begannen Ochsenhäute zu Riemen zu zerschneiden und zusammenzunä-hen. An die Riemen banden sie eine Kiste. Klimjata setzte sich in die Kiste, er hatte einen Sack Brot und eine Geige mitgenommen. Wenn ich in jener Welt traurig werde, dachte er bei sich, dann werde ich Geige spielen und meine Seele damit ermuntern. Nun begannen sie die Kiste an den Riemen in jene Welt hinabzulassen. Sie ließen ihn immer tiefer hinab, aber da reichten die Bänder nicht mehr. Sie machten sie immer länger, bis sie merkten, daß Klimjata bereits auf festem Boden stand.
Klimjata stieg aus der Kiste und ging los. Er ging und ging, ringsum sah er Feld und über sich den Himmel (dort ist doch unsere Erde der Himmel). Er ging und ging, bis er einen Palast stehen sah. Klimjata ging zu dem Palast, aber keine Men-schenseele war zu sehen. Er setzte sich auf die Treppe. „Vielleicht sehe ich jemanden“, dachte er. Als er da so saß, sah er Staubwolken. Dort fuhr ein Hochzeitszug. Die Kutscher trieben die Pferde, denen schon der Schaum vorm Maul stand, mit eisernen Ruten an. Herren und Damen fuhren an die Treppe heran, sprangen aus den Wagen und gingen an Klimjata vorbei in den Palast. Dabei sahen sie ihn an, lachten und freuten sich. Da sagte ein Pferd zu Klimjata: „Bist du gekommen, um mich zu besuchen, Klimjata? Sieh nur, welche Qualen ich erdulden muß durch meine Habsucht. Ich muß die Teufel fahren. Das sind keine Herren, sondern Teufel. Sie feiern jetzt Hochzeit und haben sich sehr gefreut, als sie dich mit der Geige gesehen haben. Sie werden dich jetzt zum Spielen auffordern. Sag nicht nein, denn sonst kommst du nicht fort von hier. Wenn die Teufel so richtig ausgelassen sind, dann zerbrich plötzlich die Gei-ge. Sie werden dir eine neue geben, du aber sag, daß sie unhandlich ist und daß es unbequem sei, auf ihr zu spielen. Dann werden sie dich mit einem Teufel in die andere Welt schicken, damit du dir eine neue Geige kaufen kannst. Du aber greif dir eine getaufte Seele und laß dir das Kreuz auflegen. Erzähle meiner Frau, wo ich hingekommen bin, und sage ihr, daß sie all meinen Reichtum an die Armen verteilen soll. Mögen sie für meine Seele zu Gott beten!“
Als das Pferd seine Rede beendet hatte, da riefen sie Klimjata auch schon in den Palast, um der Hochzeitsgesellschaft aufzuspielen. Da war nichts zu machen. Klimjata spielte, und die Teufel sprangen umher, daß der Palast erzitterte. Als sie so richtig ausgelassen waren, warf Klimjata die Geige auf den Boden, und sie ging entzwei.
„Was hast du da gemacht, du Räuber?“ schrien die Teufel ihn an. „Warum hast du die Geige zerbrochen?“
„Das war unabsichtlich, meine lieben Herren, sie ist mir aus der Hand gefallen“, sagte Klimjata.
Sie gaben Klimjata eine andere Geige. Er ver-suchte auf ihr zu spielen. Aber es ging nicht. „Sie ist unhandlich“, sagte er, „es läßt sich schlecht spielen auf ihr. Ich muß mir eine in der anderen Welt aussuchen, auf der ich spielen kann.“ Weil die Teufel so viel Vergnügen daran hatten, wollten sie sich die Hochzeit nicht verderben lassen. Sie riefen einen buckligen Teufel, setzten Klimjata auf seinen Buckel und schickten beide in die andere Welt, um eine Geige zu kaufen. Klimjata saß kaum auf dem Buckel des Teufels und hatte gera-de einmal mit den Augen gezwinkert, da war er schon in der anderen Welt. Er ging mit dem Teufel eine Geige aussuchen und trat in einen Laden, wo eine Frau mit geweihten Bändern und Kreuzchen handelte. Klimjata warf sich ihr an den Hals und schrie: „Ach, meine liebe Alte! Rette mich vor dem Teufel!“
Da hing ihm die Frau schnell ein Kreuz um, und der Teufel verschwand in der Erde.
Klimjata aber ging und erzählte der Witwe, wie es ihrem Mann in jener Welt ergehe und was für einen Auftrag er ihr gegeben hatte.

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