Der Bauer und der Pope

Es ging ein Bauer den Weg entlang. Er holt einen Popen ein.
„Guten Tag, Väterchen!” sagt er.
„Guten Tag, mein Sohn!”, sagt der. „Wohin gehst du, Bauer?”
„Ich will ins Dorf Chmelnoe17 *, Väterchen!”
„Und weswegen, Bauer?”
„Ach, Väterchen, dort soll ein Pferd zu Verkauf stehen!”
„Hast du denn nicht ein Pferd gehabt?”
„Doch, aber der Wolf hat’s gefressen.”
„Das ist freilich schlecht”, sagte der Pope.
Sie gehen so – da finden sie einen Sack auf dem Wege.
„Seht, Väterchen, da hat wohl ein armer Bauer seinen Sack verloren.”
Sie kommen zu diesem Sack. Der Pope sagt:
„Wie ist’s, teilen wir halb und halb?”
Der Bauer sagt:
„Wie du meinst, Väterchen, teilen können wir, wenn ein Stück Brot drin ist.”
17 Chmel’noe – abgeleitet von chmel’ – „Hopfen-Rausch” (Anm. d. Übers.).
Sie binden den Sack auf. Darin ist ein gebratenes Ferkel. Dem Popen gefiel dieses Ferkel, und er sagt zum Bauern:
„Bauer!”
„Was ist, Väterchen?”
„Dieses Ferkel lohnt sich nicht zu teilen.”
„Wie dann, Väterchen? Wer’s zuerst gesehen hat, dem gehört das Ferkel?”
Der Pope aber sagt zum Bauern:
„Wir müssen im Walde übernachten. Wir werden also dieses Ferkel nicht teilen, sondern uns schlafen legen. Wer den schöneren Traum träumt, dem soll das Ferkel gehören.” (Der Pope denkt, den Bauern werde ich schon leimen.)
Die Nacht kam. Sie machten ein Feuer und legen sich schlafen. Nun, der Bauer war das Laufen gewohnt und war nicht sehr müde, der Pope aber war sehr ermattet und schlief ein. Der Bauer sieht, daß der Pope schon schläft, nimmt den Sack, holt das Ferkel heraus und beginnt zu essen. Aß alles auf und legte sich schlafen.
„Schön”, sagt er, „mag ich nun träumen oder nicht, jedenfalls werde ich besser schlafen können.”
Der Bauer schläft unbekümmert. Am Morgen stehen sie auf. Der Pope sagt:
„Bauer, erzähle nun, was hat dir heute geträumt?”
„Weiß nicht, Väterchen. Erzählt erst einmal Ihr, was Ihr geträumt habt, dann will ich erzählen.”
Also der Pope:
„Nun, ich will meinen Traum erzählen!”
Der Bauer lacht:
„Dann wird wohl auch das Ferkel dir gehören, Väterchen?”
Der Pope:
„Ja, ja! Wer den schöneren Traum hat, dem soll auch das Ferkel gehören.”
„Nun, erzähle, Väterchen!”
Der Pope fängt nun also an:
„Ich schlafe also, Bauer. Vor mir war auf einmal eine Leiter bis in den Himmel hinein. Auf dieser Leiter nun kletterte und kletterte ich hoch und kletterte bis in den Himmel hinein. Dort aber bringen sie dem Herrgott gebratene Hühner, Gänse und Ferkel, und ich habe mich bis zum Hals vollgegessen.”
„Ihr habt einen schönen Traum, Väterchen”, sagt der Bauer. „Ich bin auch munter geworden”, sagt er, „und sehe, wie du die Leiter hochkletterst. Ich dir leise nach. Dich hat der Herrgott eingeladen und bewirtet. Ich guckte und guckte, aber mir hat er nicht einmal zugenickt. Ich bin so schnell wie möglich wieder die Leiter heruntergeklettert, habe den Sack genommen und das Ferkel aufgegessen.”
Da schrie der Pope:
„Ich bin ja gar nicht dort gewesen!”
„Ob du nun dort warst oder nicht, das Ferkel ist jedenfalls nicht mehr da, Väterchen!”
Der Pope glaubte’s nicht – macht den Sack auf – der Sack ist leer.
Der Pope stürzte sich auf den Bauern, um ihn zu verprügeln. Der Bauer packte den Popen an seinen langen Haaren, stieß ihn gegen die Erde und sagt:
„Du hast wie ein verfluchter Drache die Menschen aufgefressen, und so willst du auch den Bauern auffressen! Nein, den Bauern sollst du nicht auffressen!”

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