Das Schweinchen

Es lebten einmal ein Kater, ein Sperling, dazu als drittes ein Schweinchen und schließlich noch ein Hahn. Die zogen alle nach Holz in den Wald, den Hahn aber ließen sie zu Hause: „Koch du den Brei, wir werden Holz schlagen!“ Der Hahn kochte den Brei, dann schläferte ihn, und er begann die Löffel zu zählen. „Das ist des Sperlings Löffel, das ist des Katers Löffel, das ist des Schweinchens Löffel, das ist mein Löffel, Kikeriki, rührt meinen Löffel nicht an!“ Das hörte die Füchsin, schlich sich heran und sagte:
Hahn, stolzer Hahn,
Golden ist dein Kamm,
Dein Köpfchen, wie schimmert’s,
Dein Hälschen, wie flimmert’s,
Schau einmal zum Fenster ‘raus,
Hochzeitsgäste sind vorm Haus,
Haben Erbsen gestreut,
Niemand liest sie auf!
(Hochzeitsgäste fuhren auch wirklich gerade Erbsen vorbei!) Der Hahn sah zum Fenster hinaus, die Füchsin packte ihn und schleppte ihn fort. Da schrie der Hahn: „Kater, Sperling und Schweinchen als drittes, die Füchsin hat mich fortgeschleppt, hinter die dunklen Wälder, hinter die hohen Berge, hinter das tiefe Moor!“ Sie hörten’s und jagten der Füchsin nach. Der Kater rennt, daß die Erde erzittert, der Sperling fliegt, daß die Bäume rauschen, und das Schweinchen springt, reißt die Augen auf, setzt über alle Hin-dernisse und rennt nieder, was ihm in den Weg kommt – uch, wie ein Bär. Sie holten die Füchsin ein und entrissen ihr den Hahn. Zu Hause ange-kommen, machten sie sich wieder auf den Weg nach Holz und sagten beim Weggehen: „Wir ge-hen Holz holen, koche du den Brei, aber hüte dich, das Fenster aufzumachen, sonst schleppt dich die Füchsin fort!“ Der Hahn kocht wieder Brei, sitzt dann da, langweilt sich, wird schläfrig und beginnt wieder, die Löffel zu zählen: „Das ist des Sperlings Löffel, das ist des Katers Löffel, das ist des Schweinchens und das ist mein Löffel. Kikeriki, rührt meinen Löffel nicht an!“ Das hörte die Füchsin, schlich sich ans Haus und sagte:
Hahn, stolzer Hahn,
Golden ist dein Kamm,
Dein Köpfchen, wie schimmert’s,
Dein Hälschen, wie flimmert’s,
Schau einmal zum Fenster ‘raus,
Hochzeitsgäste sind vorm Haus,
Haben Erbsen gestreut.
Niemand liest sie auf!
Der Hahn sah zum Fenster hinaus, die Füchsin packte ihn und schleppte ihn fort. Da schrie der Hahn: „Kater, Sperling und Schweinchen als drittes, die Füchsin hat mich fortgeschleppt, hinter die dunklen Wälder, hinter die hohen Berge, hinter das tiefe Moor!“ Sie hörten’s und jagten der Füchsin nach. Der Kater rennt, daß die Erde erzit-tert, der Sperling fliegt, daß die Bäume rauschen, und das Schweinchen springt, reißt die Augen auf, setzt über alle Hindernisse und rennt nieder, was ihm in den Weg kommt. Sie rannten und rannten, konnten die Füchsin aber nicht einholen: zu weit hatte sie den Hahn schon geschleppt. So liefen sie wieder heim. „Wie können wir nur den Hahn befreien?“ Da kam ihnen ein Gedanke: Sie machten sich eine Zither und zogen aus, den Hahn zu befreien. Sie zogen also mit ihrer Zither los, kamen an der Füchsin Haus und begannen zu spielen und dazu zu singen:
Zither, kling, dieweil wir singen,
Laß die goldnen Saiten klingen.
Ist die Füchsin noch zu Haus?
Ging die Füchsin noch nicht aus?
Mit ihren Kinderchen, den kleinen.
Mit den Kinderchen, den feinen?
Mit dem ersten, dem Beißer,
Mit dem zweiten, dem Greiner,
Mit dem dritten, dem Zerschlag-den-Topf,
Mit dem vierten, dem Reich-mir-den-Trog?
Das hörten die Töchter der Füchsin und sagten: „Mutter, dort spielen sie auf der Zither, wir wollen gehen und tanzen!“ – „Geht nur, tanzt ein wenig!“
Da gingen sie eine nach der anderen hinaus. Die erste kam zum Tanze – sie rissen ihr den Kopf ab und verschwanden wieder hinter den Büschen.
Dann begannen sie wieder: „Zither, kling, die-weil wir singen, laß die goldnen Saiten klingen!“
Alle Töchter kamen nacheinander heraus, allen rissen sie die Köpfe ab. Die Füchsin wartet, aber ihre Töchter kommen nicht zurück. „Nun“, denkt sie, „ich will doch selbst auch ein wenig tanzen: sie spielen gar zu schön!“ Kaum war sie aus dem Tor heraus, rissen sie ihr den Kopf ab und gingen ins Haus hinein. Der Hahn saß mit festgebundenen Flügeln auf der Bank und ließ den Kopf hän-gen. Da freuten sie sich, banden ihn los und zo-gen heim. Von nun an lebten sie herrlich und in Freuden und wurden reiche Leute.

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