Der Adler-Zarewitsch und sein Sohn

Es lebten einmal eine Maus und ein Sperling. Nun, die Maus hatte sich in der Erntezeit mit allem versorgt, der flatterhafte Sperling aber mit nichts. Und der Winter war diesmal hart, schneidend und kalt. Der Sperling wußte nicht, wie er sich retten sollte, und kam zur Maus ins Loch: „Liebste Ge-vatterin, nimm mich auf, solange der grimmige Frost dauert!“
„Oh“, sagt sie, „mein Proviant wird nicht reichen.“
Nun, er bettelt sie: „Laß mich bitte, bitte ein, Maus!“
„Na, ich will gehen und meine Vorräte ansehen: wenn es reicht, lasse ich dich ein.“
Sie besah ihre Kornkästen und erklärte sich einverstanden ihn einzulassen. „Satt werden wir zwar nicht, aber Hungers werden wir auch nicht sterben.“
Nun, sie machten aus, zusammen zu leben. „Und im Sommer werden wir zusammen arbeiten. Du wirst Weizen sammeln, und ich werde ihn mit dem Schnabel dreschen und forttragen.“ Der Frühling kam, der Sperling schwang sich in die Lüfte und flog davon. Die Maus war gekränkt, sie ging zu ihrem Gemeindeältesten, den Sperling verklagen. Ihr großes Gericht trat zusammen. Alle waren versammelt, auch die Vögel waren alle ge-kommen, und auch das kleine Getier, die Mäuse und Maulwürfe. Und das Gericht begann. Ein Ge-richt war ihnen noch nicht genug, sie eröffneten untereinander den Krieg. Zwei Tage bekriegten sie sich. Nun, und ihr Gericht lief auseinander; einem Adler hatten sie die Flügel angeschossen – er blieb auf einem Baumstumpf sitzen.
Einmal ging Iwan der Kaufmannssohn auf die Jagd und sieht diesen Adler, nimmt die Flinte herunter und zielt, um ihn zu erlegen. Da antwortet ihm der Adler mit Menschenstimme: „Iwan-Kaufmannssohn, schieß nicht auf mich, ich bin genauso ein Mensch wie du, nur für einige Zeit verwünscht; nimm mich lieber mit und füttere mich, ich werde dir von Nutzen sein.“ Iwan der Kaufmannssohn geht hin und fragt: „Und muß ich dich lange füttern?“ – „Ein Jahr“, sagt er, „muß ich gefüttert werden.“ – „Und welche Speise ißt du denn?“ – „Am Tag einen Hammel.“
Nun, der Kaufmannssohn nahm den Adler und bringt ihn seinem Vater: „Hier, so und so, das habe ich gefunden.“ Und erzählt alles. Der Vater schwieg eine Weile. „Das ist teuer“, sagt er. Nun, wiederum, wenn er auch brummt, so ist es doch sein einziger Sohn – er möchte es ihm nicht verbieten.
Etwa ein halbes Jahr hatte er ihn gefüttert, da begann der Vater zu schimpfen: „Das ist doch zu stark – am Tag einen Hammel! Zu welchem Nutzen fütterst du ihn?“ Darauf wurde der Vater böse, wartete, bis der Sohn einmal fortgegangen war, befahl, den Adler in eine Schlucht zu werfen, und verbot zu sagen, wohin sie ihn geworfen hatten. Aber das Stubenmädchen hatte es gemerkt, wohin sie ihn gebracht hatten, und sagte es ihm heimlich. Und er holte den Adler aus der Schlucht und brachte ihn in die Hütte einer alten Frau. Er bringt täglich einen Hammel und füttert ihn heimlich, ohne Wissen des Vaters.
Bis zum Jahr fehlt nur noch ein Monat, aber der Vater hat erfahren, daß der Sohn ihn trotzdem füttert; er wurde böse auf den ungehorsamen Sohn und jagte ihn kurzerhand im bloßen Rock aus dem Haus. Der Kaufmannssohn kommt mit bitteren Tränen zum Adler: „Nicht nur, daß ich nichts habe, dich zu füttern“, sagt er, „ich selber habe jetzt nichts mehr zu essen.“ – „Nun, was macht’s, sagt der Adler, „dann gehen wir eben, unsere Kräfte versuchen.“ Sie kamen dort auf einen Platz. „Nun“, sagt der Adler, „setz dich auf mich und halte dich schön fest.“ Und er trug ihn auf seinem Rücken bis unter die Wolken, trug ihn bis unter die Wolken und ließ ihn herunterfallen. Iwan der Kaufmannssohn war dicht daran, sich zu Tode zu stürzen, da ließ er ihn nicht zu Boden fallen und fing ihn wieder auf.
