Das Geschäft mit dem Teufel

Es war einmal ein armer Bursche, der hatte nichts zum Leben. Da ging er zum Gutsbesitzer, um sich Geld zu borgen. Der Gutsbesitzer borgte ihm hundert Rubel und sagte, er solle sie bald zurückge-ben. Der arme Bursche aber gab das Geld aus und konnte es dem Gutsherrn nicht rechtzeitig zurückgeben. Der Gutsherr herrschte ihn streng an, und da sagte der arme Bursche: „Ich weiß nicht, wo ich es hernehmen soll.“
„Und wenn du dem Teufel deine Seele gibst“, sagte der Gutsherr, „das Geld mußt du zurückgeben!“
Da ging der arme Bursche ins Moor und rief den Teufel. Der Teufel erschien und fragte: „Was willst du?“
Da sagte der arme Bursche: „Nimm meine Seele und gib mir Geld dafür, damit ich es dem Gutsbesitzer zurückgeben kann!“
Da sagte der Teufel: „Geld gebe ich dir soviel du willst. Deine Seele aber, Armer, brauche ich nicht. Wenn du dem Gutsherrn das Geld zurückbringst, dann flüstere leise, während du ihm das Geld gibst: ‚Hol dich der Teufel mit deinem Geld!’“
Das tat er und kehrte dann wieder zum Teufel zurück. Da sagte der Teufel: „Kaufe dir ein großes Gut und lebe dort! Aber du darfst dich sieben Jahre nicht waschen, nicht rasieren und dir nicht die Haare schneiden lassen.“
Der Bursche kaufte das Gut und wurde ein reicher Mann.
Da begann ein Krieg. Der feindliche König besiegte das Land, in dem der reiche Bursche lebte, und der besiegte König mußte dem Siegerkönig einen großen Tribut zahlen. Da erfuhr der besiegte König, daß in seinem Land ein reicher Mann lebt und daß nur dieser den Tribut zahlen kann und sonst niemand weiter.
Der Teufel kam zu dem reichen Bauern und sagte: „Zu dir kommt heute der König und wird dich um Geld bitten. Sage ihm folgendes: ‚Wenn du mir deine Tochter zur Frau gibst, dann will ich dir das Geld borgen.’“
Der Reiche hatte sich sieben Jahre nicht gewaschen, nicht rasiert und sich nicht die Haare ge-schnitten und sah schlimmer aus als der Teufel. Als der König ihn erblickte, erschrak er. Sie be-gannen eine Unterhaltung, und der Reiche sagte: „Geld habe ich soviel Ihr wollt. Gebt mir Eure Tochter zur Frau, dann gebe ich Euch das Geld.“
Der König aber hatte drei Töchter. Und er ant-wortete: „Wenn eine meiner Töchter bereit ist, Euch zu heiraten, dann bin ich auch bereit.“
Der Bursche gab ihm ein Bild, auf dem er schlimmer aussah als der Teufel, und sagte: „Zeigt dieses Bild Euren Töchtern und fragt, wel-che bereit ist, mich zu heiraten!“
Der König nahm dieses Bild und kam in seinen Palast. Das war abends.
Am frühen Morgen kam die älteste Tochter zum König und fragte: „Vater, hast du jemanden gefunden, der viel Geld hat?“
Der Vater sagte, daß er jemanden gefunden habe, und zeigte das Bild. „Da ist er. Aber er gibt uns das Geld nur dann, wenn eine meiner drei Töchter bereit ist, ihn zu heiraten.“
Da antwortete sie: „Lieber stoße ich mir das Messer ins Herz, als ein solches Ungeheuer zu heiraten.“ Und sie ging davon.
Da kam die mittlere Tochter und fragte: „Hast du jemanden gefunden, der unser Land freikaufen kann?“
Der König sagte, daß er jemanden gefunden habe, und zeigte das Bild. „Da ist er! Wenn eine von euch bereit ist, ihn zu heiraten, dann gibt er uns so viel Geld, wie wir brauchen.“
Da antwortete sie: „Lieber stürze ich mich aus dem vierten Stock herunter, als dieses Ungeheuer zu heiraten.“ Und sie ging fort.
