Der listige Dummkopf

Es war einmal ein alter Mann, der hatte drei Söh-ne. Als er starb, kauften seine ältesten Söhne al-les mögliche – Schnaps, Heringe und Bier –, um den Leichenschmaus zu bereiten. Dann trugen sie den Vater zu Grabe. Der dritte Sohn, ein Dumm-kopf, blieb zu Hause. Er trank den Schnaps aus, verschloß die Türen, setzte sich in einen Trog und fuhr in der Hütte umher, um Heringe zu fangen, denn er dachte, er wäre auf einem Fluß beim Fischen.
Die Brüder kamen zurück und klopften an die Tür. „Mach auf!“
Er aber antwortete: „Wartet, ich komme gleich hingefahren!“
Er fuhr zur Tür, und als er sie geöffnet hatte, fuhr er in dem Trog hinaus auf den Hof. Die Brü-der rissen den Mund vor Erstaunen auf. Sie baten die Leute um Verzeihung, und die Leute gingen wieder nach Hause. Dann beschlossen die Brüder, dem Dummen fortzulaufen. Aber es war nicht so leicht, ihm fortzulaufen! Als er merkte, daß die Brüder nicht mehr da waren, lief er in die Rum-pelkammer, holte einen Mörser und eilte den Brü-dern nach. So schnell sie auch liefen, sie konnten ihm doch nicht entkommen. Er holte sie ein.
Inzwischen wurde es Nacht, und sie ließen sich im Walde nieder. Irgendwie mußten sie die Nacht verbringen. Hätten sie auf der Erde übernachtet, wären sie von den Wölfen gefressen worden. Des-halb beschlossen die Brüder, auf einen Baum zu steigen. Der Dummkopf kam ihnen nach und nahm den Mörser mit auf den Baum.
Inzwischen kamen Diebe zu diesem Baum und brachten ihr Diebesgut dorthin. Sie zündeten ein Feuer an und begannen ihr Abendbrot zu kochen.
Der Dummkopf hielt den Mörser fest, bis ihm die Hände weh taten, dann sagte er leise zu sei-nen Brüdern: „Liebe Brüder, ich muß den Mörser fallen lassen, denn ich kann ihn nicht mehr halten.“
Er ließ ihn fallen. Der Mörser fiel auf die Diebe herab und machte einen furchtbaren Krach.
Da liefen sie nach allen Seiten auseinander und ließen ihr Diebesgut zurück.
Als es hell wurde, stiegen die Brüder vom Baum, und der Dummkopf blieb auch nicht oben. Unten angekommen, sagte der Dumme: „Laßt uns nachsehen, was in den Wagen ist!“
Sie schauten nach und fanden in neununddreißig Wagen allerlei Diebesgut, während der vierzigste Wagen voll Weihrauch war. Da sagte der Dumme zu seinen Brüdern: „Nehmt diese Sachen und fahrt nach Hause! Mir aber schüttet den Weihrauch auf die Erde!“
Das taten sie und fuhren fort. Der Dumme steckte den Weihrauch in Brand und stocherte mit einem Stock darin herum. Zu der Zeit saß Gott im Himmel mit dem heiligen Petrus zusammen. Er sagte zu Petrus: „Geh mal hinunter auf die Erde und sieh nach, wer da so inbrünstig betet, daß es selbst im Himmel nach Weihrauch riecht! Und er-kundige dich, was der Mensch will!“
Petrus gehorchte. Er flog auf die Erde hinab und fand den Mann, der dort saß und Weihrauch abbrannte.
„Was willst du von Gott, weshalb betest du so inbrünstig?“ fragte der heilige Petrus den Dum-men.
Der Dumme sagte: „Ich bitte Gott um eine Schalmei, nach der alle tanzen müssen, die Menschen und das Vieh. Sie sollen gar nicht aufhören können, solange ich darauf spiele.“
Petrus flog wieder zurück zu Gott in den Him-mel und sagte: „Dieser Mann wünscht sich eine Schalmei, nach der alle tanzen müssen, wenn er darauf spielt.“
Da sagte Gott: „Er wünscht sich sehr viel, aber bring ihm diese Schalmei! Sollen die Leute wissen, daß der liebe Gott ein guter Mann ist!“
Petrus brachte ihm die Schalmei. Der Dumme nahm sie entgegen, ließ das Feuer ausgehen und zog in die Welt hinaus.
Er kam in ein Dorf und verdingte sich als Hirte. Er ging das Vieh hüten und schlief auf der Weide ein. Während er schlief, liefen die Kühe umher. Als er ausgeschlafen und gegessen hatte, nahm er die Schalmei und begann zu spielen. Da mußten die Kühe tanzen Der Bauer sah am ersten Tag und am zweiten Tag wieder, daß das Stroh sich vor Angst bog, wenn seine Kühe vom Feld nach Hause kamen. So hungrig waren die Kühe. Da dachte er: „Was ist das nur? Ich werde mal aufpassen!“
Er paßte auf und mußte selbst zusammen mit den Kühen tanzen. Als er genug getanzt hatte, jagte er den Hirten davon. Da zog der Dumme mit seiner Schalmei weiter.
Als ein Krieg begann, zog man den Dummen zu den Soldaten ein. Einmal war eine große Schlacht, und die Feinde hatten das Regiment, in dem er diente, eingekesselt. Aber der Dumme war listig. Er dachte an seine Schalmei. Als er auf ihr zu spielen begann, mußten alle Feinde tanzen, und sie wurden so müde, daß ihr ganzes Heer dem Regiment in die Hände fiel.
Alle sprachen über den Schalmeispieler, der General zeichnete ihn aus und verlieh ihm einen Orden. Als der Krieg zu Ende war, ließ sich der Dumme in der Stadt, für die er gekämpft hatte, nieder und lebte dort als Schalmeispieler. Er schaffte sich einen Kater, einen Hund und einen Hahn an. Er spielt auf der Schalmei, und sie tan-zen danach.

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