Als sie dann haltgemacht hatten: „Was hast du eigentlich gedacht“, fragt der Adler den Kaufmannssohn, „als du so flogst?“ – „Was soll ich gedacht haben? Ich habe gedacht: Wenn ich auf die Erde falle, stürze ich mich zu Tode.“ – „Damit habe ich Euch die erste Schuld vergolten. Als ich auf dem Baumstumpf saß und du auf mich zieltest, habe ich auch gedacht, es wird mein Tod sein. Nun, dann setz dich auf meinen Rücken und laß uns fliegen, wohin uns der Weg führt.“
Flogen sie nun lange oder kurze Zeit, jedenfalls kommen sie zu einer Stadt und machen vor den Toren halt. „Jetzt hör zu, Iwan-Kaufmannssohn, schenk mir dreimal deinen Schweiß, leiste mir einen Dienst.“ – „Und wo kann ich denn in Schweiß kommen?“ antwortet der. „Klettre hier auf den Zaun!“ Er kletterte hinauf. „Jetzt schüttle mich an den Ohren, bis dir Arme und Beine versagen.“ Nun, er schüttelte und schüttelte – er konnte schon nicht mehr. Der Schweiß fließt in Strömen an ihm herunter. „Nun, ruh dich etwas aus“, sagt er. „Noch zweimal schenk mir deinen Schweiß!“ sagt er. Und aus seiner Haut ragten schon bis zum Knie Menschenbeine heraus. Und wieder schüttelte er ihn aus Leibeskräften. Schüttelte und schüttelte. Er konnte schon nicht mehr. Der Schweiß fließt in Strömen an ihm herunter, aber es waren schon die Brustwarzen zu sehen. „Nun, jetzt schüttle zum letzten Mal, bis die Haut in dei-nen Händen bleibt. Wenn du aber nicht durchhältst, ist für uns beide alles verloren!“ Er schüttelte ihn aus dieser Haut heraus, und der Adler trat als junger Bursche vor ihn hin. „Nun, jetzt wollen wir Brüderschaft schließen.“
Sie schlossen Brüderschaft und gelobten, einander nicht zu verlassen. „Jetzt geh in das und das Haus, da steht die und die Aufschrift, und bitte um ein Almosen. In diesem Hause wohnt meine älteste Schwester. Geh zum Fenster und bitte um ein Almosen nicht um Christi willen, sondern um des Adler-Zarewitschs willen. Und die Frau wird fragen: ,Was für ein Almosen willst du denn?’ Bitte dann um die goldenen Schlüssel vom Keller und hör zu, was sie dir sagt, falls sie dir die Schlüssel nicht gibt.“
Er geht hin und beginnt, um ein solches Almosen zu bitten, nicht um Christi willen, sondern für den Adler-Zarewitsch. Und am Fenster stand das Stubenmädchen und bügelte Wäsche. Nun, was die Beine hergaben, rannte die zu ihrer Herrin: „Was ist das für eine neue Art, um Almosen zu bitten?“ Die Herrin ahnte die Geschichte, ging sel-ber zum Fenster, er erzählte ihr die ganze Geschichte und bittet um die Schlüssel. Sie hörte sich die Geschichte an und sagt: „Wie lange ich auch den Bruder nicht gesehen habe, ich will ihn lieber noch einmal genauso lange nicht sehen, aber die Schlüssel gebe ich nicht.“ Nun, er kommt zu ihm und erzählt’s. „Macht nichts, hier ist es nicht gelungen, gehen wir zur zweiten Schwester, in die zweite Stadt.“
Nun, kurz erzählt, dort wurden sie auch abge-wiesen. Sie gingen in die dritte Stadt, zur jüngsten Schwester; wieder ging Iwan der Kaufmannssohn, um das gleiche Almosen zu bitten. Die freute sich von ganzem Herzen. „Und wo ist er denn, der Adler-Zarewitsch?“ – „Gib mir nur die Schlüssel, und ich bringe dich zu einem Wiedersehen mit ihm.“ Sie gab ihm die Schlüssel. Nun, und dann kam er mit dem Adler wieder, sie unterhielten sich und feierten ein Fest. Bei der jüngsten Schwester also war das Wiedersehen mit dem Bruder. Nun, und danach traute der Adler-Zarewitsch Iwan den Kaufmannssohn mit seiner Schwester. „Ich aber“, sagt er, „will gehen und mein Glück suchen.“ Und er übergab Iwan-Zarewitsch alle zwölf Keller, in denen war viel von allem möglichen Gold und Silber.
