Das Urteil des Schemjaka

Es waren einmal zwei Brüder: der eine war reich, der andere arm. Der Arme kam zu dem Reichen und bat um ein Pferd. Der Reiche gab ihm ein Pferd, aber das Geschirr gab er ihm nicht. Nun, was sollte der arme Bruder tun? Nun, er band den Wagen einfach an den Schwanz. Fuhr in den Wald und hackte eine große Fuhre Holz. Kam nach Hause, machte das Tor auf, da blieb der Wagen stecken. Das Pferd zog – und der Schwanz riß ab. Er bringt das Pferd ohne Schwanz zurück, und der Bruder wurde böse: „Ich bringe dich vor Schemjaka den Richter!” Sie fuhren los. Fuhren und fuhren. Bei einem reichen Bauern kehrten sie ein. Der Reiche sitzt beim Reichen, sie essen und trinken Schnaps, der Arme aber liegt auf dem Ofen und wollte sehen, was die Reichen essen. Beugte sich über den Ofenrand, konnte sich nicht halten, fiel herunter und erdrückte ein Kind. Der reiche Bauer sagt: „Ich gehe zu Schemjaka dem Richter!” Nun fuhren sie schon zu dritt weiter. Unterwegs ist eine große Brücke. Der arme Bruder denkt:
„Mit mir ist’s sowieso aus. Ich will von der Brücke herabspringen und mich zu Tode stürzen.”
Dort aber kam gerade ein junger Bursche mit seinem kranken Vater gefahren.
Der arme Bruder sprang von der Brücke herunter und erschlug den Vater. Der Bursche sagt: „Ich gehe zu Schemjaka dem Richter!” Sie kommen zum Richter. Der Bruder bringt seine Klage vor, der arme Bruder aber hatte einen Stein in ein Tuch gewickelt und zeigt ihn dem Richter. Schemjaka der Richter denkt, er will ihm Geld geben, und sagt:
„Gib ihm das Pferd, bis der Schwanz nachgewachsen ist!”
Nun brachte der reiche Bauer seine Klage vor, dem er das Kind erschlagen hatte, der arme Bruder aber zeigt wieder den Stein. Schemjaka der Richter sagt: „Gib ihm deine Frau, bis sie ein Kind bekommt!” Nun brachte der Bursche seine Klage vor, der Arme aber zeigt wieder den Stein im Tuch.
„Armer Bauer, stell du dich unter die Brücke, du aber, Bursche, spring auf ihn herunter und erschlage ihn!”
Als alle gegangen waren, ruft Schemjaka den armen Bauern: gib das Geld her, sagt er, der aber wickelt das Tuch auf und sagt:
„Hättest du das Urteil nicht zu meinem Vorteil gesprochen, ich hätte Schemjaka den Richter erschlagen!”
Schemjaka der Richter freute sich. „Gott sei Dank, daß ich das Urteil so gesprochen habe!”
Und der Arme kommt zu seinem Bruder, um das Pferd zu holen, der Bruder aber sagt zu ihm:
„Ich will dir eine Kuh geben und ein paar Scheffel Getreide, nur laß mir das Pferd!”
Der Arme nahm das alles und ging zu dem reichen Bauern, um die Frau zu holen. Der erschrak und bat ihn:
„Ich will dir ein Pferd geben und ein paar Scheffel Getreide, nur nimm nicht die Bäuerin!”
Der nahm’s und ging zu dem jungen Burschen.
„Nun”, sagt er, „ich will mich unter die Brücke stellen, spring du auf mich herunter!”
Der Bursche hatte Angst, von der Brücke herunterzuspringen, und bittet den armen Bruder: „Nimm eine Ziege und ein paar Scheffel Getreide, ich kann nicht springen!”
Der arme Bruder nahm das alles und führt jetzt ein schönes Leben.

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