Der Dienst für drei Fladen

Es waren einmal ein Mann und eine Frau. Sie waren sehr arm. Der Mann stand bei einem Herrn in Lohn und Brot. Eines Tages sprach er zu seiner Frau: „Morgen gehe ich Holz machen. Leg mir ein Brot in damit ich mittags und abends was zu essen
habe. Die Arbeit ist schwer — mal muß man das Beil, mal den Hammer schwingen.”
Die Frau buk drei Fladen und legte sie in den Beutel. Der Mann begab sich noch vor Tagesanbruch in den Wald. Als die Sonne aufging, hatte er schon gute Arbeit geleistet und war hungrig geworden. Er holte sein Bündel hervor. Nanu? Es war leer.
„Das Weib hat bestimmt vergessen, die Fladen hineinzutun”, sprach er und machte sich wieder an die Arbeit.
Den ganzen Tag über sägte und hackte er Holz, trug die Scheite zusammen und stapelte sie auf. Vor Hunger war er fast durchsichtig geworden. Abends auf dem Heimweg konnte er sich vor Schwäche kaum noch auf den Beinen halten.
Derweil saß der kleine Teufel Antypko auf einem Baumstumpf und kaute die Fladen, daß seine Kinnladen nur so krachten. Da kam ein alter Beelzebub des Weges und fragte:
„Was machst du hier?”
„Ich esse”
„Was ißt du?”
„Fladen”
„Woher hast du die?”
„Die hab’ ich gestohlen.”
„Wem?”
„Einem armen Holzhacker.”
Den alten Teufel erzürnte das sehr. Er packte Antypko beim Zottelohr und brüllte:
„Habe ich dich nicht zu den Reichen geschickt, damit du sie bestiehlst?”
„Ich hab’ mich ja auch zu einem Reichen auf den Weg gemacht, aber ist es meine Schuld, daß ich unterwegs einem Armen begegnet bin?” erwiderte Antypko.
„Es ist also nicht deine Schuld? Obendrein bist du noch ein Lügner! Geh jetzt hin zu dem armen Mann. Du sollst ihm drei Jahre lang für die drei Fladen dienen!”
Antypko heulte los. Doch sehr bald hörte er wieder auf, weil er wußte, daß mit dem alten Teufel nicht zu spaßen war, der konnte einem im Nu das Fell gehörig gerben. So mußte sich Antypko zum Dienst verdingen. Er verwandelte sich in einen Burschen und klopfte bei dem armen Mann an. Da stand er nun in der Tür und verbeugte sich.
„Was hat dich zu mir geführt?”
„Ich will mich verdingen.”
Der arme Mann machte runde Augen:
„Bei mir? Scher dich zum Teufel! Ich habe selbst nicht mal mein tägliches Brot.”
„Der Teufel hat mich ja zu Euch geschickt. Eure Kost soll auch die meine sein.”
Der Bursche stand da und grinste. Der arme Mann wurde nachgiebiger.
„Aber ich habe auch keine Kleidung für dich.”
„Ich werde die Sachen tragen, die ich gerade anhabe.”
Der Mann breitete vor Verwunderung die Arme aus:
„Wer hat mir diesen Quälgeist nur auf den Hals geschickt?”
„Der alte Teufel…”
„Ich verbitte mir solchen Spaß, Junge.” Indes war der Mann etwas fröhlicher geworden. „Laß uns schlafen gehen, morgen wollen wir beratschlagen, was zu machen ist.”
Der Junge streckte sich auf der Bank aus, legte die Hand unter den Kopf und schlief ein.
Frühmorgens stand die Frau auf und jammerte, weil sie nichts zum Frühstück hatten. Da erblickte sie plötzlich in der Ecke einen Sack voll weißes Mehl, ein Körbchen voll Eier, eine Schüssel mit Käse und einen großen Krug voll Sahne. Die Frau klatschte sogar in die Hände, so sehr war sie verwundert. Alsbald weckte sie ihren Mann und sprach:
„Schau nur, was wir alles haben.”
Der Mann rieb sich die Augen, starrte lange all die feinen Sachen an und sprach:
„In dieser Hütte hat es solchen Reichtum noch nie gegeben.”
Der Junge schlief und hatte von all dem nicht die geringste Ahnung. Nachdem die Frau Brot gebacken hatte, weckte der Mann den Jungen.
„Steh auf und komm frühstücken, es ist Zeit, daß wir uns an die Arbeit machen.”
Nach dem Frühstück nahmen sie eine Säge und zwei Äxte und gingen Bäume fällen.
Die Arbeit ging ihnen gut von der Hand. Der Junge schwang die Axt, und sofort fiel eine Eiche um. Der arme Mann sperrte erstaunt den Mund auf. Die Frau brachte ihnen das Mittagessen und konnte nicht glauben, daß sie schon so viel Holz gehackt hatten. Abends war der ganze Wald des Gutsherrn gefällt und das Holz gehackt und aufgestapelt. Der arme Mann wurde gut bezahlt für die Arbeit.
Es vergingen Tage, Wochen und Monate. Ein Jahr löste das andere ab. Der arme Mann kam mit dem Burschen gut aus. Er war sogar schon aus der schlimmsten Armut heraus. Seinen Tagelöhner mochte er so sehr, daß er ohne ihn keinen Krümel mehr essen konnte.
Als die drei Jahre um waren, verschwand der Junge, als hätte ihn der Erdboden verschluckt, und kehrte auch nie mehr zurück. Und darum ist nun auch das Märchen zu Ende.

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