Und der Adler-Zarewitsch kommt in eine frem-de Stadt. In dieser Stadt lebte der unsterbliche Kastschej, der herrschte über diese Stadt. Und er hatte eine Kaufmannstochter geraubt, die hielt er bei sich gefangen.
Einige Zeit lebte der Adler-Zarewitsch in dieser Stadt und begann, die Frau Kastschejs zu besuchen, wenn Kastschej nicht in der Stadt war. Und Kastschejs Frau wurde von ihm schwanger. Und einmal erwischte der unsterbliche Kastschej den Adler bei sich im Schloß und schlug ihm den Kopf ab. Sie aber war von ihm schwanger. Und als Kastschej weggefahren war, gebar sie in seiner Abwesenheit. Und sie weiß nicht wohin mit dem Kind. Kastschej würde es sowieso umbringen. Und sie kam auf den Gedanken, es in ein Eichenfaß zu legen; auf das Faß schrieb sie, daß es ein unge-tauftes Kind ist, und warf’s ins Meer.
Und eben der Kaufmannssohn, der die Schwester des Adlers geheiratet hatte, hatte einen Traum, an seinem Ankerplatz hätten neue Schiffe angelegt. Und er weckt früh am Morgen seine Frau. „Was ist das für ein Traum? Ich will zum Ankerplatz fahren. Ob dort alles in Ordnung ist?“ Er kommt zum Ankerplatz, da schwimmt an seinem Ankerplatz ein Faß. Nun, er fischte dieses Faß heraus, sieht die Aufschrift, daß es ein ungetauftes Kind ist, nimmt das Faß und bringt’s nach Hause zu seiner Frau. Sie nahmen beide das Faß, machten es auf, holten das Kind heraus, und da lag ein Zettel, daß es vom Adler-Zarewitsch ge-zeugt ist. Und beide freuten sich: „Nein so was, von unserem Bruder.“ Und sie feierten Taufe. Tauften’s und gaben ihm den Namen Wassili. Und er hatte schon selber zwei Jungen. Und er zog’s mit seiner Frau auf wie sein eigenes.
Er wächst bei ihnen nicht von Jahr zu Jahr, nicht von Tag zu Tag, sondern geradezu von Stunde zu Stunde. Und sie gaben ihn zusammen mit ihren Kindern in die Schule. Sie lassen ihn nichts merken, „daß du nicht unserer bist.“ Wenn die Kinder aus der Schule gelaufen kommen, treiben sie ihren Mutwillen. Wassili stößt sie ein klein wenig – das ist für sie schon zu viel. Sie kommen, beklagen sich: Hier, Wasja ärgert uns. Nun, sie sagen ihm nichts. Kinder sind eben Kinder.
Einmal hatten sich die Kinder verzankt – der älteste Junge sagt zu ihm: „Du bist nicht von uns, dich haben wir gefunden.“ Der lief mit Tränen zu Vater und Mutter. Die wollen es ihm ausreden; aber er wiederholt immer das eine: „Laßt mich fort: wenn ich nicht euer Kind bin, dann will ich in die Welt ziehen.“ Nun, irgendwie besänftigten sie ihn. Er blieb. In der Schule war er der beste. Man-cher lernt drei Jahre, er hatte in einem Jahr alles begriffen.
Einmal spielten die Kinder mit Pfeilen, und seine Pfeile waren auf einen alten, zerfallenen Schuppen gefallen. Er ging, seinen Pfeil zu holen, sah dieses Faß und las die Aufschrift. Und er geht jetzt zu Vater und Mutter. „Nein, ihr habt die Unwahrheit gesagt. Hier ist dieses Faß. Laßt mich fort, ich will in alle vier Himmelsrichtungen gehen und mein Glück suchen.“
Sie aber schmerzte es, ihn fortzulassen. Sie mühten sich einige Zeit mit ihm ab, können nichts mit ihm anfangen und erzählen ihm nun von selbst alles ausführlich, wer er ist und wessen Sohn er ist.