Die jüngste Tochter kam und fragte: „Nun, Vater, habt Ihr jemanden gefunden, der unser Land freikaufen kann?“
Der König zeigte das Bild und sagte: „Dieser Mann hat Geld, aber er will, daß du ihn heiratest. Wenn du ihn heiratest, dann gibt er uns das Geld.“
Sie schaute auf das Bild und sagte: „Es stimmt, daß er häßlich ist, sehr häßlich, aber wenn er un-ser Land freikauft, dann heirate ich ihn.“
Sie nahm einen Ring und ihr Bild und schickte es ihm. Dann sagte sie dem Vater, daß er zu ihm fahren solle, das Geld holen und den Tribut zah-len; den Verlobungsring des Reichen sollte er auch mitbringen. Der Vater tat das.
In dieser Zeit gingen die sieben Jahre, die der Bursche sich nicht gewaschen und nicht rasiert hatte, zu Ende. Da kam der Teufel zu ihm und sagte: „Jetzt wirf die Maske fort, wasch dich, ra-sier dich und laß dir die Haare schneiden! Kauf dir die sechs schönsten Pferde und das schönste Ge-schirr und eine Kutsche und mache dich reisefer-tig!“
Der Teufel half dem Burschen beim Anziehen. Und er wurde so hübsch, daß man es weder mit der Feder beschreiben noch im Märchen erzählen kann.
Der Bursche setzte sich in die Kutsche und fuhr zu der Königstochter.
Zu dieser Zeit aber wurde im Zarenpalast Namenstag gefeiert. Die Königstochter wußte nicht, daß er kommen würde. Da erschien plötzlich ein unbekannter Gast. Als der König den hübschen Mann erblickte, ging er ihm entgegen und lud ihn zu Tisch ein. Der Bursche aber sagte: „Ich möchte die jüngste Tochter des Zaren sehen. Wird sie mir gestatten, in ihr Zimmer einzutreten?“
Die Schwestern feierten mit ihren Männern (sie hatten sich schon verheiratet) auf dem Ball. Sie aber, die Ärmste, saß in ihrem Zimmer. Sie gestattete dem unbekannten Gast, in ihr Zimmer einzutreten.
Der Gast kam. Sie wies auf einen Platz, er setzte sich nieder, und sie begannen ein Gespräch. Er sagte: „Seid Ihr bereit, mich zu heiraten?“
„Nein, ich habe schon einen Bräutigam, den ich heiraten muß.“
Und sie zeigte ihm das Bild.
Da sagte er: „Warum heiratet Ihr einen so Häßlichen? Heiratet lieber einen wie mich, einen so Hübschen.“
Da sagte sie: „Das kann ich nicht. Er hat uns freigekauft, und ich heirate ihn dafür.“
„Aber vielleicht bin ich das gewesen?“ fragte der Bursche, und er zeigte ihr das Bild und den Verlobungsring. Da glaubte sie ihm, daß er sich so verändert hatte, und freute sich sehr darüber. Sie umarmte ihn, küßte ihn heiß und führte ihn in das Festzimmer. Sie sagte zum Vater und zu den Gä-sten: „Das ist er, der unser Land freigekauft hat!“
Als die älteste Schwester sah, daß er so hübsch geworden war, stieß sie sich vor Neid das Messer ins Herz. Die mittlere Tochter aber stürzte sich aus dem vierten Stock zu Tode.
Da trat der Teufel unbemerkt an den Burschen heran und flüsterte ihm ins Ohr: „Nun, was willst du noch? Ich habe dir doch gesagt, daß ich nicht deine, eines Armen Seele brauche. Jetzt habe ich statt deiner drei, die Seele vom Gutsbesitzer, den du verwünscht hast, und die beiden Seelen der Königstöchter. Lebe glücklich und gehe dann, wohin du willst, in den Himmel oder in die Hölle!“

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