Der lüsterne Pope

Seine Nachbarin war eine Schönheit, sie geht immer vorbei, um Wasser zu holen. Er aber saß ständig auf den Stufen vor dem Haus. Kaum geht sie nach Wasser, macht er gleich:
„Hi-hi-hi-hi-hi!”
Sie kommt zu ihrem Mann und sagt, was der lüsterne Pope anstellt:
„Ich brauch nur nach Wasser zu gehen, gleicht macht er sein hi-hi!”
„Ach, du Närrin, du verstehst nicht, daß er. Er will dich gern zur Liebsten haben.”
Und die Frau sagt zu ihrem Mann:
„Was soll ich tun?”
„Wenn du wieder gehst und er sein ,hi-hi-hi’ anfängt, sagst du: ,Nun laß schon endlich dein Wiehern sein, Väterchen, komm in der Nacht zu mir! Komm nur und bring recht viel zu essen mit!™
Und der Pope war ganz Feuer und Flamme, brachte einen ganzen Schinken und ein Viertel Schnaps. Der Mann aber hatte zu seiner Frau gesagt:
„Wenn ich mit dem Fuß aufstampfe – wir haben doch das Teerfaß dastehen -, dann stecke ihn in das Faß!”
Er kam also, sie fingen an zu trinken und dazu zu essen. Plötzlich klopfte ihr Mann.
„Wohin kann ich mich denn verstecken?” sagt er.
„Klettre ins Faß!”
Der zieht Hemd und Unterhosen aus und schwupp – ins Faß.
Ihr Mann schimpfte:
„Ich habe dir doch gesagt, du sollst das Faß hinausrollen und ausräuchern!” (sie simulieren einfach so).
Sie:
„Sofort, sofort!”
Er hatte aber schon das Pferd eingespannt. Sie rollten das Faß hinaus und stellten’s auf den Wagen, und er fuhr’s aufs Feld hinaus. Da kommt ein adliger Herr gefahren.
„Was fährst du da, Bauer?”
„Ach”, sagt er, „ich habe heute Nacht einen alten Teufel gefangen.”
„Und wohin bringst du ihn?” sagt er.
„Nach Moskau, zum Ausstellen!”
„Kann man ihn einmal ansehen?”
„Ja”, sagt er, „das kann man, hundert Rubel fürs Angucken!”
Weil sie ihn aber gerollt hatten, hatte er sich über und über mit Teer beschmiert, und Bart und Haare waren ihm voller Teer.
Der Herr sah ihn sich an, der Pope aber ist entsetzlich froh, einmal frische Luft schnappen zu können (es, das heißt das Fäßchen, war nämlich eng). Als er das Fäßchen aufgemacht hatte, kam er mit dem Mund an die Öffnung heran. Der Bauer aber sagte:
„Warte, warte, vorsichtig, sonst fliegt er fort!”
Und er ließ ihn nicht ordentlich hingucken.
„Nun”, sagt er, „alter Teufel, wenn jemand dich ansehen will, dann komm schneller heraus, sonst muß ich dich verbrennen!”
Da überlegte sich’s der adlige Herr noch einmal: er hatte den Teufel noch nicht richtig gesehen.
Er kehrt um:
„Warte, Bauer, nimm noch hundert Rubel, ich möchte ihn noch einmal ansehen!”
Der Bauer griff nach seinem Pferd:
„Ich kann’s beim besten Willen nicht halten!”
Der Pope kommt hervorgekrochen. Der adlige Herr erschrak, der Bauer aber schreit in einem fort:
„Haltet ihn, haltet ihn!”
Der Pope sprang aus dem Faß heraus und rannte hast du was kannst du in den Wald. Dem Bauern blieb nichts anderes übrig, er packte die Troika des adligen Herrn und ließ sie nicht aus den Händen.
„Nun kommt nur”, sagt er, „fahrt mit nach Moskau, Euch zu verantworten! Ihr habt den alten Teufel entkommen lassen, jetzt ist er fort. Und mir haben sie aus Moskau einen Brief geschickt, ich soll ihn ins Theater bringen.”
„Oi, Bauer, nimm von mir, was du willst, nur bring mich ja nicht dorthin!”
Der Bauer freut sich über diese Gelegenheit und nahm ihm die drei Rappen ab. „Sieh, Frau, was der lüsterne Pope zusammengekichert hat.”
Dieser lüsterne Pope aber sieht zum Fenster hinaus – Iwan kommt mit einer Troika gefahren!
„Ach, Mütterchen, jetzt ist’s um mich geschehen!”
Der Pope dachte, Iwan wolle ihn holen.
Die Popin fragt ihn:
„Warum hast du auch solche Augen gemacht?”
„Nein”, sagt er, „ich habe nie Augen gemacht!”
Der Pope tritt auf die Treppe vorm Haus, die junge Frau kommt vorbei. Sie sieht ihn schnell an:
„Hi-hi-hi-hi-hi!”
Der Pope erschrak und rannte davon. Seine Frau merkte es, nahm ein Beil und prügelte ihn, daß die Fetzen nur so flogen.
„Ach, vergib mir, Frau, ich will das nie wieder tun!”
Seine Frau vergab ihm. Ich bin auch dort gewesen, hab Tee getrunken, der Mund hat nichts abbekommen. Das Märchen ist aus.

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