Und er ging in die Stadt, wo dieser unsterbliche Kastschej wohnte. Jetzt aber hatte der Kastschej schon eine Mauer rings um die Stadt machen las-sen: läßt niemanden durch. Genau gegenüber dem Schloß Kastschejs lebte eine alte Frau in ei-ner elenden Hütte. Zu dieser Alten kommt eben dieser Wasja und bittet um ein Nachtlager. Die Alte ließ ihn ein und setzte ihm vor, was sie da hatte. „Wer herrscht über Eure Stadt hier, Groß-mütterchen?“ fragt er. „Oh, mein Kind, der unsterbliche Kastschej herrscht über diese Stadt! Er hat das Volk schon fast zu Tode gepeinigt!“ – „Warum, Großmütterchen, ist diese Stadt so stark bewacht?“ fragt er. „Oh, mein Kind, früher war das einfach, alle liefen und fuhren einfach so ein und aus. Das ist alles aus einem bestimmten Grunde geschehen.“ – „Aus welchem Grunde denn?“ – „Der Kastschej hat eine Frau, die hat er den Russen gestohlen; und hier hat ein Ritter gelebt, der hat die Frau Kastschejs immer besucht, Kastschej aber hat die ganze Geschichte herausbekommen und ihm den Kopf abgeschlagen, da-nach aber hat er hier die Wachen ausgestellt. Und die Frau Kastschejs war vom Adler-Zarewitsch schwanger, und ich weiß nicht, wo sie das Kleine verborgen hat.“ Wasja aber schrieb sich alles hinter die Ohren. „Höre, liebes Großmütterchen, sei du mir eine zweite Mutter, ich habe ein Anliegen an dich. Geh auf den Markt, kauf mir Frauenklei-der und eine Geige, und hier hast du Geld, kauf mir etwas zu essen. Und sage niemandem etwas, einfach: eine Frau ist bei mir zu Besuch, und fer-tig!“ Die Alte ging also auf den Markt, kaufte ihm Frauenkleider und eine Geige. Er zog die Frauenkleider an und bat die Alte, bat sie inständig, sie solle nicht sagen, daß er männlichen Geschlechts sei.
Er setzte sich auf den Hof unters Fenster, dem Kastschej gegenüber, und begann, auf der Geige zu spielen – Kastschej gefiel die Musik. Er lausch-te und lauschte, fing auf seinem Balkon an zu tanzen und schickt seine Diener: „Geht hin und fragt dieses Mädchen, ob sie nicht am Abend zu mir spielen kommen will.“ Die Diener fragen das Mädchen, aber die, das heißt Wasja, sagt: „Ich verstehe es nicht, für euren Herrn zu spielen, ich bin von einfachen Leuten. Eine gewöhnliche Land-streicherin. Wie sollte ich für ihn spielen können?“
Wieder schickt er die Diener, sie solle es nicht abschlagen, denn ihr Spiel gefalle sehr. Nun, er versprach zu spielen und schreibt ein Briefchen für seine Mutter. „Euer Sohn, der im Faß war, hat sich gefunden, ich bin beim Onkel aufgewachsen. Und, meine liebe Mutter, frage den Kastschej, wo sein Tod ist. Er wird zweimal lügen, das dritte Mal sagt er die Wahrheit. Und hat er gesagt, wo sein Tod ist, dann sei recht aufmerksam zu ihm.“
Und die Diener kamen und riefen dieses Mäd-chen, sie solle spielen. Kastschej gefiel sie sehr. Sie spielt schön und ist ein sehr kluges und ehrer-bietiges Mädchen. Aber seine Frau zeigt er ihr nicht einmal, hält sie im zwölften Stockwerk ge-fangen, wegen ihres Fehltritts. Aber Wasja schlug ihm trotzdem ein Schnippchen, schickte der Mut-ter durch die Kammerzofe das Briefchen. Als das Tanzen zu Ende ist, begleiten die Diener das Mäd-chen nach Hause, Kastschej gibt ihm fünfzig Ru-bel, aber er übergab dieses Geld heimlich der Kammerzofe, damit diese das Briefchen abliefere.
