Der Hahn und die Bohne

Es lebten einmal ein Mann und eine Frau, die hatten einen Hahn. Der Hahn scharrte vor dem Hause und scharrte eine Bohne heraus. Die wollte er verschlucken, da geriet sie ihm in die falsche Kehle. Geriet ihm in die falsche Kehle, er fiel auf den Rücken, streckte die Beine von sich, liegt da und atmet nicht. Die Bäuerin kommt gelaufen und fragt:
„Was liegst du, Hahn, und atmest nicht?“
„Eine Bohne“, sagt er, „ist mir in die falsche Kehle geraten. Lauf zur Kuh und bitte sie um Butter!“
Sie lief zur Kuh.
„Kuh, gib mir Butter! Der Hahn liegt da und at-met nicht, eine Bohne ist ihm in die falsche Kehle geraten.“
„Lauf zu den Schnittern und bitte um Heu!“
Sie kommt zu den Schnittern.
„Schnitter, gebt mir Heu! Das Heu ist für die Kuh; die Kuh will mir Butter geben; die Butter ist für den Hahn; der Hahn liegt da und atmet nicht, eine Bohne ist ihm in die falsche Kehle geraten.“
Sagen die Schnitter zu ihr:
„Lauf zur Bäckersfrau und bitte um Kringel!“
Die Bäuerin kommt zur Bäckersfrau.
„Bäckersfrau, Bäckersfrau! Gib mir Weizenkrin-gel. Die Kringel sind für die Schnitter; die Schnitter wollen Heu geben. Das Heu ist für die Kuh; die Kuh will Butter geben. Die Butter ist für den Hahn; der Hahn liegt da und atmet nicht, eine Bohne ist ihm in die falsche Kehle geraten.“
Die Bäckersfrau schickt sie zu den Holzfällern, um Holz zu bitten.
Kommt die Bäuerin zu den Holzfällern.
„Holzfäller, gebt mir Holz! Das Holz ist für die Bäckersfrau; die Bäckersfrau will Kringel geben. Die Kringel sind für die Schnitter; die Schnitter wollen Heu geben. Das Heu ist für die Kuh; die Kuh will Butter geben. Die Butter ist für den Hahn; der Hahn liegt da und atmet nicht, eine Bohne ist ihm in die falsche Kehle geraten.“
Die Holzfäller schicken sie zum Schmied, um Äxte zu bitten: sie haben nichts, das Holz zu schlagen. Da ging die Bäuerin zum Schmied.
„Schmied, gib mir eine Axt! Die Axt ist für die Holzfäller; die Holzfäller wollen Holz geben. Das Holz ist für die Bäckersfrau; die Bäckersfrau will Kringel geben; die Kringel sind für die Schnitter; die Schnitter wollen Heu geben. Das Heu ist für die Kuh; die Kuh will Butter geben. Die Butter ist für den Hahn; der Hahn liegt da und atmet nicht, eine Bohne ist ihm in die falsche Kehle geraten.“
„Ich habe keine Axt“, sagt der Schmied, „und weiß auch nicht, wie ich eine schmieden soll: es ist keine Kohle da. Geh in den Wald, schneid Fichtenzweige und brenne Kohle.“
Die Bäuerin fuhr in den Wald, brachte Holz und brannte Kohle. Die Kohle trug sie zum Schmied – der Schmied gab die Axt; sie ging zu den Holzfällern – die Holzfäller gaben Holz; das Holz trug sie zur Bäckersfrau – die Bäckersfrau gab Kringel; die Kringel trug sie zu den Schnittern – die Schnitter gaben Heu; das Heu trug sie zur Kuh – die Kuh gab Butter; die Butter trug sie zum Hahn – der Hahn nahm davon, schluckte die Bohne hinter und fing laut zu krähen an: „Kikeriki, vor dem Haus sitz ich hie, flechte Schuhe spät und früh, hab den Pfriemen verloren, Geld gefunden, kaufte mir ein Mädchen fein, schenkt’ ihm ein seiden Tüchelein!“

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