Der Mann, die Frau und der Teufel

In irgendeinem Ort lebte einmal ein ehrbarer Mann mit seiner Frau. Sie lebten in Frieden und Eintracht wie Bruder und Schwester. Zu dieser Zeit war ein Teufel in der Hölle ohne Arbeit, und man gab ihm nichts zu essen. Da ging der Teufel zu seinem Chef, und dieser sagte zu ihm: „Wenn du diesen ehrbaren Mann nicht mit seiner Frau auseinanderbringst, enthebe ich dich deines Amtes. Bringst du sie aber auseinander, dann gebe ich dir drei Fässer Pech und Schwefel.“
Da verwandelte sich der Teufel in einen guten Menschen und ging direkt zu den ehrbaren Leuten ins Haus. Der Mann war schon früh zur Heumahd gegangen, und seine Frau war allein zu Hause. Der Teufel trat in die Hütte und sagte: „Seid gegrüßt!“
„Sei gegrüßt, mein Lieber!“
„Wo ist denn dein Mann?“
„Er ist auf dem Feld und mäht. Was willst du denn von ihm?“
„Ich bin gekommen, ihn zu bedauern.“
„Warum mußt du ihn denn bedauern?“
„Ich muß ihn bedauern, weil er ein guter Mensch ist, aber bald sterben wird.“
„Woran denn?“
„Ja, weißt du, ihm sind am Nacken drei weiße Härchen gewachsen.“
Die Frau hatte großes Mitleid, begann zu weinen und sagte: „Ach, mein Lieber, weißt du nicht, wie man ihn vom Tode erretten kann?“
„Na gut, du bringst ihm doch das Frühstück?“
„Ja, ich brate ihm gerade Rührei, das bringe ich ihm.“
„Na gut, tue was ich sage: Nimm ein scharfes Messer, steck es in den Ärmel und bringe ihm sein Frühstück. Wenn er frühstückt, sag zu ihm: ‚Komm, ich suche dir die Läuse ab!’ Dann wird er seinen Kopf in deinen Schoß legen, du suchst sei-nen Kopf nach Läusen ab und schneidest ihm heimlich die drei Härchen ab, dann wird er länger leben.“
„Hab Dank für deinen Rat, guter Mensch!“
Sie bereitete das Frühstück und machte sich auf den Weg.
Der Teufel aber verließ die Hütte, ging aufs Feld hinaus und sagte zu dem ehrbaren Mann: „Sei gegrüßt, Bauer!“
„Sei gegrüßt! Komm, setz dich, wir wollen uns ein bißchen unterhalten!“
Sie setzten sich, und der Teufel sagte zu dem Manne: „Sieh mal, du vertraust deiner Frau zu Hause vollkommen, sie aber ist dir nicht treu. Als ich heute in die Herberge kam, sprang deine Frau mit dem Herbergsvater herum, sie tanzten mit-einander und küßten sich, und der Herbergsvater sagte: ‚Bring deinen Mann um, dann werde ich dich bis ans Lebensende lieben!’ – ‚Aber wie soll ich ihn denn umbringen?’ – ‚Ich werde es dir zei-gen. Wenn du ihm das Frühstück bringst, dann steck ein Messer in den Ärmel, und wenn er früh-stückt, dann sag zu ihm: Komm, ich werde dir die Läuse absuchen! Wenn er dann seinen Kopf in deinen Schoß legt, dann bringe ihn um!’“
„Ach du meine Güte, ist das wahr?“ fragte der Bauer den Teufel.
„Es stimmt wirklich, ich bin gekommen, weil ich Mitleid mit dir habe. Aber wenn du es nicht glaubst, dann sieh selbst bei deiner Frau nach, du wirst bei ihr ein Messer im Ärmel finden.“
Da zitterte dem Bauern das Herz. Als der Teufel verschwunden war, brach der Mann im Gebüsch eine Rute ab und versteckte sie unter dem Heu. Die Frau brachte dem Mann zu essen, sie lief schnell und rief schon von weitem: „Hör auf zu mähen, mein Lieber, und ruhe dich aus!“
Sie kam zu ihm und sagte: „Ach mein Lieber, du strengst dich so an, ruh dich aus!“
Er setzte sich zum Frühstück, konnte aber vor Aufregung nichts essen. Sie küßte ihn und strei-chelte ihm Kopf und Hals. Er aber dachte, sie su-che die Stelle, wo sie ihn am besten erstechen könne.
Schließlich sagte sie zu ihm: „Nun mein Lieber, komm, ich werde dir den Kopf absuchen!“
Da sprang er auf und sagte: „Nein, ich werde dich absuchen. Was hast du mitgebracht?“
Er fand bei ihr im Ärmel ein großes scharfes Messer und sagte: „Was ist denn das?“ Er nahm sie bei den Ohren, hob die Kleider hoch und verprügelte sie. Er schlug und schlug sie, bis sie prügelte sie. Er schlug und schlug sie, bis sie kaum noch schreien konnte.
Da lachte der Teufel und lief zu seinem Chef.
„Wirklich, das war ein lustiger Streich“, sagten sie.
Der Mann übergoß seine Frau mit Wasser. Sie wurde wieder gesund, und sie lebten besser als früher zusammen. Der Teufel aber bekam drei Fässer Pech und Schwefel dafür, daß er die ehrba-ren Leute entzweit hatte.

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