Nun, und weil er, Kastschej, nach Herzenslust getanzt hatte und herumgehopst war, schläft er am nächsten Morgen lange. Das hatte es bei Kastschej noch nie gegeben: ihr wurde der Tee gebracht, sie weckt ihn und bittet ihn ganz zärtlich, Tee zu trinken. Kastschej freute sich sehr darüber. Sonst liebte sie ihn nicht, und jetzt ruft sie ihn, mit ihr Tee zu trinken. Und beim Tee be-gann sie eine Unterhaltung mit ihm: „Solange wir auch schon miteinander leben, mein Liebster, so haben wir doch nie miteinander gesprochen. Und was macht dir das für Vergnügen, diese Abende zu veranstalten, dich bis zu einem solchen Grade abzuquälen, und jetzt bist du müde. Und wo be-findet sich denn. Liebster, Euer Tod?“
Kastschej mußte lachen: „Wozu braucht Ihr denn meinen Tod?“ – „Was für eine Frau kann ich dir denn sein“, sagt sie, „wenn ich nichts weiß.“ – „Mein Tod“, sagt er, „ist bei der Kuh in den Hörnern.“ – „Bei welcher?“ – „Bei der gescheckten“, sagt er und flog davon. Sie befahl sogleich, diese gescheckte Kuh zu ihr aufs Stockwerk zu bringen. Sie stellte sie auf einen kostbaren Teppich, steck-te ihr alle möglichen Blumen an und band ihr die verschiedensten Bänder um. Nun kommt Kastschej heim, sah’s: „Was hast du dir denn da wieder einfallen lassen?“ – „Nun, was ist das denn für eine Art, Liebster, paßt es sich etwa für deinen Tod, sich auf den Höfen herumzutreiben? Sie kön-nen deinen Tod noch umbringen, und ich bleibe als Witwe zurück. Lieber will ich ihn selber pflegen, mich um ihn kümmern, statt irgendwelcher Diener.“
Kastschej war gerührt. „Führ sie hinaus, Närrin, nicht hier ist mein Tod!“ Nun, die Kuh wurde weg-getrieben, die Blumen wurden abgenommen, sie begann zu weinen: „Warum willst du nicht die Wahrheit sagen?“ Kastschej aber weiß vor Freude nicht wohin, daß ihn sein Weib liebgewonnen hat.
Wieder veranstaltet er einen Abend, wieder lädt er jenes Mädchen ein zu spielen, und wieder hat der Sohn ein Briefchen geschrieben: „Frag noch mehr, wo der Tod ist.“ Nun, kurz gesagt, Kastschej tanzte wieder nach Herzenslust, legte sich wieder schlafen, und wieder weckt sie ihn früh und fragt nach seinem Tod: „Was für eine Frau kann ich Euch denn sein, wenn ich nichts weiß.“ – „Mein Tod ist beim Bock auf den Hör-nern“, sagte er und flog davon. Sie befahl sogleich, diesen Bock zu ihr nach oben zu tragen, stellte ihn auf einen Teppich und umwand ihn mit Perlen und Gold.
Wieder kommt Kastschej heimgeflogen und sah’s: „Was ist denn das wieder?“ – „Nun, was ist denn das für eine Art, Liebster, ist es etwa gut für deinen Tod, sich auf den Höfen herumzutreiben?“ Er aber lacht: „Du Närrin und nochmals Närrin, führe ihn weg von hier!“ Da begann sie zu weinen: „Auf der Stelle, wenn du mich nicht liebst und nicht gutwillig die Wahrheit sagst, nehme ich mir das Leben. Ich komme zu dir mit meinem ganzen Herzen, und du liebst mich nicht und sagst nicht die Wahrheit.“ Nun, und heulte los. Kastschej sagte nun die Wahrheit: „Nun, Närrin und nochmals Närrin! Höre, wo mein Tod ist: Mein Tod ist hinter drei Ländern, auf einer wilden Step-pe, niemand geht dorthin, niemand fährt dorthin, über das Meer. Jenseits dieses Meeres steht eine Hütte, in dieser Hütte ist eine Kiste angeschmie-det, in dieser Kiste ist eine Schachtel, in dieser Schachtel eine Ente, in dieser Ente ein Ei, in die-sem Ei – mein Tod. Wenn dieses Ei zerbricht, das wird mein Tod sein.“
Sie schrieb das alles gleich auf ein Papier und schickte es mit der Kammerzofe ihrem Sohn. Der Sohn erhielt dieses Briefchen und wurde sehr froh. Nun, von der Alten nahm er Abschied – ließ ihr etwas Kapital zurück und sagt: „Großmütterchen, sag niemandem etwas und trag es nicht hinaus, vielleicht sehen wir uns einmal wieder, aber ich gehe jetzt auf die Wanderschaft.“
Ging er nun lange oder kurze Zeit, jedenfalls kam er in eine Gegend, wo es weder etwas zu kaufen noch etwas zu mieten gab, und er hatte Hunger. Irgendeinen schimmligen Zwieback hatte er noch. Er denkt: „Ich will ihn im Meer aufweichen und essen.“ Kaum war er am Ufer und hatte ihn aufgeweicht, kommt ein Fisch heran und ent-reißt ihm dieses Stückchen. „Warum hast du mir, einem Wandersmann, das letzte Stückchen weg-genommen?“ Nun, er zuckte die Achsel und ging weiter.
Es war ein klarer, heißer Tag. Der größte Fisch kam heraus, sich an der Sonne zu trocknen. Liegt da, wie ein großer Berg. Da denkt er bei sich: „Ich will meinen Stock danach werfen, irgendein Stück wird von diesem Fisch abbröckeln, und ich kann es essen.“ Der Fisch antwortete ihm: „Denke das nicht, Wanderer, du wirst von meinem Stück nicht ewig satt sein, mir aber wird es ewig weh tun, und ich kann dir besser nützlich sein.“ Er ging weiter und rührte den Fisch nicht an. Ertrug den Hunger.
Ein Hund kommt gelaufen, der hat drei Welfen bei sich, und er ist so hungrig, daß er mit dem Stock den einen Welfen totschlagen will. Der Hund antwortet ihm: „Für ewig wirst du dich an meinem Welfen nicht satt essen, ich aber werde ewig Klage gegen dich führen. Und ich kann dir noch nützlich sein.“
Nun, er ging weiter, wieder seinen Weg, und kommt an eben das Meer, wo die Hütte steht. Am Meer aber ist weder eine Fähre noch ein Boot – nichts. Er setzte sich hin, ließ den Kopf hängen und sitzt da. Da sieht er: das Meer bewegt sich. Derselbe Fisch, von dem er ein Stück hatte ab-schlagen wollen, kam heran und brachte ihm auf seinem Rücken die Hütte angeschleppt. „Nun, bist du zufrieden mit meinem Dienst?“ – „Danke!“ sagt er. Er geht in die Hütte hinein, bricht die Kiste auf, hat die Kiste aufgebrochen – aber er hatte in der Hütte die Tür nicht zugesperrt, die Ente sprang aus der Schachtel und flog davon in die Steppe. „Was für eine Dummheit!“ Er setzte sich hin und ließ den Kopf noch ärger als das erste Mal hängen. „Hab sie in den Händen gehabt und sie nicht halten können.“ Irgendwoher bringt ihm der Hund, dessen Welfen er verschont hatte, die Ente angeschleppt; er hatte ihr im Flug den Hals durchgebissen. – „Nun, siehst du, Wandersmann, auch ich bin dir nützlich gewesen.“ Er verneigte sich vor dem Hund bis zum Gürtel. Setzte sich hin, die Ente aufzuschneiden: die Ente hatte er zwar aufgeschnitten, aber das Ei rollte zurück ins Meer. „Was bin ich nur für ein Narr, was für ein Dummkopf!“ Plötzlich sieht er, das Meer bewegt sich, und der Fisch, der ihm den Zwieback entris-sen hatte, bringt ihm das Ei angeschleppt. Er steckte das Ei ein und ging zurück.
Nun, und Kastschej ging es zu Hause schlecht. Der Tod hatte ihn angerührt. Nun, kurz erzählt, er kommt wieder zu dieser Alten, bei der er das er-ste Mal gewesen war. „Nun, Großmütterchen, was gibts Neues bei uns?“ – „Das gibt es Neues, daß Kastschej im Bett liegt, schon ohne Bewegung liegt.“ Er übernachtete bei der Alten. Am anderen Tag geht er geradenwegs ins Schloß zu Kastschej, geht schon furchtlos. Kastschej bittet ihn um Gnade: „Gib mir dieses Ei, nimm meinen Platz ein, ich gehe fort von hier.“ Er hörte nicht darauf, nahm das Ei, zerschlug’s, und Kastschej mußte ins Gras beißen. Da verbrannte er Kastschej, streute die Asche in alle Winde, verstreute sie bis aufs letzte Körnchen. Das ganze Volk atmete auf. Nun gab es ein Läuten, Singen und Freude. Er aber ging, den Vater ausgraben. Grub den Vater aus, bestrich ihn mit diesem Ei, und sein Vater wurde wieder lebendig. Nun, und nun lebten sie herrlich und in Freuden und wurden reiche Leute. Auch der Onkel, bei dem er gelebt hatte, kam, zu diesem Fest.

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